Großprojekt in Obervieland macht kulturelle Vielfalt im Stadtteil deutlich Eine Weltreise in sieben Stunden

Obervieland. Vormittags in Asien einem japanischen Flötenspiel lauschen, dann Mittagessen in Afrika und im Anschluss kurz in Amerika und Australien Zwischenstopp machen, um schließlich den Abend in Europa ausklingen zu lassen. In nur sieben Stunden haben über 300 Obervielander diese rasante Reise über die Kontinente der Welt erlebt, ohne in ein Flugzeug steigen zu müssen.
30.03.2015, 00:00
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Von Karin Mörtel

Vormittags in Asien einem japanischen Flötenspiel lauschen, dann Mittagessen in Afrika und im Anschluss kurz in Amerika und Australien Zwischenstopp machen, um schließlich den Abend in Europa ausklingen zu lassen. In nur sieben Stunden haben über 300 Obervielander diese rasante Reise über die Kontinente der Welt erlebt, ohne in ein Flugzeug steigen zu müssen. Möglich wurde dies durch die Kooperation von über 15 Stadtteileinrichtungen, die sich über das Projekt „Zwiesprache Lyrik – die Weltreise“ zusammengefunden hatten.

Bereits am frühen Morgen erklangen aus dem AWO-Kinderhaus Annemarie Mevissen ungewohnte Töne. Mädchen und Jungen in weißen Kostümen tanzten zu Klängen der japanischem Sakuhachi-Flöte. In den Händen hielten sie selbst gebastelte Daruma-Figuren, die kleine buddhistische Mönche darstellen und in Japan als Glücksbringer gelten. Später gab es auch russische und türkische Lyrik zu hören. Und spätestens bei einem Asien-Quiz wurde dem letzten Besucher klar, auf welchem Kontinent er sich gerade befand.

„Die Idee hinter der Veranstaltung war, die Menschen an das Thema Lyrik heranzuführen, indem man auch Musik, Essen, Tanz und weitere Elemente der verschiedenen Kulturen eines Stadtteils präsentiert“, erklärt Projektkoordinatorin Sara Dahnken. Immerhin würden 110 Nationen in Obervieland Tür an Tür wohnen, „da gibt es viele Dinge, die die Nachbarn voneinander lernen können.“

Dahnken findet, es müssten ja nicht immer die Probleme beleuchtet werden, „denn die Multikulturalität bietet auch ein enormes Potenzial – das hat diese Veranstaltung schon in der Vorbereitung eindrucksvoll gezeigt.“ Denn die beteiligten Einrichtungen hätten gemeinsam mit den Anwohnern „ihren“ Kontinent vorbereitet. „Während der Workshops sind die Menschen keine Migranten mehr gewesen, sondern waren Experten, haben Rezepte ausgetauscht oder die politischen Verhältnisse in ihrem Heimatland erklärt“, berichtet Dahnken. „Das war für alle Beteiligten eine schöne Erfahrung“, bilanziert sie.

Zur Mittagszeit führte der Flötenspieler die Besucher zum Seniorenwohnheim am Heukämpendamm. Dort waren mitreißende Rhythmen von der Trommelakademie Djembé Experience und selbst geschriebene Lyrik der mitgereisten Kinder vom „Aktiv-Treff für Arsten“ sowie tief gehende Gedichte von dem togolesischen Dichter Ali Akondoh und von Heide Marie Voigt zu hören. Dazu passend gab es ein vielseitiges afrikanisches Büfett und einen interaktiven Stand, an dem die Besucher ihr Wissen über den afrikanischen Kontinent testen konnten.

Spontaner „Zustieg“

„Für uns und unsere Bewohner war das eine wunderbare Erfahrung“, schwärmt Beate Detzkeit, Leiterin des Pflegezentrums Arsten, im Nachhinein. „Bereits im Trommelworkshop kam ein tolles Gemeinschaftsgefühl und eine tolle Energie zwischen Jung und Alt auf.“ Ihre dementen Bewohner hätten viel Freude am Musizieren gehabt. „Auch für die Zukunft ziehen wir viel aus dem Projekt und finden, dass der Stadtteil dadurch noch ein Stück mehr zusammengewachsen ist“, sagt Detzkeit.

Die afrikanischen Trommeln gingen schließlich über in Samba-Rhythmen, und die Samba-Gruppe „Sambrassa“ geleitete die Weltreisenden nach Amerika ins Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland (BGO). „Das Schöne war, dass sich auf den Wegen zwischen den Standorten immer wieder Neugierige spontan der Reise angeschlossen haben“, freut sich Initiatorin Sara Dahnken. In Amerika gab es dann ein Show-Programm von Kindertanzgruppen mit Indianern, Cowboys, Adlern und weiteren landestypischen Elementen zu sehen. Die Zuschauer konnten sich zudem durch Gesichtsbemalung auch in einheimische Tiere verwandeln lassen oder sich mit Süßspeisen aus den Staaten stärken.

Zum Nachmittag ging es mit „Sambrassa“ weiter in das Herz von Kattenturm bis zum Ortsamt Obervieland, wo Samba in Didgeridoo-Klänge überging und die Kleinen aus der Kita Stichnathstraße in selbst gemachten australischen Tierkostümen zu den Sounds der Bremer Didgeridoo-Gruppe wie Kängurus hüpften. Gegen Abend brachen die Weltreisenden dann zur letzten Etappe Richtung Europa in die Grundschule Stichnathstraße auf. Russische Folklore, ein türkischer Saz-Spieler, Gedichte in Französisch, Türkisch, Italienisch, Deutsch, Russisch und dazu ein Quizstand vom „Martinsclub“ und dem Stadtteilhaus sowie ein Büfett von Eltern aus der Kita Stichnathstraße erwartete die weit gereisten „Touristen“. Quasi die Weltreise in Zeitraffer gab es dort außerdem in einer Vorführung der Theatergruppe des BGO zu sehen. Sie fügte in ihrem Stück Elemente aus allen Kontinenten zusammen.

Das Projekt wurde durch das Programm „Wohnen in Nachbarschaften“, Spenden der Gewoba, Gelder des Beirates, der Brebau, Bührmann-Gruppe, und dem Seniorenwohnpark Weser GmbH ermöglicht.

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