Stattreisen wärmt bei neuer Führung „Sex & Crime“ historische Kriminalfälle auf

Eine todsichere Angelegenheit

Dass man anhand von Zähnen das Alter eines Menschen bestimmen kann, das weiß man, wenn man die neue Führung „Sex & Crime: Leichte Mädchen, schwere Jungs und eine unbekannte Leiche“ von Stattreisen Bremen mitgemacht hat. Während des zweistündigen Rundgangs werfen die Teilnehmer einen Blick in Bremens düstere Ecken. Schaurige, aber auch skurrile und lustige Szenarien schildert Andreas Calic wieder am Sonnabend, 26. Juli, ab 11 Uhr.
24.07.2014, 00:00
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Von Ina Schulze
Eine todsichere Angelegenheit

Andreas Calic geht mit seinen Gruppen bei „Sex & Crime“ in Hinterhöfe.

Ina Schulze/frei

Dass man anhand von Zähnen das Alter eines Menschen bestimmen kann, das weiß man, wenn man die neue Führung „Sex & Crime: Leichte Mädchen, schwere Jungs und eine unbekannte Leiche“ von Stattreisen Bremen mitgemacht hat. Während des zweistündigen Rundgangs werfen die Teilnehmer einen Blick in Bremens düstere Ecken. Schaurige, aber auch skurrile und lustige Szenarien schildert Andreas Calic wieder am Sonnabend, 26. Juli, ab 11 Uhr.

Vor etwa zwölf Jahren ist eine in Teppiche und Folien eingewickelte Leiche im Segelhafen am Weserstadion entdeckt worden. Wer das Opfer war, weiß man bis heute nicht. Die Polizei ist aber darauf aus, keinen solchen Fall ungeklärt zu lassen. „Die Polizisten wollen ihrem idealistischen Anspruch von Gerechtigkeit Genüge leisten. Was sie dabei für einen Aufwand betreiben, ist beeindruckend“, sagt Andreas Calic, der „kriminalistische“ Stadtrundgänge leitet. DNA-Spuren würden gesichert und Verpackungsmaterialien bis ins kleinste Detail untersucht, um sie zu ihrem Produktionsort zurückverfolgen zu können.

Das Stattreisen-Team hat mit „Sex & Crime: Leichte Mädchen, schwere Jungs und eine unbekannte Leiche“ einen neuen, spannenden Fall in sein Programm von Stadtführungen aufgenommen. Ob „Po-Pikser“, „Jan-Jan“ oder auch Störer der Totenruhe: In Bremens Geschichte findet sich viel erotisch angehauchte Kriminalität.

Bei den rund zweistündigen Führungen werden die Teilnehmer nicht zu sensationslüsternen Voyeuren, sondern befassen sich seriös mit kriminalistischen, psychologischen und literarischen Facetten des Themas, hören von Justizirrtümern und autoerotischen Unfällen, mörderischen Stalkern und unbekannten Toten. Leichen pflastern den Weg der Gruppe vom Café Weserbogen am Stadion bis in die Innenstadt. Wie Andreas Calic erläutert, kann man anhand von Zähnen das Alter einer Person bestimmen, da Zähne ähnlich wie Bäume Ringe haben. Sogar Stresssituationen kann man daraus ableiten.

Für die Führung hat der Historiker und Kulturwissenschaftler von der Gete in alten Zeitungen recherchiert. Oft hilft ihm der sogenannte kommissarische Zufall dabei, eine neue Spur für einen Rundgang zu entdecken. Historische Fälle rollt er auf, fragt bei der Polizei nach und stöbert in Archiven. Für „Sex & Crime“ hat er außerdem gezielt nach einem Suchaufruf in der Zeitung Ausschau gehalten.

Anekdoten zu Straßennamen

Auch zwischen den Stationen weiß der Historiker viel zu erzählen, gibt etwa Anekdoten zu Straßennamen zum Besten und erklärt nebenbei, warum es im Viertel kaum Sackgassen gibt. „Bei einem Feuer soll man zu beiden Seiten der Straße rauskommen können“, sagt er.

Einen Abstecher machen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung dann zur Helenenstraße, der ersten offiziell kontrollierten Prostituiertenstraße der Welt. Und Andreas Calic erzählt seinem Publikum außerdem Geschichten aus der frühen Nachkriegszeit mit ihrem Schwarzmarkt und Gerichtsverhandlungen um heute lächerlich niedrig wirkende Geldbeträge.

In einem weiteren Hinterhof geht es mit dem nächsten Paukenschlag weiter. Gleich um die Ecke hat ein sogenannter Leichenschänder gewohnt. „Er hat eine Leiche aus einem Kühlraum geklaut und Körperteile herausgeschnitten“, erzählt Andreas Calic und berichtet von psychologischen Störungen und ersten mörderischen Auswüchsen, die so manchen Zuhörer erschaudern lassen. An die Geschichten hat sich Andreas Calic unter anderem mit Hilfe von alten Telefonbüchern herangetastet, um Tatorte oder entsprechende Häuser zu identifizieren.

Nach vielen Schreckensgeschichten erzählt er gerne von dem Dienstmädchen, das in der Nähe der Wallanlagen wohnte. „Und hol das Zicklein aus dem Stall, damit es mich beglücke!“, hat Julie Schrader in ihren Gedichten Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben, die durchaus als anrüchig empfunden wurden. Und schließlich rollt der Kulturwissenschaftler einen 40 Jahre alten Mordfall auf, der erst vor wenigen Jahren geklärt werden konnte.

„Was alles um einen herum passiert ist, weiß man gar nicht“, resümiert Teilnehmer Martin Gresselmeyer aus Oslebshausen. „Ich finde die Information sehr interessant, dass man mit einem Skelettschädel heutzutage das Gesicht rekonstruieren und anhand eines Haares den Täter überführen kann.“

Die nächste Führung „Sex & Crime“ von Stattreisen ist am kommenden Sonnabend, 26. Juli, ab 11 Uhr und startet beim Café Weserbogen, Auf dem Peterswerder 29. Anmeldungen sind nicht erforderlich. Die Teilnahme kostet acht Euro, ermäßigt sieben. Weitere Termine sind Sonnabend, 23. August, 27. September und 25. Oktober, jeweils um 11 Uhr. Nachmittagstermine gibt es am 9. August, 11. Oktober und 29. November jeweils um 17 Uhr.

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