Personenwahlrecht wirbelt Beiräte durcheinander Einige Kandidaten reagieren überrascht

Bremen-Ost. Die vorläufigen Kandidaten für die Beiräte in Osterholz, Vahr und Hemelingen stehen fest. Bevor jedoch die endgültige personelle Zusammensetzung der Parlamente klar ist, müssen die Stadtteilpolitiker ihr Mandat aber erst noch offiziell annehmen. Trotzdem ist bereits festzustellen: Das neue Wahlrecht haben auch viele Bürgerinnen und Bürger bei der Kommunalwahl genutzt.
03.06.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von MELANIE ÖHLENBACH

Bremen-Ost. Die vorläufigen Kandidaten für die Beiräte in Osterholz, Vahr und Hemelingen stehen fest. Bevor jedoch die endgültige personelle Zusammensetzung der Parlamente klar ist, müssen die Stadtteilpolitiker ihr Mandat aber erst noch offiziell annehmen. Trotzdem ist bereits festzustellen: Das neue Wahlrecht haben auch viele Bürgerinnen und Bürger bei der Kommunalwahl genutzt.

Besonders in Osterholz haben die Wähler ein Kreuz hinter einer Person gemacht. Insgesamt sieben der 19 künftigen Stadtteilparlamentarier überholen so ihre Kollegen und ziehen in den Beirat ein. In der Vahr erlangen immerhin vier der 15 Abgeordneten über die Personenwahl ein Mandat. In Hemelingen sind es lediglich vier der 19 Stadtteilpolitiker.

Am meisten haben die Kandidaten der Sozialdemokraten von der Personenwahl profitiert: Insgesamt sieben SPD-Stadtteilpolitiker aus dem Bremer Osten schafften durch die neue Stimmverteilung den Sprung in die Kommunalparlamente. Bei den Christdemokraten waren es insgesamt vier Kandidaten, bei den Grünen drei und bei den Linken einer.

Osterholz: Die große Gewinnerin des neuen Wahlsystems in Osterholz heißt Dagmar Janßen. Die Frauenbeauftragte und Betriebsrätin am Klinikum Bremen-Ost zieht trotz ihres eher aussichtlosen Listenplatzes 14 in die SPD-Fraktion ein. Umso überraschter und erfreuter ist sie über ihre Wahl. "Ich bin zwar seit einem Jahr im Ausschuss für Arbeit und Gesundheit im Beirat, aber sonst politisch eher unauffällig gewesen", sagt Janßen. Dennoch liefert sie eine Erklärung, warum so viele Menschen sie gewählt haben: Sie ist in Osterholz groß geworden und hat sich in der Vergangenheit für den Erhalt des Klinikums engagiert. "Ich war sehr aktiv in der Bürgerinitiative. Vielleicht ist da bei dem einen oder anderen mein Name hängengelieben."Auch Angelika Fischer (Listenplatz 9) und Peter Lüttmann (Listenplatz 8) profitieren vom neuen System: Sie schaffen den Einzug in den Beirat, weil ein Drittel der Osterholzer SPD-Wähler ihre Stimme

einer Person gegeben haben. Über die Liste ziehen zudem Wolfgang Haase, Ingrid Osterhorn, Horst Massmann, Christine Haase, Nalan Uysun und Nils Kuhlmann ein.

Bei den Osterholzer Christdemokraten gibt es ebenfalls einen hohen Anteil an Personenstimmen: Zwei der fünf Abgeordneten haben die Bürger so in den Beirat gewählt. Christian Conreder (Listenplatz 9) und Arnold Conreder (Listenplatz 5) überholten die vor ihnen aufgestellten Parteikollegen - unter anderem den bisher seit fast drei Jahrzehnte im Kommunalparlament vertretenen Gerd Hunold. "Die Demokratie hat entschieden, und das muss ich akzeptieren", kommentiert der Christdemokrat das vorläufige Ergebnis. "Mir wird die Beiratsarbeit fehlen, die mir immer viel Spaß gemacht hat." Darüber hinaus wurden über die Liste Günter Hohn, Klaus-Peter Sporleder und Ursula Hohn gewählt.

Bei den Grünen hat ein Drittel der Wähler für eine Person gestimmt. Große Auswirkungen hat das allerdings nicht. Kerstin Meyer wäre auch durch ihren Listenplatz 3 in das Stadtteilparlament eingezogen. Weiterhin vertreten sind auch Ralf Dillmann und Anne Vetter.

Auch wenn sie nur zwei Mandate im Beirat Osterholz haben, wirkt sich bei den Linken das neue Stimmrecht am deutlichsten aus: Mit jedem zweiten Kreuz wurde ein Kandidat direkt gewählt. Wer jedoch Daniel Magel, der über Personenstimmen in das Osterholzer Stadtteilparlament einzieht (Listenplatz 3), künftig unterstützt, steht noch nicht fest. Denn Beirats-Spitzenkandidat Cindi Tuncel wird auf sein Mandat verzichten und in die Bürgerschaft gehen. Dorthin hat er trotz eines recht aussichtlosen Listenplatzes 10 geschafft - dank der Personenstimmen. Voraussichtlich wird Reinald Last für ihn in den Beirat nachrücken.

Vahr: In der Vahr hat das neue Wahlrecht ebenfalls die Listen der Parteien durcheinander gewirbelt. Gut ein Viertel der SPD-Wähler haben ihr Kreuz für eine Person gemacht. Daher sind die ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete Karin Kauertz (Listenplatz 8) und Mehmet Seyrek (Listenplatz 11) künftig für die Sozialdemokraten im Beirat vertreten. Des Weiteren gehören Bernd Siegel, Karin Markus, Sascha Falkenhain und Kristina Gottschlich der achtköpfigen SPD-Fraktion im Beirat an.

Valentina Tuchel, die ebenfalls über die Liste gewählt wurde, muss sich hingegen zwischen Beirat und Bürgerschaft entscheiden: Die Sozialdemokratin wird durch viele Personenstimmen in den Bremer Landtag einziehen. Ihr Mandat im Kommunalparlament übernimmt voraussichtlich Eva Früh.

Bei der CDU und den Grünen sind jeweils ein Drittel der Stimmen auf Kandidaten entfallen. Daher kann jeweils einer ihrer Abgeordneten in den Vahrer Beirat einziehen. Außer Anja Walecki und Julian Stein komplettiert Semanou Edorh (Listenplatz 4) die Fraktion der Grünen.

Bei den Christdemokraten schafft Heinrich Gerkmann (Listenplatz 8) den Sprung durch die Personenwahl in den Beirat. Dass er so auch fast alle bisherigen Beiratsmitglieder überholt, damit hat er nicht gerechnet. "Vielleicht haben mich viele gewählt, weil mich so viele kennen", sagt der Frisörmeister aus der Neuen Vahr Südost, der nun erstmals mit Götz Gramlow und Bärbele-Maria Semprich für die CDU in den Beirat einzieht.

Für die Linken geht der Spitzenkandidat Yilmaz Altundag in den Vahrer Beirat. Vorläufig gewählt bei Bürger in Wut ist Veronika Janetzki. Beide Abgeordnete ziehen über die Liste ein.

Hemelingen: In Hemelingen hat ein Viertel der SPD-Wähler ein Kreuz für einen Kandidaten oder eine Kandidatin gemacht. Daher gehören Gabriele Bredow (Listenplatz 9) und Wilhelm Suhr (Listenplatz 10) künftig zur achtköpfigen Fraktion, wenn sie ihr Mandat annehmen. Außerdem ziehen Matthias Roßberg, Christa Nalazek, Uwe Jahn, Heike Germann, Hans-Peter Hölscher und Karl-Heinz Otten über die Liste in das Kommunalparlament ein.

Für die Grünen sitzt durch die Personenstimmen, die ein Fünftel der Wähler vergeben haben, Jenny Peplies (Listenplatz 7) im Hemelinger Stadtteilparlament. Die übrigen vier Plätze für die Grünen gehen an die Listenkandidaten Ralf Bohr, Christa Komar, Kai Hofmann und Sylvia Faust.

Dass sie auf diese Weise politisch mitgestalten kann, überrascht Peplies: "Das hätte ich nicht gedacht, dass ich so viele Stimmen bekomme. Ich habe keinen großen Wahlkampf gemacht." Ungeachtet ihres Erfolges findet sie das neue Wahlrecht gut, da es demokratischer sei. Anderseits habe es auch viele ungültige Stimmzettel gegeben. "Das zeigt, dass es ein sehr komplexes System ist."

Bei der CDU hat die Personenwahl, zu der sich ein Viertel der Wähler entschieden hat, keine direkten Auswirkungen: Heinz-Hermann Hoffhenke kommt zwar durch sie in das Stadtteilparlament; der Christdemokrat war allerdings auch Platz vier der Liste. Die Fraktion, die vier Mandate stellt, komplettieren Andreas Hipp, Marco Lübke und Anke Ritter.

Ebenfalls über die Liste ziehen Gerd Arndt für die Linke und Bernd Winkler für die Bürger in Wut in das Hemelinger Stadtteilparlament ein.

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