Kinderbetreuung in Lemwerder

Eltern wünschen sich mehr Flexibilität

Die Ferienbetreuung im nächsten Jahr ist gesichert. Ansonsten herrscht in Lemwerder noch einige Unsicherheit in Sachen Kinderbetreuung.
13.12.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von GEORG JAUKEN

Die Ferienbetreuung im nächsten Jahr ist gesichert. Ansonsten herrscht in Lemwerder noch einige Unsicherheit in Sachen Kinderbetreuung.

Der Jugendtreff Jule bietet zusammen mit dem Familien- und Kinderservicebüro auch 2017 wieder eine Betreuung für Sechs- bis Zwölfjährige in den gesamten Oster- und Herbstferien sowie in den letzten drei Wochen der Sommerferien (13. Juli bis 2. August) an. Berufstätige Eltern können also schon mal planen. Ungewiss ist dagegen, wo ihre Kinder in Zukunft nach der Schule betreut werden, wenn nicht gerade Ferien sind, wie sich jüngst im Sozialausschuss zeigte.

Erst zum Beginn des laufenden Schuljahres hatte die Gemeinde wegen der starken Nachfrage eine vierte Hortgruppe eingerichtet. Das Hort-Team mit acht Pädagogen betreut nun insgesamt 75 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren ab dem Mittagessen bei den Hausaufgaben und der Freizeitgestaltung. Weil der Platz im Hort-Gebäude nur für drei Gruppen reicht, wurde die neue Gruppe in die Hausmeisterwohnung im nahen Sport- und Freizeitzentrum ausgelagert. Die Anmeldungen für das nächste Kindergartenjahr erfolgt zwar erst im Januar. Dass die vierte Gruppe mindestens ein weiteres Jahr benötigt wird, ist nach Angaben der Gemeindeverwaltung aber schon jetzt absehbar. Das Problem: Wenn die Hausmeisterwohnung für längere Zeit als Hort genutzt wird, sind nach Verwaltungsangaben einige Umbauten (Fluchtweg, Brandschutz) erforderlich.

Ursprünglich waren die Umbaukosten für die notwendigen und wünschenswerten Maßnahmen an der Wohnung auf 50 000 Euro geschätzt worden. Vor dem Einzug der Hortgruppe wurde die Wohnung zunächst aber nur für ein paar Tausend Euro renoviert. Die vor einer Weiternutzung erforderlichen Umbauten sollten nach Meinung der Verwaltung am besten in der Winterpause erfolgen, statt bis zu den nächsten Sommerferien damit zu warten. Der Sozialausschuss stimmte zu, zumindest die Vorbereitungen dafür zu treffen. Der Verwaltungsausschuss könnte dann kurzfristig die Entscheidung über die Umbauarbeiten fällen, sobald die genauen Kosten ermittelt sind. Zugleich gab es im Sozialausschuss allerdings starke Zweifel, ob sich die Investition in die Wohnung überhaupt noch lohnt. Denn parallel laufen im eigens dafür eingerichteten „Arbeitskreis Schule“ die Überlegungen, die Grundschule zu einer Ganztagsschule weiter zu entwickeln. Kommt es dazu, könnte der Bedarf an Hortplätzen unter Umständen stark sinken.

Brigitta Rosenow (Grüne) verlangte als erste eine Klärung, ob es in Zukunft ein Nachmittagsangebot an der Grundschule gibt. Meinrad-M. Rohde (SPD) unterstützt die Forderung und warb, bei der Klärung dieser Frage „aufs Tempo zu drücken“. Die Diskussion im „Arbeitskreis Schule“ über das Konzept einer Ganztagsschule sei jedoch noch nicht weit genug fortgeschritten, um schon im nächsten Schuljahr damit zu starten, wandte Bürgermeisterin Regina Neuke ein. Wiebke Naujoks von den Unabhängigen Wählern Lemwerder (UWL) sieht das genauso und sprach sich für die Durchführung der Bauarbeiten an der Hausmeisterwohnung aus.

Wenn die Wohnung ein Jahr ohne aufwendige Umbauarbeiten als Hort genutzt werden kann, geht das auch noch ein bisschen länger, glaubt dagegen Meinrad-M. Rohde. „Dann leben sie noch ein Jahr so.“ Als Alternative für die Hortgruppe in der Hausmeisterwohnung stünde ansonsten auch noch die ehemalige Grundschule West zur Verfügung. Sie war zwischenzeitlich auch schon als Kindergarten genutzt worden und steht nun bis auf Weiteres wieder leer.

Als schwierig erweist es sich unterdessen, dem Wunsch (berufstätiger) Eltern nach einer größeren Flexibilität bei der Kinderbetreuung in den sogenannten Randzeiten (Früh- und Spätbetreuung) nachzukommen. Eine Bedarfsabfrage, an der sich hauptsächlich Eltern von Grundschülern beteiligten, hatte im Frühjahr ergeben, dass viele Eltern mehrmals in der Woche eine Kinderbetreuung während einer der „Randzeiten“ benötigen. Die dafür erforderlichen Erzieherinnen und Sozialassistentinnen seien derzeit jedoch nicht zu bekommen, hieß es. „Der Stellenmarkt ist abgegrast“, brachte Wiebke Naujoks das Problem auf den Punkt.

Regina Neuke ist der Meinung, dass die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern deshalb dringend attraktiver werden muss. Sie könnte sich beispielsweise eine Bezahlung der bislang offenbar unbezahlten Praktika während der Ausbildung vorstellen. Als kurzfristige Lösung sei es denkbar, Tagesmütter für die Randzeitenbetreuung in vorhandenen Räumen der Kindergärten einzusetzen.

„Einen großen Teil der Flexibilität, die die Wirtschaft voraussetzt, können wir nur mit Tagesmüttern abdecken.“ Um so bedauerlicher findet es die Bürgermeisterin, dass eine geplante Qualifizierung weiterer Tagesmütter und -väter aus der südlichen Wesermarsch im September in Elsfleth wegen zu geringer Anmeldezahlen abgesagt werden musste.

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