Alte Kleingeräte Elektromüll zurück an die Händler

Altes Telefon, kaputter Föhn oder ausgedienter Toaster – wer zu Hause Elektroschrott herumliegen hat, den er loswerden will, hat dafür ab sofort eine neue Rückgabemöglichkeit.
24.07.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Elektromüll zurück an die Händler
Von Alexandra Knief

Altes Telefon, kaputter Föhn oder ausgedienter Toaster – wer zu Hause Elektroschrott herumliegen hat, den er loswerden will, hat dafür ab sofort eine neue Rückgabemöglichkeit.

Nach dem Elektrogerätegesetz sind stationäre sowie Online-Händler jetzt dazu verpflichtet, kleine Elektrogeräte kostenlos zurückzunehmen, egal, wo der Kunde sie gekauft hat. Ziel des Gesetzes ist es, die Umwelt zu entlasten und für mehr Recycling zu sorgen. Nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) soll die Regelung dazu beitragen, dass ab 2019 EU-weit mindestens 65 Prozent der ausgedienten Kleingeräte gesammelt, wiederaufbereitet und recycelt werden. In Deutschland seien es aktuell nur knapp mehr als 40 Prozent.

Die neue Rücknahmepflicht bezieht sich auf Kleingeräte mit einer Kantenlänge von bis zu 25 Zentimetern. „Kommt ein Kunde mit einem derartigen Gerät in den Laden, muss es dort angenommen werden, auch ohne, dass der Kunde etwas Neues kauft“, erklärt Georg Berensen, Rechtsanwalt in der Rechtsabteilung des Handelsverbands Nordwest. Bei größeren Geräten sei die Rücknahmepflicht eingeschränkter.

„Da kann der Kunde nicht sagen: Ich stelle mal eben meinen Kühlschrank hier ab“, betont Berensen. Großgeräte müssen nur beim Kauf von vergleichbarer Neuware zurückgenommen werden. Etwas komplizierter wird es bei den Online-Händlern. Um die Rücknahme zu organisieren, müssten diese entweder Kooperationen mit dem stationären Handel eingehen oder dem Kunden Rücksendemöglichkeiten über die nächstgelegenen Annahmestellen eines Paketdienstes schaffen.

Geschäfte in der Pflicht

In der Pflicht stehen alle Geschäfte mit ­einer Fläche für Elektrogeräte von mehr als 400 Quadratmetern. In Kraft getreten ist das Gesetz bereits im vergangenen Jahr. Seitdem haben Händler die Möglichkeit ihren Kunden die Rücknahme der Geräte freiwillig anzubieten. Viele große Händler machen dies aber sowieso bereits seit einigen ­Jahren. So unter anderem auch Saturn. Bei dem Elektronikhändler gehört es zum Service dazu, kleine Altgeräte direkt in der Filiale zurückzunehmen. Um eventuelle Fehler vor Beginn der offiziellen Rücknahmepflicht auszumerzen, hat das Unternehmen auch die Online-Rücknahme von März bis Mai getestet.

„Die Nachfrage war allerdings sehr überschaubar“, sagt Marcus Büher, geschäftsführender Gesellschafter der Saturnfiliale in der Papenstraße. „Daher rechnen wir auch nicht damit, dass jetzt plötzlich alle ihre kaputten Geräte aus dem Keller kramen und zur Post bringen.“ Das Angebot alte Kleingeräte direkt in einer der Filialen abzugeben wird laut Büher allerdings bereits jetzt sehr gut angenommen. „Ein Entsorger holt den Schrott zwei Mal wöchentlich bei uns ab“, sagt Büher. „Vier bis fünf Kubikmeter kommen allein in unserer Filiale jede Woche zusammen.“

Ob in Zukunft mehr Kunden das neue Rückgaberecht wahrnehmen werden ist laut Georg Berensen bisher nicht absehbar. „Der stationäre Handel ist aber flächendeckend vorbereitet“, sagt er. Einzige Schwierigkeit könnten laut Berensen die zusätzlichen Kosten werden, die den Händlern jetzt durch die Lagerung und fachgerechte Entsorgung der Geräte entstehen. „Wie hoch diese Kosten genau ausfallen, ist bisher allerdings noch schwer abzuschätzen“, so Berensen.

Schwierigkeiten im Onlinehandel

Größere Schwierigkeiten sieht er allerdings im Onlinehandel. „Bei vielen Onlinehändlern weiß man gar nicht genau, wie viel Lagerfläche eigentlich vorliegt. Da werden viele sagen: Ich falle nicht unter das neue Gesetz“, sagt Berensen. „Andere haben so gut wie keine eigene Lagerfläche und lassen das meiste direkt vom Händler an den Kunden senden.“ Da genau zu kontrollieren, wer verpflichtet ist, Geräte zurückzunehmen und wer nicht, sei nicht mal eben so gemacht.

„Da tun sich noch ungeahnte Schwierigkeiten auf, da das Gesetz an ­dieser Stelle zu ungenau ist“, sagt der Rechtsexperte. Unterstützt werden diese Zweifel durch eine stichprobenartige Untersuchung des Nabu. Demnach weisen viele Händler auf ihren Internetseiten aktuell gar nicht erst auf die neue Rücknahmepflicht hin, bieten nur kostenpflichtige Rücknahmen an oder verweisen lediglich auf kommunale Sammelstellen. Auch bei Testanrufen habe kein Mitarbeiter der angerufenen Online-Händler Auskunft über die bestehenden Rückgabemöglichkeiten geben können.

Entsorgung an den Recycling-Stationen

Neben dem neuen Angebot bleibt auch weiterhin die Möglichkeit, seinen Schrott an den Recycling-Stationen, in Elektro-Containern oder per angemeldetem Sperrmüll zu entsorgen. Laut der Umweltbehörde gibt es in Bremen insgesamt 99 Stellen, an ­denen kleine Elektrogeräte (zum Beispiel Kaffeemaschinen oder Radiogeräte) entsorgt werden können – an 15 Recyclingstationen und an 84 wohnortnahen Containerplätzen im Stadtgebiet.

1477 Tonnen Elektroschrott (Kleingeräte) sind dabei allein 2015 in ­Bremen zusammengekommen. Für Großgeräte (zum Beispiel Waschmaschinen oder Kühlschränke) gibt es vier Stationen sowie die Option, die Geräte per Sperrmüll abholen zu lassen. „Auch aufgrund des flächendeckendes Angebots hat der Bremer das mit der richtigen Müllentsorgung mittlerweile ganz gut drauf“, sagt Jens Tittmann, Sprecher der Umweltbehörde.

Die Rücknahme im stationären Handel erweitert das bestehende Angebot. In der Option, seine Kleingeräte zukünftig auch an den Online-Händler zurückschicken zu können, sieht Tittmann allerdings keinen großen Mehrwert für den Verbraucher. „Außerdem ist es weitaus umweltverträglicher, die Geräte an den Stellen vor Ort zu entsorgen, als über den Paketweg zurück an den Online-Händler.“

"Gute Rücknahmesysteme in Bremen"

Martin Rode, Geschäftsführer vom BUND Landesverband Bremen, befürwortet die neue Rücknahmepflicht. „Um Transportwege zu vermeiden, ist die wohnortnahe Annahme natürlich das Beste, aber auch über die Grenzen hinaus ist es durchaus sinnvoll weitere Rücknahmesysteme aufzubauen“, sagt Rode. Dass viele Leute das zusätzliche Angebot wahrnehmen werden, denke er ­allerdings nicht. „In Bremen gibt es mit den Recyclinghöfen und den Containern sehr gute Rücknahmesysteme“, sagt Rode.

Darüber erreiche man in der Stadt bereits eine ziemlich gute Quote, was die fachgerechte Entsorgung von Elektromüll angeht. Trotzdem werde noch immer zu viel nicht fachgerecht entsorgt. „Dadurch kommt es zu einem enormen Ressourcenverlust“, betont Rode. Das Thema Recycling sei noch nicht überall in der Gesellschaft angekommen. Gerade in sozialen Brennpunkten lande noch immer zu viel Müll, wo er nicht hingehört. „Der entscheidendere Schritt ist hier also gezielt auf Informations- und Erfahrungsangebote zu setzen“, sagt er.

Eine Übersicht der bisherige Rückgabestellen in Bremen finden Sie im Internet unter www.entsorgung-kommunal.de
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+