Workshop „Kidstime“

Einfach mal nur Kind sein

Psychisch erkrankten Eltern und ihren Kindern bietet das Bremer Sozialressort ab Dezember einen Workshop an. Ziel ist es, die Gesundheit dieser Kinder zu stärken.
01.11.2017, 17:03
Lesedauer: 2 Min
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Einfach mal nur Kind sein
Von Antje Stürmann
Einfach mal nur Kind sein

Einfach mal wieder unbeschwert toben: Im Workshop „Kidstime“ können betroffene Kinder viel lachen und spielen.

dpa

Kinder, deren Eltern psychisch krank sind, haben es oft schwer. „Sie können über die Erkrankung ihrer Eltern nicht sprechen und das ist belastend“, sagt Psychologe Klaus Henner Spierling. Die Folge: Die Kinder ziehen sich zurück und flüchten sich in Wut. Damit sie sich öffnen und einfach mal nur Kind sein können, damit sie lernen, über ihre Erfahrungen zu sprechen, bietet das Sozialressort gemeinsam mit dem Bereich Gesundheit und anderen Kooperationspartnern ab Dezember den offenen Workshop „Kidstime“ an. Treffpunkt sind die Räume der St.-Michaelis/St.-Stephani-Gemeinde am Doventorsteinweg. In Deutschland gehört Bremen laut Senatorin Anja Stahmann (Grüne) zu den Ersten, die diese Workshops anbieten.

Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) begrüßt den neuen Rechtsanspruch.

Sozialsenatorin Anja Stahmann.

Foto: FR

„Ziel ist es, die Ressourcen der Familien zu stärken“, sagte Stahmann am Mittwoch. Im Land Bremen leben nach Schätzungen der Behörde rund 29.000 Kinder und Jugendliche mit mindestens einem Elternteil, der unter einer psychischen Erkrankung leidet. Das Projekt sei ein Baustein, um die betroffenen Eltern in Zeiten zu unterstützen, in denen sie aufgrund ihrer Erkrankung nicht für die Familie da sein können – ohne Kinder anderweitig unterbringen zu müssen.

Große Verantwortung und ein Risiko

Kinder mit psychisch erkrankten Eltern erleben laut Spierling viele Ängste und Sorgen. „Sie übernehmen früh große Verantwortung, indem sie dem erkrankten Elternteil helfen oder die Familie zusammenhalten wollen.“ Sehr oft bestehe das Risiko, dass sie dabei selbst Krankheitssymptome entwickelten. „Es gibt wenige wirksame Projekte für diese Kinder“, so Spierling. Der Psychologe arbeitet seit acht Jahren in der Klinik für Kinder und Jugendliche des Sozialpädiatrischen Zentrums im Diakonieklinikum Rotenburg – die erste deutsche Klinik, die das in London entwickelte Projekt Kidstime umgesetzt habe. Die Anzahl der teilnehmenden Familien ist laut Spierling in drei Jahren von drei auf 30 angestiegen.

„Wir bringen mehrere Familien in Form eines sozialen Events zusammen, auch Großeltern und Tanten“, so der Psychologe. Es werde Theater gespielt, gelacht und geredet, es gebe Pizza und in jedem der vierwöchentlichen Workshops drehen die Kinder einen Film. „Es geht nicht um eine therapeutische Behandlung“, betont Spierling, „wenngleich die Treffen therapeutische Effekte haben“. Psychologen bieten unter anderem an, die Erkrankung der Eltern zu erklären.

Kinder früh stärken

Hilfreich sei auch der Zugang zu Kindern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Das entlaste. André Rabini vom Sozialzentrum Mitte/Östliche Vorstadt/Findorff lobte die Workshops als ideal, um mit den betroffenen Familien und Fachleuten enger kommunizieren zu können. „Wir sind das erste Jugendamt, das solche Workshops voll finanziert.“ Der Leiter des Jugendamtes, Rolf Diener, sagte: „Je früher wir die Kinder stärken, desto mehr Folgekosten sparen wir.“

Den Kontakt vermitteln die Mitarbeiter von Erziehungsberatungsstellen, Jugendamt und Psychiatrien. Die Teilnahme ist kostenfrei.

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