Abstand halten in Bremer Supermärkten

Einkaufswagen als Schutz vor Corona

Er hat vier Räder und ist mindestens einen Meter lang: der Einkaufswagen. Im Kampf gegen Covid-19 nutzen ihn in Bremen bisher wenige Supermärkte.
01.04.2020, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Einkaufswagen als Schutz vor Corona
Von Björn Struß
Einkaufswagen als Schutz vor Corona

Der Einkaufswagen als Abstandshalter zwischen den Kunden: In einigen Supermärkten funktioniert's – in anderen nicht.

Armin Weigel/dpa

Er ist etwa einen halben Meter breit und hat eine Länge von mehr als einem Meter: der Einkaufswagen. In Bremen entdecken ihn immer mehr Supermärkte als Hilfsmittel, um zwischen den Kunden einen Mindestabstand herzustellen. Die Einkaufswagen-Pflicht ist auch imstande, den Kundenstrom zu regulieren.

Denn wenn 50 Wagen im Einsatz sind, können auch nur maximal 50 Menschen im Geschäft sein. Ziel ist es, die Ansteckungsgefahr durch Covid-19 zu reduzieren. Bisher sind aber offenbar noch nicht alle Supermärkte von dieser Vorsichtsmaßnahme überzeugt. Die Entscheidung über eine Einführung der Einkaufswagen-Pflicht überlassen viele große Ketten der örtlichen Marktleitung.

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Dies zeigt eine kleine und nicht repräsentative Stichprobe in den Stadtteilen Neustadt und Obervieland. Von zehn Supermärkten der Ketten Rewe, Penny, Combi, Lidl, Aldi und Real setzen drei eine Einkaufswagen-Pflicht um. Eine plausible Erklärung für die Entscheidung der Märkte ist nicht zu erkennen. So verzichten zwei Aldi-Filialen auf die neue Regel, in der dritten Filiale im Habenhauser Werder-Karree gewährt ein vom Markt angestellter Ordnungshüter den Einlass nur mit Einkaufswagen.

Ebenfalls schwer zu erklären ist die Situation vor dem Gymnasium Links der Weser in Obervieland. Hier nutzen ein Rewe- und ein Penny-Markt denselben Parkplatz. Beide sind Teil der Rewe-Gruppe. Auch die Bauweise der Geschäfte ist ähnlich. Kunden des Penny-Marktes fordert die Marktleitung mit einem Hinweisschild dazu auf, pro Person einen Einkaufswagen zu nutzen. Im privat geführten Rewe-Markt ist davon keine Rede.

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Wie kann es sein, dass sich zwei Supermärkte des selben Konzerns so unterschiedlich verhalten? Einem Gespräch mit den beiden Marktleitungen erteilt die Presseabteilung eine Absage. Damit ist die Rewe-Gruppe aber nicht allein. Die gleiche Kommunikationsstrategie verfolgt offenbar auch Konkurrent Edeka.

Stellvertretend für die Marktleitungen der Rewe- und Penny-Märkte in Bremen erklärt Pressesprecher Andreas Krämer die Strategie der Rewe-Gruppe stattdessen wie folgt: „Der Schutz unserer Mitarbeiter und Kunden hat für uns oberste Priorität. Wo der Kundenzulauf dies notwendig macht, beschränken wir den Zugang zu den Märkten.“ Als Methoden nennt Krämer Einlasskontrollen oder Beschränkungen bei der Zahl der Einkaufswagen und -körbe.

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Der Pressesprecher mit Sitz in Köln verweist auch auf das föderale System in Deutschland, wodurch sich die Maßgaben der Behörden auf kommunaler Ebene unterscheiden würden. Bei Sonderregelungen suche die Rewe-Gruppe „nach Lösungen im Austausch mit den lokalen Ordnungsämtern“. Über eine mögliche einheitliche Maßgabe des Konzerns in puncto Einkaufswagen-Pflicht macht Krämer keine Angaben. Die Märkte verfügten schon jetzt über ein umfassendes Hygienekonzept. Demnach müssten die Märkte zum Beispiel mehrmals täglich gereinigt werden.

Beim Konkurrenten Edeka antwortet die Unternehmenskommunikation aus Hannover. Die selbständigen Kaufleute würden „vor Ort individuelle und pragmatische Lösungen“ finden. „In vielen Märkten werden die Kunden gebeten, bei jedem Einkauf einen Einkaufswagen zu nutzen. So kann der Sicherheitsabstand leichter eingehalten werden“, erklärt Edeka-Sprecherin Eva-Lotta Dehne. In den Supermärkten sei die Stimmung derzeit von einem „solidarischen Miteinander“ zwischen Mitarbeitern und Kunden geprägt.

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Auch bei Aldi gibt es noch keine Ansage, an die sich alle Märkte halten müssen. In vielen Filialen werden die Kunden laut Sprecherin Verena Lissek bereits gebeten, einen Einkaufswagen zu nutzen. Bei der Umsetzung derartiger Maßnahmen richte sich Aldi nach den Empfehlungen und Vorgaben der Behörden. Bei Combi hat die Unternehmensführung hingegen eine klare Entscheidung getroffen: Der Einlass ist nur noch mit Einkaufswagen erlaubt. In Bremen gibt es insgesamt zwei Filialen der Kette.

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