Schaufelraddampfer Weserstolz

Einst die Moldau, jetzt die Weser

Der Schaufelraddampfer "Weserstolz" ist seit 33 Jahren bei der Reederei Hal över und fährt noch immer die Weser auf und ab.
25.06.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lisa Urlbauer

Der Schaufelraddampfer "Weserstolz" ist seit 33 Jahren bei der Reederei Hal över und fährt noch immer die Weser auf und ab.

In großen Buchstaben steht der Name auf beiden Seiten des Schiffes: „Weserstolz“ – bereits von Weitem ist er gut zu erkennen. Darunter das Bremer Wappen in leuchtendem Rot. Im Hintergrund ragt der Schornstein heraus – schwarz, mit einem weißen und einem roten Streifen. Weißer Dampf in rauen Mengen steigt in den bewölkten, grauen Bremer Himmel. Dazu kommt das sehr gut hörbare Dampfhorn der „Weserstolz“ – regelmäßig gibt sie damit Signal.

Weser aufwärts fährt er an diesem Tag, der Schaufelraddampfer; durch die Schleuse in Hemelingen und in Langwedel und von dort in die Aller – bis nach Verden. Kapitän auf der Fahrt dorthin ist Erwin Paschke. Seit 33 Jahren ist er bei der Reederei Hal över – davor war er selbstständig in der Binnenschifffahrt. „Ich wollte näher bei meiner Familie sein, darum habe ich mein Schiff verkauft.“ Er ist aber nicht nur auf der „Weserstolz“ unterwegs. „Morgen fahre ich zum Beispiel die ‚Oceana’.“

Von 1941 bis 1949 war die „Weserstolz“ in der Praga-Werft in Prag gebaut worden – danach verkehrte sie auf der Moldau. 1998 kam das Schiff zum ersten Mal auf die Weser, zunächst nach Minden. Nach dreijährigen Renovierungsarbeiten wurde es 2001 wieder in den Dienst gestellt. 2015 holte die Reederei Hal över den Schaufelraddampfer nach Bremen. Nun unternimmt die „Weserstolz“ in ihrem zweiten Jahr Rund- und Ausflugsfahrten auf der Mittelweser. Vom Martinianleger bis zum Weserwehr und wieder zurück – oder eben bis nach Verden, wie an diesem Tag. Ist die „Weserstolz“ gerade nicht im Einsatz, liegt sie am sogenannten SBU-Anleger an der Bürgermeister-Smidt-Brücke.

Um von dort aus zur Schlachte zu gelangen, muss die „Weserstolz“ ihren Schornstein umklappen – sonst kann sie die Brücke nicht unterfahren. „Das ist die niedrigste Brücke im Stadtgebiet“, erzählt Kapitän Paschke. Über drei Steuerstände lenkt er das Schiff. „Zum Manöverfahren nutzt man die Außensteuerstände“, erklärt der 75-Jährige. „Dort kann man dann über Bord schauen und das Schiff ruhig anlegen.“ Unter Deck ist die Luft feucht und warm – die 1939 gebaute Dampfmaschine wird in Gang gebracht. Zuständig dafür ist Christoph Gruca. Seit 17 Jahren arbeitet der gelernte Maschinentechniker in der Schifffahrt. Mit Diesel wird die Maschine angetrieben – 120 Liter Diesel pro Stunde verdampfen 1000 Liter Wasser. Dazu nutze das Schiff das Wasser der Weser, erklärt der 60-jährige Maschinist. „Früher wurde das Schiff mit Kohle betrieben, aber die Maschine ist kaputtgegangen.“ Den neuen Dampfkessel gibt es seit dem Jahr 2000. 20 Grad ist die Weser an diesem Tag warm – auf 250 Grad Celsius wird der Dampf im Kessel erhitzt. „Es ist sehr warm hier unten im Maschinenraum, manchmal 40 bis 50 Grad“, erzählt Gruca. „Aber man gewöhnt sich daran.“

An die 14 Kilometer pro Stunde schafft die „Weserstolz“ – zwei Räder rechts und links treiben das Schiff an. Die Geschwindigkeit weist Kapitän Paschke über einen Telegraphen an – Gruca muss dann eine Bestätigung zurückgeben. „Ganz langsam“, „langsam“, „halb voll“ und selten auch mal „voll“ sind hier die Anweisungen – selbiges gilt für das Rückwärtsfahren.

Neben Kapitän und Maschinist ist Henryk Tinius das dritte Mitglied an Deck auf dieser Fahrt der „Weserstolz“. „Ich mache das Schiff fest und fahre ab und zu auch mal“, erzählt der 33-jährige Steuermann. „Meine Aufgabe ist es, den Kapitän zu unterstützen.“ Mit an Bord ist die 80-jährige Cecilia Pakosch, gemeinsam mit ihrem Sohn Andreas. Sie fahren das erste Mal mit der „Weserstolz“. „Wenn die Mutter schon vorbeikommt, muss man ihr auch etwas Besonderes bieten“, sagt der 48-Jährige. „In Verden werden wir dann schön zu Mittag essen.“ Auf dem mit Außendeck, in der Eingangshalle mit Blick direkt in den Maschinenraum und in drei Salons finden die Besucher Platz – 130 Sitzplätze gibt es insgesamt.

Vorbei am ehemaligen Wasserwerk, der „Umgedrehten Kommode“, verlässt die „Weserstolz“ die Schlachte in Richtung Weserstadion. Es wird Zeit, dass Erwin Paschke bei der Schleuse in Hemelingen anruft – und die „Weserstolz“ zur Durchfahrt anmeldet. Den ganzen Tag wird Paschke mit dem Schaufelraddampfer unterwegs sind. Um 13 Uhr läuft das Schiff in Verden ein. Nach einem zweistündigen Aufenthalt geht es zurück nach Bremen. Anekdoten und Wissenswertes zur Umgebung erzählt Kapitän Paschke seinen Besuchern während der Fahrt – und lässt das Dampfhorn immer wieder laut ertönen.

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