Schule an der Fritz-Gansberg-Straße

Einsturzgefahr: Sporthalle gesperrt

Seit langem leidet das Förderzentrum an der Fritz-Gansberg-Straße an einem Sanierungsstau. Jetzt wurde auch noch die Sporthalle gesperrt. Nun wird vermutlich ein Abriss mit Neubau notwendig.
20.01.2018, 06:10
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Einsturzgefahr: Sporthalle gesperrt
Von Timo Thalmann

„Das ist eine echte Katastrophe für uns“, sagt Thomas Schipfer. Vor einer Woche hat der Direktor der Schule an der Fritz-Gansberg-Straße von Immobilien Bremen (IB) die Mitteilung bekommen, dass die Turnhalle des Förderzentrums für den Bereich sozial-emotionale Entwicklung ab sofort gesperrt ist.

Nachdem wiederholt Wasser durch das Dach eingetreten war, hatte die Behörde am Montag ein Gutachten des offenbar maroden Dachaufbaus und der Hallendecke bestellt. Die Ergebnisse führten nun zu einem umgehenden Nutzungsverbot. „Unser Hausmeister wurde sogar angewiesen, direkt das Zylinderschloss auszutauschen, damit auch wirklich niemand die entsprechenden Hinweisschilder übersieht oder missachtet“, sagt Schipfer. Offenbar besteht akute Einsturzgefahr.

Die „Katastrophe“ begründet Schipfer mit dem Hinweis auf seine spezielle Schülerklientel. Das Förderzentrum versammelt aus ganz Bremen Jungen von der Grund- bis zur Oberschule, bei denen alle anderen Möglichkeiten ausgereizt sind. Seine rund 50 Schützlinge gelten darum als Schüler, „die durch ihr Verhalten während des Schulbesuches die Sicherheit von Menschen gefährden oder den Schulbesuch nachhaltig und schwer beeinträchtigen“, wie es das Bremer Schulgesetz formuliert.

Darum spielen, wie es pädagogisch korrekt heißt, „handlungsorientierte Fächer“ wie Sport und Werken die Hauptrolle. Schipfer formuliert es handfest: „Die müssen sich bewegen und zwei mal am Tag richtig ins Schwitzen kommen.“ Vor diesem Hintergrund bewertet er auch mögliche Alternativen skeptisch. „Meine Jungs fahren nicht mal eben selbstständig und problemlos zu einer anderen Halle einer anderen Schule.“

Die jetzt gesperrte Turnhalle sorgt für eine akute Verschärfung des ohnehin seit Jahren an der Schule vorhandenen Sanierungsstaus. Verantwortlich dafür ist der lange Zeit von der Schulbehörde nur bis Sommer dieses Jahres zugesicherte Fortbestand der Einrichtung.

Im Zuge der Inklusion sollte das Förderzentrum für die schwierigsten Fälle vollständig aufgegeben werden. Vor diesem Hintergrund hat Immobilien Bremen nur das allernötigste in die Schulgebäude investiert. Das Ergebnis ist weithin sichtbar: Ein beachtlicher Unkrautbewuchs auf dem Außengelände, kaputte Jalousien, die schief in den ebenfalls seit langem defekten Fenstern hängen, im Gebäude immer wieder Feuchtigkeitsflecken an Wänden und Decken.

Abbruchreif

Doch jetzt ist eine Weiterführung der Schule wenigsten bis 2024 und möglicherweise darüber hinaus geplant. Für Udo Stössel stellt sich die dafür notwendige Sanierung seinem Bauchgefühl folgend aber eher als Abriss und Neubau dar. „Für diese Abwägung muss aber Immobilien Bremen noch eine ordentliche Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen“, sagt der bei der Bildungssenatorin für die Gebäudeverwaltung zuständige Referatsleiter Liegenschaften.

Seine Einschätzung trug Stössel auf der jüngsten Sitzung des Fachausschusses Bildung, Jugend und Sport des Beirats Schwachhausen vor. Hier stand die Frage der Sanierung der Schule an der Fritz-Gansberg-Straße ohnehin auf der Tagesordnung, zusammen mit einer Gesamtbetrachtung der Schulentwicklung in Schwachhausen. Die nur Tage zuvor erfolgte Hallensperrung verlieh dem Thema allerdings eine hohe Aktualität, wenngleich die detaillierten Ergebnisse der Begutachtung des Zustandes der Dachkonstruktion durch IB zu der Zeit noch gar nicht vorlagen.

Wenn es zu einem Neubau des Förderzentrums kommt, ist das laut Stössel auch mit Überlegungen verbunden, das bislang dort angesiedelte Regionale Beratungs- und Unterstützungszentrum Bremen-Ost (ReBUZ-Ost) an einen neuen Standort in die Vahr zu verlagern. Gedacht ist dabei an das Gelände der leer stehenden Schule an der Bardowickstraße, das aktuell noch mit Mobilbauten als Übergangseinrichtung für Flüchtlinge genutzt wird. Doch sei der Bedarf dafür schon in naher Zukunft vorbei. Das dort vorhandene Schulgebäude sei „abgängig“, wie es Stössel formulierte, sprich: abbruchreif.

In einen Neubau an dieser Stelle könnte zusammen mit dem ReBUZ-Ost auch die Georg-Droste Schule für Sehbehinderte und Blinde von Schwachhausen in die Vahr verlegt werden. Sie belegt bislang einen eigenen Gebäudetrakt, der an die Grundschule an der Gete angedockt ist.

Werde dieser Trakt frei, könnte die Grundschule auf Dauer vierzügig angeboten werden. Die jüngsten Prognosen der Schülerzahlen machten dies ohnehin notwendig. Die Bildungsbehörde greift damit einen alten Vorschlag aus dem Beirat auf. Die Sprecherin Barbara Schneider (Grüne) hatte in der Vergangenheit wiederholt angeregt, die Schule für die Sehbehinderten zu verlegen, um Platz für dauerhaft vier erste Klassen in der Grundschule zu schaffen.

„Der Einzugsbereich der Georg-Droste-Schule ist anders als bei der Grundschule sowieso nicht mit dem Standort verbunden“, begründete sie erneut diesen jetzt aufgegriffen Vorschlag, wundert sich aber über den Sinneswandel der Behörde. „Bislang musst ich mich für diese Idee immer als behindertenfeindlich bezeichnen lassen.“

Sichtbare Neuerungen könnten auch dem Hermann-Böse-Gymnasium ins Haus stehen. Stössel berichtete dem Schulausschuss des Beirates von der sich anbahnenden Möglichkeit, ein gegenüberliegendes Nachbargrundstück für einen Erweiterungsbau nutzen zu können. „Das ist eine Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen sollten“, sagte der Architekt mit Blick auf die lang anhaltende Raumnot des Gymnasiums.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+