Kontaktpflege: Berner und Blumenthaler lernen sich kennen Eintauchen in die Jugendzeit

Blumenthal. Ab und zu geht ein Raunen oder ein amüsiertes "Guck mal!" durch den Raum. Dann und wann muss Detlef Gorn schmunzeln. Der Vorsitzende des Fördervereins Kämmereimuseum hat an diesem Nachmittag Besuch: Mitglieder des Bürgervereins Blumenthal und des Bürger- und Heimatvereins Berne schauen sich im ehemaligen Gebäude der Bremer Wollkämmerei (BWK) um, in dem einst die Sortierung untergebracht war.
12.08.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulf Buschmann

Blumenthal. Ab und zu geht ein Raunen oder ein amüsiertes "Guck mal!" durch den Raum. Dann und wann muss Detlef Gorn schmunzeln. Der Vorsitzende des Fördervereins Kämmereimuseum hat an diesem Nachmittag Besuch: Mitglieder des Bürgervereins Blumenthal und des Bürger- und Heimatvereins Berne schauen sich im ehemaligen Gebäude der Bremer Wollkämmerei (BWK) um, in dem einst die Sortierung untergebracht war.

Inzwischen sammeln Gorn und seine Mitstreiter dort alles das, was Europas einst größte Wollkämmerei ausmachte. "Die BWK war ortsbildprägend", sagt Gorn seinen Gästen, während er die ausgestellten Fotos, Karten, Zeitungsausschnitte und Wollproben erklärt. Seine Besucher nicken, kennen viele doch noch die Zeit, als Jahr für Jahr Tausende Tonnen Wollkammzug, gewaschene Produkte, Fett und sogar Abfallprodukte die Kämmereiabgänge, das Gelände in Blumenthal verließen.

"Wir möchten dem Werk ein Denkmal setzen", erklärt der Fördervereinsvorsitzende, der nach eigenen Worten nie dort gearbeitet hat. Gleichwohl ist Gorn selbst geprägt. Auch den Besuchern der beiden Bürgervereine geht es so. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen des heutigen Bremer Stadtteils waren sie nie dort tätig, doch ihre Jugend ist von der BWK geprägt worden – und sei es nur durch die Gerüche, die von der Wollproduktion ausgingen. Daran erinnert sich ein Herr vom Bürger- und Heimatverein Berne.

Kein Wunder, wehte schon damals das, was an Gerüchen auf dem Blumenthaler Werksgelände produziert wurde, über die Weser in Richtung Berne. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch im Unterschied zur Gegenwart hat sich darüber früher kaum ein Mensch beschwert. Und wenn, nur hinter vorgehaltener Hand.

Doch das ist beim Besuch der Berner auf der anderen Weserseite kein Thema, im Gegenteil. Die Gäste freuen sich, mit ihren Vereinskollegen von der rechten Weserseite den Kontakt zu pflegen. "Wir müssen auch mal über die Weser gucken", ist der Berner Vereinsvorsitzende Manfred Tholen überzeugt. Der Besuch in Blumenthal diene vor allem der Kontaktpflege.

Die Teilnehmer haben es nicht bereut, die Stimmung ist gut. Und als Gorn seinen Besuchern ein heimatgeschichtliches Schmuckstück zeigt, erinnert sich ein Teil der Mitfahrer an die eigene Jugend, andere vergleichen die damals dargestellte Realität mit eigenen Erlebnissen und der Gegenwart. Gorn und seine Mitstreiter zeigen einen 1937 entstandenen Film über die Bremer Wollkämmerei, den er im Landesfilmarchiv aufgespürt hat. Trotz der Produktion in der Nazizeit gebe es keine solch umfangreiche Darstellung über die BWK, die den Alltag und die Wollproduktion umfasse.

Ein Mitglied des Blumenthaler Bürgervereins vermacht Gorn denn auch BWK-Material aus seinem Familienfundus.

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