Eine Woche „Click & Meet“ Terminshopping wird in Bremen noch nicht angenommen

Seit einer Woche darf der Einzelhandel wieder Kunden empfangen, das Zauberwort heißt Terminshopping. Doch eine der Vorgaben findet nicht überall Anwendung.
15.03.2021, 06:57
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Terminshopping wird in Bremen noch nicht angenommen
Von Frank Hethey

So richtig in Gang gekommen ist der Verkauf beim Surfshop Charchulla noch nicht. Seit genau einer Woche nutzt der vielleicht älteste Surfshop Europas die neue Möglichkeit, per Terminshopping wieder Kunden ins Geschäft zu lassen. „Das macht die Beratung und das Einkaufen bei uns noch exklusiver“, heißt es mit einem Anflug von Galgenhumor auf der Website des Geschäfts.

Doch bis jetzt hat der Neustart eine eher überschaubare Zahl von Kunden in den Laden gespült. „Es gibt viele Leerzeiten zwischendurch“, sagt Hansi Köllmann, einer der beiden Inhaber. „An manchen Tagen passiert gar nichts.“ Prinzipiell freut sich Köllmann über die Wiedereröffnung.

Einkaufen nur mit Termin

„Das ist besser, als zu Hause zu sitzen und Fernsehen zu gucken“, sagt er. Wie andernorts auch kann man mit dem Surfshop telefonisch, digital oder direkt an der Tür einen Besuchstermin vereinbaren. Allerdings hegt Köllmann den Verdacht, dass die frohe Kunde noch gar nicht wirklich durchgedrungen ist.

Lesen Sie auch

„Viele Leute wissen offenbar nicht, dass es Terminshopping gibt.“ Doch vielleicht verbreite sich das Wissen ja allmählich. Nach dem Lockdown im vergangenen Jahr habe es auch eine gewisse Zeit zum Warmlaufen gebraucht. „Zwei Wochen schleppte sich Nachfrage hin, dann lief es wieder an.“

Völlig frei von Irritationen ist der Start in die neue Terminshopping-Ära indes nicht verlaufen. Für einiges Stirnrunzeln sorgte schon der Umstand, dass die Einzelhändler mehr oder weniger durchgängig von „Click and Meet“ sprechen – also Klicken und Treffen. Damit halten sich die Geschäftsleute an die Formulierung aus der Bund-Länder-Konferenz vom 3. März.

Anders der Senat in seinen Verlautbarungen, bei denen von „Date and Collect“ die Rede ist, zu deutsch: Termin vereinbaren und einsammeln. Gemeint ist aber das Gleiche.

Bei ihrer jüngsten Videoschalte hatten sich Bund und Länder auf das Instrument des Terminshoppings als weiteren Öffnungsschritt verständigt. Die Vorgabe: Liegt der Inzidenzwert unter 100 Neuinfektionen, darf der Einzelhandel nach vorheriger Terminbuchung wieder öffnen. Bremen hat es dabei allerdings nicht belassen, sondern die Vorgabe in der zweiten Änderung der 24. Corona-Verordnung vom 5. März präzisiert. Danach muss die Terminvereinbarung telefonisch oder elektronisch erfolgen.

Terminvereinbarung an der Ladentür ist in Bremen unzulässig

Einen Termin an der Ladentür abzumachen, ist demnach unzulässig. Genau das haben aber etliche Einzelhändler praktiziert. Darunter auch Karstadt Galeria Kaufhof. Mithilfe von Aufstellern wurden die Kunden über „vier Wege zum Shopping“ informiert. Einer sah die Terminvereinbarung per QR-Code vor, einer über die Website und einer telefonisch. Der vierte Weg: „Sie kommen zum Eingang und registrieren sich dort manuell.“ Von der Geschäftsleitung war dazu keine Stellungnahme zu erlangen. Von vornherein korrekt ging dagegen das Modehaus Peek & Cloppenburg vor, das am Montag alle Kunden ohne Termin abwies.

Lesen Sie auch

Vom Bund-Länder-Beschluss übernommen hat Bremen die Regelung, dass für jeden Kunden mindestens 40 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung stehen müssen. Auch in diesem Punkt enthält die geänderte Corona-Verordnung eine Präzisierung: Die 40 Quadratmeter-Regel gilt nicht nur für Kunden, sondern auch für Kundengemeinschaften. Also Angehörige eines Hausstandes oder eine Person mit einer Begleitperson, die minderjährig oder hilfsbedürftig ist.

„Die 40 Quadratmeter-Regel ersetzt die ursprünglich vorgesehene Eins-zu-eins-Regel“, sagt Kristin Viezens, Sprecherin des Wirtschaftsressorts. Dieser Regel zufolge sollte jeder Kunden oder jede Kundengruppe von einem Verkäufer oder einer Verkäuferin ununterbrochen begleitet werden.

Bereits einen Tag vor der Bund-Länder-Konferenz wurde diese Regel als Senatsbeschluss vom Wirtschaftsressort verkündet, dann aber wegen der 40 Quadratmeter-Regel wieder fallen gelassen. Abzurufen ist die Mitteilung auf der Website des Wirtschaftsressorts allerdings immer noch.

Einkaufsdauer ist je nach Geschäft unterschiedlich

Zudem ist der Besuch laut Bund-Länder-Beschluss auf einen „fest begrenzten Zeitraum“ beschränkt. Die Kunden dürfen mithin nicht beliebig lange im Geschäft verweilen. Wie lang dieser Zeitraum sein darf, ist in Bremen aber nicht festgelegt, vielmehr liegt das Limit im Ermessen der verschiedenen Einzelhändler. Bei Karstadt kann das „Shopping-Erlebnis“ bis zu vier Stunden dauern. Peek & Cloppenburg beschränkt den Buchungszeitraum auf eine Stunde.

Durchwachsen fällt das Fazit von Karsten Nowak von der Handelskammer aus. Zwar wirkten die Innenstädte, Stadtteile und Einkaufszentren „deutlich lebendiger“ als im Lockdown. Positiv vermerkt Nowak auch, dass sich die telefonische oder digitale Terminvergabe „nach anfänglich etwas widersprüchlichen Informationen“ langsam einspiele. Doch ein Publikumsmagnet ist das Terminshopping aus seiner Sicht nicht: Große Kundenströme seien bisher ausgeblieben.

Info

Zur Sache

Die Kunden kommen, aber es bleibt Optimierungspotenzial

Eine positive Bilanz des Terminshoppings seit dem 8. März zieht die Elektrohandelskette Saturn. "Das Angebot wird von unseren Kunden aktuell gut angenommen", sagt eine Sprecherin über den Zuspruch bei den Media- und Saturn-Märkten in Bremen. Ähnlich äußert sich Kristina Steinmüller, Geschäftsleiterin von Peek & Cloppenburg an der Obernstraße. "Sowohl Kunden als auch Mitarbeiter freuen sich über die geschaffenen Beratungsmöglichkeiten. Wir verspüren die Lust der Kunden, sich neu einzukleiden." Allerdings räumt Steinmüller auch Startschwierigkeiten ein: "Da das System für uns alle neu für ist, arbeiten wir nach den ersten Erfahrungen weiter an der Optimierung."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+