Daniela Marschall stellt ihre Bilder und Zeichnungen unter dem Titel „Menagerie“ im Atelier Brandt Credo aus Eine ungewöhnliche Tierschau

Südervorstadt. Giraffen und Elefanten, die auf den Betrachter zukommen, Tiger in überdimensionaler Größe, Baumnymphen im Anflug und eine Pythonschlange, die im Hintergrund versteckt zuerst nicht auffällt: Die Galerie Brandt Credo gleicht derzeit einer Menagerie. So lautet denn auch der Titel der Ausstellung von Daniela Marschall.
29.05.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Kerstin Thompson

Südervorstadt. Giraffen und Elefanten, die auf den Betrachter zukommen, Tiger in überdimensionaler Größe, Baumnymphen im Anflug und eine Pythonschlange, die im Hintergrund versteckt zuerst nicht auffällt: Die Galerie Brandt Credo gleicht derzeit einer Menagerie. So lautet denn auch der Titel der Ausstellung von Daniela Marschall. Überall gibt es Tiere zu entdecken – große und kleine. Sie sind realistisch gezeichnet, während sich der Hintergrund ins Fantastische verliert. Die Fülle an Wunderwesen der Natur, die sich aus einem illusionären Raum schälen, erinnern szenisch an Alice im Wunderland, die durch Zufall findet, was sie zufällig sieht.

Daniela Marschall läuft durch die reale Welt, die sie in ihren Bildern neu erfindet. Sie fällt hinein in die Welt der Tiere. Ohne diese zu suchen. In der neuen Ausstellung im Atelier Brandt Credo erzählen ihre Bilder von ihren Begegnungen mit den Hauptdarstellern der Menagerie. „Ich setze mich nicht hin und warte auf ein Motiv oder inszeniere ein Bild“, sagt Marschall. „Ich guck‘ einfach, was passiert.“

Seit 2015 malt und zeichnet die Künstlerin, die in der Bahnhofsvorstadt lebt und arbeitet, vor allem Tierporträts nach eigenen Fotos. Auf Leinwand und Papier arbeitet Daniela Marschall in Mischtechnik: Mit Chinatusche legt sie das Motiv an, mit Aquarellfarbe und auch Pastellkreiden arbeitet sie Partien farbig aus. „Überall, sei es in Parkanlagen, vor der Haustür, in Zoos oder im Umland, sehe ich inspirierende Motive“, erzählt sie. An die 53 Bilder in unterschiedlichen Formaten, manche extra für die Ausstellung entworfen, verwandeln die Galerie in einen Zoo, in dem Besucher Meereslandschaften erforschen, Insekten beobachten und auf Augenhöhe mit Seepferdchen in die Tiefe hinabtauchen können.

Viele Motive, die ihre Menagerie erweitern, findet Daniela Marschall spontan auf Reisen, unter anderem auf ihren Streifzügen durch den Detroit Zoo, in Atlanta im Georgia Aquarium, dem Ozeaneum Stralsund, im Bremerhavener Zoo am Meer, im Tierpark Hagenbeck oder im Zoo Hannover, um nur einige zu nennen. „Kunst darf auch Spaß machen“, findet die Künstlerin.

Die Tiere sind dargestellt als Geschöpfe voller Ausdruckskraft: kraftvoll, sensibel, zerbrechlich und in all ihren Facetten. Viele sehen den Betrachter an, manche schauen an ihm vorbei. Aber immer sind die Blicke durchdringend und vielsagend. Der große Tiger aus dem „Maple Wildlife Resort“ in Topeka zum Beispiel, der ganz alleine eine Wand im Atelier Brandt Credo für sich beansprucht, verkörpert eine unglaubliche Präsenz, nicht nur durch die raffinierte dreiteilige Komposition, sondern insbesondere durch seine Augen und Mimik. „Das Auge, welches man auch Fenster zur Seele nennt“, um in diesem Zusammenhang Leonardo da Vinci zu zitieren, offenbart dem Eintretenden die Gefühlswelt des Tieres wie auch das Empfinden der Künstlerin als Urheberin ihrer Protagonisten. Daniela Marschall dringt offensichtlich bis in die Seele der Tiere durch und spiegelt diese in ihrer Kunst. „Bei der Umsetzung in die Malerei ist es mir sehr wichtig, welches Gefühl das Tier vermittelt“, betont sie.

Beim liegenden, nachdenklich wirkenden Tiger ist es trefflich gelungen, die Emotionen auszudrücken. Außerdem dokumentiert dieses Werk eindrucksvoll die Handschrift der Künstlerin: Aus dem Hintergrund in der für Marschall typischen Gestaltung aus Wirbeln, Kreisen, Linien, Punkten und Strukturen entwickelt sich das Motiv im Vordergrund. Dieser ist farblich besonders akzentuiert und zieht den Blick an sich. „Es soll bei meinen Motiven immer noch genug Raum für Fantasie und Interpretation sein“, merkt die Künstlerin an. Manche Tiere sind erst nach längerer Betrachtung zu entdecken. Besonders das Insektenzimmer ist eine Fundgrube für Entdeckungen. Dort sind kleinere Formate als sehr filigrane Arbeiten zu finden, die mit Pinsel, Stift oder aktuell auch mit Glasfeder gezeichnet sind. So bekommen Käfer, Hummeln und Schmetterlinge eine Chance, sich zu zeigen.

Die Metamorphose von Schmetterlingen hat es der Tierfreundin offensichtlich angetan. „Sie verändern sich von der Raupe über die Insektenpuppe zum Schmetterling und fliegen davon . . .“, sinniert die Künstlerin. Diese Wandlung beflügele sie zu neuen Inspirationen.

Ein Bild in der Galerie hat allerdings keinen Hintergrund. Es ist der Pfau, der mit seinem Pfauenrad schon die Gesamtfläche ausfüllt. „Der hat den Hintergrund schon eingebaut“, erklärt die Künstlerin. Leuchtend schaut er den Betrachter an – mit tausend Augen. In seinem in Gelb-, Grün- und Blautönen schimmernden Federkleid bricht sich das Licht. „Die Tiere tragen so viele Nuancen an Farben“, sagt Daniela Marshall. Ein Eisbär sei eben nicht nur weiß.

Daniela Marschall wurde 1975 in Bremen geboren und studierte an der Hochschule für Künste in Bremen Freie Kunst. Nach dem Diplomabschluss in 2006 setzte sie ihre künstlerische Ausbildung als Meisterschülerin fort mit dem Abschluss in 2007 bei ­Professor Peter W. Schaefer. Bereits im November 2006 wurde sie in Bremen mit dem Kunstförderpreis der Freimaurerloge „Zum ­Silbernen Schlüssel“ ausgezeichnet. Ihre Arbeiten zeigt sie seit 2004 in Einzelaus­stellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen. Zur aktuellen Ausstellung „Menagerie“ erscheint ein Katalog, dem in limitierter Auflage ein nummerierter und ­signierter Druck der Künstlerin beigelegt ist.

Die Ausstellung „Menagerie“ läuft bis zum 30. Juli im Atelier Brandt Credo, Meyerstraße 145. Sie ist sonntags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Individuelle Besichtigungstermine können unter der Telefonnummer 55 84 55 abgesprochen werden.
„Kunst darf auch Spaß machen.“ Daniela Marschall
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