Wilhelm Tacke führt die Niedersachsenrunde von 1900 Einziger Häuptling in der Hansestadt

Schwachhausen. Die Niedersachsenrunde, die sich traditionell im Roselius-Haus trifft, hat einen neuen Anführer: Als einziger Bremer trägt nun Wilhelm Tacke, früherer Sprecher des katholischen Gemeindeverbandes, den offiziellen Titel Häuptling.
17.02.2010, 10:50
Lesedauer: 2 Min
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Einziger Häuptling in der Hansestadt
Von Detlev Scheil

Schwachhausen·Altstadt. Beobachter glauben, Rauchzeichen über dem Roselius-Haus in der Böttcherstraße gesichtet zu haben. Und da Bremen nicht Rom ist, lässt das nur einen Schluss zu: Habemus Häuptling! Die Niedersachsenrunde von 1900, die sich dort traditionell trifft, hat einen neuen Anführer. Den offiziellen Titel Häuptling trägt jetzt als einziger Bremer Wilhelm Tacke, Schwachhauser Rentner im Unruhestand und langjähriger früherer Sprecher des katholischen Gemeindeverbandes in Bremen.

Völlig verfehlt wäre es, den 71-Jährigen nun mit 'Old Manitou' anzusprechen (zumal dieser Kosename in Bremen für Hans Koschnick reserviert ist). Denn der Titel 'Häuptling' ist tatsächlich ernst gemeint, leitet er sich doch von den einstigen Häuptlingen in Ostfriesland ab.

Wilhelm Tacke mit seinem enormen historischen Wissen hat sofort den Hintergrund parat: 'Die ostfriesischen Häuptlinge übernahmen im Verlauf des 14. Jahrhunderts Machtpositionen in Ostfriesland, nachdem die alte egalitäre Verfassung aus der Zeit der Friesischen Freiheit zusehends verfallen war.'

Trachten die Häuptlinge der Niedersachsenrunde also nach der Macht, wollen sie den Senat stürzen? Nein, sagt Tacke, nichts liege ihnen ferner.

Landschafts- und Denkmalschutz

Vielmehr hätten sich die Mitglieder der Runde von 1900 als 'frühe Grüne' profiliert: Ihnen sei es immer vor allem um den Landschafts- und Denkmalschutz gegangen - 'und vielleicht auch um das eine oder andere Glas Bier oder Wein in geselliger Runde', fügt der neue Häuptling schmunzelnd an.

Die Vereinigung, die heute rund 30 Mitglieder hat und nur ausgewählte Mitstreiter aufnimmt, sei beileibe kein Spaßverein.

Gegründet wurde die Niedersachsenrunde als Reaktion auf die Industrialisierung seit 1871. Der Redakteur Hans Pfeiffer wollte sich nicht damit abfinden, dass alte Bausubstanz und das Brauchtum im bäuerlichen Umfeld Bremens bedenkenlos dem Neuen geopfert wurden.

In dem Kaffeekaufmann Ludwig Roselius, dem Maler Ernst Müller-Scheeßel und anderen namhaften Bremern fand er Verbündete. 1904 initiierte die Niedersachsenrunde das Scheeßeler Trachtenfest, das bis heute erfolgreich besteht.

Im selben Jahr sorgte sie auch für die Gründung des Vereins für Niedersächsisches Volkstum - Bremer Heimatbund, dessen Vorsitzer seit 1994 Wilhelm Tacke heißt.

Stammtisch hat Bestand

Nach der Vereinsgründung wollte sich die Runde 1908 auflösen, sie übergab ihr gesamtes Vermögen dem Heimatbund. Doch als Stammtisch ging es munter weiter; wöchentlich traf man sich zunächst im 'Senator' im Fedelhören und später in der Böttcherstraße Nr. 6, dem jetzigen Roselius-Haus.

Von 1937 bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren in der Nazi-Ära keine Treffen möglich, aber 1949 wurde der Neuanfang gewagt. Beharrlich hat sich die Runde unter anderem für einen 'Tag des offenen Denkmals' in Bremen eingesetzt, der heute ein Selbstläufer ist.

Ansonsten treffen sich die Mitglieder fünfmal im Jahr und besichtigen zum Beispiel Kulturdenkmäler in Bremen und umzu.

Als Häuptling der Niedersachsenrunde folgt Wilhelm Tacke auf Manfred Dopheide, früherer Sprecher des Vorstandes der Öffentliche Versicherungen Bremen (ÖVB). Zu den Amtsvorgängern gehörten Friedrich Rebers, Wilhelm Klocke und Friedrich Prüser.

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