Bremen-Hemelingen Eltern töteten sich gegenseitig im Streit mit Messer

Am Freitag hat die Staatsanwaltschaft Bremen neue Details zum Hintergrund des Todes von einem Paar gegeben. Die Kinder hatten ihre toten Eltern am Mittwoch gefunden.
13.07.2018, 11:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Sebastian Krüger

Die tot aufgefundenen Eltern in Hemelingen haben sich gegenseitig umgebracht. Wie die Bremer Staatsanwaltschaft mitteilt, hätten sich die beiden 30-Jährigen zuerst gestritten und daraufhin gegenseitig mit einem Messer tödlich verletzt. Die offenbar kurz zuvor erfolgte Trennung des Paares soll der Hintergrund der Tat sein. Der genaue Ablauf lasse sich auch anhand der durchgeführten Obduktionen nicht aufklären. So ein Tathergang sei jedoch sehr ungewöhnlich, sagt Sprecherin Claudia Kück.

Damit werden die Ermittlungen beendet. "Gegen Tote kann nicht ermittelt werden", erklärt sie. Da keine Anhaltspunkte für die Beteiligung einer dritten Person vorliegen, sehe die Staatsanwaltschaft keinen Grund, sich weiter mit dem Fall zu beschäftigen.

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Die drei Kinder des Paares hatten sich zum Tatzeitpunkt in der Wohnung befunden, die Leichen entdeckt und daraufhin die Polizei verständigt. Sie befinden sich derzeit in der Obhut des Kinder- und Jugendnotdiensts. Das genaue Alter der Kinder wollten die Ermittler nicht öffentlich machen, um sie zu schützen. Alle drei seien jedoch unter zehn Jahren.

"Solche Pflegefamilien müssen eine hohe Bereitschaft haben, die Übergänge aus einer Lebenssituation in die andere gut zu begleiten, sodass den Kindern optimal geholfen wird", sagt Eva Rhode, Sprecherin der Beratungsstelle Pflegekinder in Bremen (Pib). Schon die Unterbringung außerhalb der eigenen Familie sei ein schwerwiegender Einschnitt für sie. Ob Pib mit dem Hemelinger Fall zu tun habe, dürfe sie nicht sagen.

Pflegefamilien als Übergang

"Es geht nicht darum, eine neue Heimat aufzubauen", betont sie – es sei eine Übergangslösung und auf maximal drei Monate ausgerichtet. Langfristig könnten Kinder in eine stationäre Einrichtung kommen und in Wohngruppen leben. Wie lange die da leben, entscheide das Case-Management des Jugendamts. Verwandte kämen prinzipiell ebenfalls infrage, sofern sie geeignet sind, die Kinder zu erziehen. Auch darüber entscheide das Jugendamt, nicht Pib.

Die Übergangsfamilien würden von Pib ausgesucht und qualifiziert, hätten aber einen Vertrag mit dem Amt für soziale Dienste. "Wir machen Begleitung und Beratung und unterstützen die Familien bei Übergangsprozessen", sagt sie. Wer selbst als Pflegefamilie Kinder in schwierigen Situationen vorübergehend aufnehmen möchte, müsse ein polizeilich erweitertes Führungszeugnis vorlegen. In der Phase der Qualifizierung spreche Pib mit den Familien ausgiebig darüber, wie das Helfersystem funktioniert. "Die Pflegefamilien leisten einen Beitrag im Rahmen der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe", erklärt Rhode. Zu den Aufgaben der Familien gehöre auch die Kooperation mit dem Vormund. Für das Jugendamt seien sie der direkte Ansprechpartner. "Und natürlich muss man sich in geeigneter Weise dem Kind zuwenden können." Es gebe regelmäßige Fortbildungen, die Pib anbiete.

Stabiles soziales Netz

Viele Pflegeeltern würden soziale, erzieherische oder pflegerische Berufe ausüben, was aber keine Voraussetzung sei. Übergangsfamilien müssten die Kinder wieder gehen lassen: "Man darf sich nicht an das Kind binden, und das Kind nicht an einen selbst", sagt Rhode. Es sei wie ein Beruf: Pflegefamilien müssten eine fachliche Distanz wahren können. Zur Unterstützung gebe es Supervisionsgruppen. Übergangsfamilien bräuchten ein stabiles soziales Netz, um sich selbst entlasten zu können. Unter ihnen gebe es verheiratete Paare, Lebensgemeinschaften, seltener auch Einzelpersonen. Es müssten keine heterosexuellen Ehepaare sein, betont sie. "Aus den Zeiten sind wir raus." Meist hätten sie bereits eigene Erziehungserfahrungen.

Bis zu zwei Kinder dürfe eine Familie aufnehmen, wenn sie die Qualifizierung durchlaufen hat. Bei mehr als zwei Kindern gebe es auch Ausnahmen, aber darüber entscheide das Jugendamt. Kosten für Unterbringung und Versorgung des Kindes sowie für die pädagogische Leistung würden erstattet. "Es werden immer Familien unterschiedlicher Herkunft gesucht, damit wir den Kindern gerecht werden können".

234 Kinder hätten im vergangenen Jahr eine Pflegefamilie besucht. 41 Prozent der Kinder seien dort länger als drei Monate geblieben. Wer sich für die Tätigkeiten einer Übergangspflegefamilie interessiert, kann sich am 14. August um 19 Uhr im Bildungszentrum des Pib darüber informieren.

++ Der Artikel wurde um 18.14 Uhr aktualisiert. ++

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