Studenten experimentieren im privaten Versuchslabor von Luftfahrtpionier Henrich Focke Eine windige Sache

Viel Wind um ein kleines Modell: Studenten der Uni Bremen machen im Windkanal von Henrich Focke aerodynamische Experimente – und arbeiten im Grunde genauso wie der Bremer Luftfahrtpionier vor 51 Jahren. Nur die Technik ist moderner.
21.07.2014, 00:00
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Eine windige Sache
Von Stefan Lakeband

Viel Wind um ein kleines Modell: Studenten der Uni Bremen machen im Windkanal von Henrich Focke aerodynamische Experimente – und arbeiten im Grunde genauso wie der Bremer Luftfahrtpionier vor 51 Jahren. Nur die Technik ist moderner.

Weiches Licht fällt durch die Oberlichter auf Olaf von Engeln. Seine braun-grauen Haare und sein schwarzes Hemd flattern im Wind des Windkanals, während er den vier Studenten die Funktionsweise erklärt. Der zweite Vorsitzende des Vereins „Focke-Windkanal“ ist froh, dass mit den jungen Akademikern wieder frischer Wind in das alte Gemäuer kommt, denn lange war das private Labor von Henrich Focke, dem Bremer Luftfahrtpionier, vergessen. Bis es 1997 wiederentdeckt und originalgetreu renoviert wurde. Seitdem ist es ein Museum – aber auch immer noch ein Ort, an dem geforscht wird.

„Wir können hier unsere theoretischen Kenntnisse auch praktisch umsetzen“, sagt Alexander Gosler. Der 25-Jährige studiert an der Universität Bremen Produktionstechnik mit dem Schwerpunkt Luft- und Raumfahrt und ist mit drei Kommilitonen in den Windkanal gekommen, um an einem Modell den Auftriebsdruck zu messen. Dazu steht ein Versuchsaufbau im Luftstrom, von dem Henrich Focke damals nur träumen konnte: ein Windmesser, ein Barometer, viele kleine Schläuche und ein Flügelmodell mit kleinen Löchern. „Darin befinden sich die Drucksensoren“, erklärt von Egeln.

Leidenschaft für Luftfahrt verbindet

Sie messen den Druck und seine Veränderung, wenn der Flügel im Windstrom des Kanals nach oben und nach unten geneigt wird. Also ganz so, als würde ein Flugzeug gen Himmel oder Richtung Erde fliegen. So etwas hatte Focke auch schon vor 51 Jahren gemacht, als er sein privates Labor eröffnete. Damals hing ein Flugzeugmodell an Drähten in der Mitte des Windkanals, die die Veränderung des Auftriebs mechanisch auf mehrere Waagen übertragen haben. Heute laufen die Messerergebnisse auf dem Computer ein und werden automatisch in lange Zahlenreihen sortiert.

Der Windkanal an sich ist aber gleich geblieben. Noch immer wird die Luft mit einer 14 000 Watt starken Maschine durch den Kanal gepustet, mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde kann ein Propeller den Wind durch die Anlage blasen. Verglichen mit anderen Windkanälen, wie man sie beispielsweise von Autobauern kennt, ist das wenig – für die Studenten der Universität aber genau richtig. Denn an der Uni gibt es zwar auch einen Windkanal. „Der ist aber für andere Größenordnungen ausgelegt“, sagt Henrik Kassai vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM). „Dort können wir Geschwindigkeiten von bis zu Mach neun simulieren.“ Für die Versuche der Studenten ist das viel zu viel.

Frederik Holle arbeitet das erste Mal mit einem Windkanal. Der 27-Jährige studiert Produktionstechnik im sechsten Semester und ist froh, das, was er in den Vorlesungen zu Aerodynamik und Strömungsmechanik gelernt hat, auch anzuwenden. Dass dabei Sensoren kalibriert sowie Luftdruck und Windgeschwindigkeit am Computer eingegeben werden müssen und viele technische Begriffe fallen, ist für den Achimer kein Problem. „Die Vorlesung hat mich gut darauf vorbereitet“, sagt er, während seine Kommilitonen vor dem Computer sitzen und den Winkel des Flügelmodells verändern. Das fährt daraufhin automatisch in eine andere Position. Im Hintergrund rauscht immerzu der Wind durch den Holzkanal.

Auch Alexander Gosler fühlt sich theoretisch gut ausgestattet. „Interessant ist es jetzt zu lernen, wie man Messungen aufnimmt.“ Er hat vor seinem Masterstudium bereits ein Jahr bei Airbus in Hamburg gearbeitet und wird dort auch wieder einsteigen. „Am liebsten in der Strukturmechanik“, sagt er. Für Flugzeuge hat er sich schon immer interessiert. Deswegen sei es auch etwas besonders, an der alten Wirkungsstätte von Henrich Focke selbst zu experimentieren.

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