Stadtführung wärmt Kriminalfälle auf Eine todsichere Angelegenheit

Östliche Vorstadt. Vor etwa zwölf Jahren ist eine in einen Teppich und Folien eingewickelte Leiche im Segelhafen am Weserstadion entdeckt worden. Wer das Opfer war, weiß man bis heute nicht.
17.08.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ina Schulze

Vor etwa zwölf Jahren ist eine in einen Teppich und Folien eingewickelte Leiche im Segelhafen am Weserstadion entdeckt worden. Wer das Opfer war, weiß man bis heute nicht. Die Polizei ist aber darauf aus, keinen solchen Fall ungeklärt zu lassen. „Die Polizisten wollen ihrem idealistischen Anspruch von Gerechtigkeit Genüge leisten. Was sie dabei für einen Aufwand betreiben, ist beeindruckend“, sagt Andreas Calic, der „kriminalistische“ Stadtrundgänge leitet.

Das Stattreisen-Team hat mit „Sex & Crime: Leichte Mädchen, schwere Jungs und eine unbekannte Leiche“ einen neuen, spannenden Fall in sein Programm von Stadtführungen aufgenommen. Ob „Po-Pikser“, „Jan-Jan“ oder auch Störer der Totenruhe: In Bremens Geschichte findet sich viel erotisch angehauchte Kriminalität.

Bei den rund zweistündigen Führungen werden die Teilnehmer nicht zu sensationslüsternen Voyeuren, sondern befassen sich seriös mit kriminalistischen, psychologischen und literarischen Facetten des Themas, hören von Justizirrtümern und autoerotischen Unfällen, mörderischen Stalkern und unbekannten Toten. Wie Andreas Calic erläutert, kann man anhand von Zähnen das Alter einer Person bestimmen, da Zähne ähnlich wie Bäume Ringe haben.

Für die Führung hat der Historiker und Kulturwissenschaftler von der Gete in alten Zeitungen recherchiert. Oft hilft ihm der sogenannte kommissarische Zufall dabei, eine neue Spur für einen Rundgang zu entdecken. Historische Fälle rollt er auf, fragt bei der Polizei nach und stöbert in Archiven. Für „Sex & Crime“ hat er außerdem gezielt nach einem Suchaufruf in der Zeitung Ausschau gehalten.

Auch zwischen den Stationen weiß der Historiker viel zu erzählen, gibt etwa Anekdoten zu Straßennamen zum Besten und erklärt nebenbei, warum es im Viertel kaum Sackgassen gibt. „Bei einem Feuer soll man zu beiden Seiten der Straße rauskommen können“, sagt er.

Einen Abstecher machen die Teilnehmer der Führung dann zur Helenenstraße, der ersten offiziell kontrollierten Prostituiertenstraße der Welt. Und Andreas Calic erzählt außerdem Geschichten aus der frühen Nachkriegszeit mit ihrem Schwarzmarkt und Gerichtsverhandlungen um heute lächerlich niedrig wirkende Geldbeträge.

In einem weiteren Hinterhof geht es mit dem nächsten Paukenschlag weiter. Gleich um die Ecke hat ein sogenannter Leichenschänder gewohnt. „Er hat eine Leiche aus einem Kühlraum geklaut und Teile herausgeschnitten“, erzählt Andreas Calic und berichtet von psychologischen Störungen und ersten mörderischen Auswüchsen, die so manchen Zuhörer erschaudern lassen.

Nach vielen Schreckensgeschichten erzählt er gerne von dem Dienstmädchen, das in der Nähe der Wallanlagen wohnte. „Und hol das Zicklein aus dem Stall, damit es mich beglücke!“, hat Julie Schrader in ihren Gedichten Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben, die durchaus als anrüchig empfunden wurden.

Die nächsten Führungen „Sex & Crime“ von Stattreisen sind an den Sonnabenden, 23. August, 27. September und 25. Oktober, jeweils um 11 Uhr. Nachmittagstermine gibt es am 11. Oktober und 29. November, jeweils um 17 Uhr.

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