Schüler gestalten Konzert mit der Deutschen Kammerphilharmonie Eine wunderbare Melodie des Lebens

Tenever. In der Gesamtschule Ost wird Musik als vereinigende Kraft bewusst eingesetzt. Das jüngste Konzert der Reihe "Melodie des Lebens" in Kooperation mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen liefert den Beweis.
18.03.2010, 12:45
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Edwin Platt

Tenever. Der Stadtteil, die Gesamtschule Ost, das Konzert und die Schüler überbrücken Gräben. Tenever ist Heimat für über 10000 Menschen aus 90 Nationen, die Gesamtschule Ost ein Lernort für Kinder und Jugendliche verschiedener Herkunft, unterschiedlicher kultureller Prägungen und Konfessionen. In der Gesamtschule Ost wird Musik als vereinigende Kraft bewusst und lebendig eingesetzt. Die „Melodie des Lebens“ ist das phantastische Ergebnis. .

Ähnliche Projekte, beispielsweise „Rhythm is it“ mit dem Dirigenten Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern oder das West-Eastern Divan Orchestra mit Daniel Barenboim stehen in der Weltöffentlichkeit.

Was den integrativen Charakter der Aktion betrifft, steht die „Melodie des Lebens“ in Tenever gleichwertig daneben. Mark Scheibe arbeitet seit Jahren mit dem Kollegium, insbesondere den Musiklehrern und den Schülern, die zur Hälfte Deutsche sind, an dem Projekt.

Dem Ex-Bremer, der heute in Berlin lebt und der durch Fernsehauftritte bekannt ist, wird der allmonatliche Weg nach Bremen zu den Proben nicht zu weit.

Zwei Konzerte ausverkauft

Wie 2009 gibt es auch in diesem Jahr zwei Konzerte, die Karten sind bereits im Vorverkauf fast vergriffen. Der Vorzugspreis von drei Euro für Schüler hat nur wenige ins Konzert ihrer Mitschüler mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen gelockt.

In üblich versprochener Kürze werden Honoratioren beispielsweise die Staatsrätin für Kultur, Carmen Emigholz, begrüßt. Die Gäste auf vielen der über dreihundert Plätze lassen eher an einen Konzertsaal als an die Gesamtschule denken.

Mark Scheibe eröffnet am Flügel das Konzert gemeinsam mit der Lehrerband. Die geben entsprechend ihrer Namenskürzel Solos in H und G oder in A und D auf Gitarre, Bass oder Schlagzeug. Gut zwanzig Mädchen und Jungen der Klasse 6.1 begeistern mit ihrem Titel „Eine Nacht für die Ewigkeit“ ihr Publikum.

Der Rhythmus steckt an und Elvis mit seiner virtuosen Stimme bekommt den ersten Zwischenapplaus für sein Solo, in dem er das Schlagzeug imitiert.

Professionelle Begleitung

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen begleitet professionell auch alle folgenden Darbietungen von Gesang über Tanz bis zum Spiel der Instrumente. Giesem tapst zögerlich auf die Bühne, singt anfangs verhalten, singt dann voll Herz und Gefühl zu Geigenklängen.

Dahinter plätschern die Töne des Flügels zu ihrem Song „Bitte weine nicht.“ Mit seinen Rhythmuswechseln klingt das jugendlich und ehrlich. Weitere Schülerinnen und Schüler trauen sich, mit ihrem ganz persönlichen Musikstück vor hunderten Menschen zu spielen, zu tanzen oder zu singen.

Der Klangkörper des Orchesters gibt Halt und Mark Scheibe moderiert und ermutigt durch den Abend. Rapper des benachbarten Jugendcafés zeigen sich cool während Hassan in reiferem Alter dazu die Saz spielt, ein altes türkisch-kurdisches Saiteninstrument, das Vierteltöne zulässt.

Anerkennender Applaus

Ein Geschwisterpaar singt „Es ist nicht immer leicht (mit Dir)“. Lehrerin Imke Haui dirigiert „One Moment in time“, während vor der Tür die Frauen des Catering-Service für die Pause Wein ausschenken und Sektflaschen entkorken. Der große Applaus klingt bis zu ihnen durch die dicke Schallschutztür.

Alles ist organisiert, während Musik und Texte bewegtes, ungeregeltes, intensiv empfundenes Leben von Menschen zwischen zwölf und achtzehn Jahren spiegeln.

Doch das Wichtigste des Konzerts lief vorher hinter den Kulissen ab. Das Üben, ein Jahr hindurch, hat junge Menschen miteinander verbunden. Die Musik bietet eine gemeinsame Grundlage für die so verschiendenen Kinder und Jugendlichen.

Große Leidenschaft

„Vier Saxofone müssen alle zusammenpassen, das merkt einfach jeder sofort, der mitspielt“, sagt ein Lehrer, wie nebenbei auf dem Gang und drückt damit genau aus, was hier passiert.

Und der Motor des Ganzen, Mark Scheibe, betont: „Es geht um Musik, es geht um Empathie, um sich öffnen, aber nicht um sich aufgeben.“ Das spiele in jedem Leben eine wesentliche Rolle. „Wir machen weiter, mit Leidenschaft. Es expandiert. Das Projekt geht bundesweit auf Tournee.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+