Kündigung von Stadt erhalten Endgültiges Aus für die Bremer Galopprennbahn

Aus, Schluss und vorbei: Die Betreiber der Bremer Galopprennbahn haben an diesem Donnerstag von der Stadt die Kündigung erhalten.
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Endgültiges Aus für die Bremer Galopprennbahn
Von Jürgen Hinrichs

Aus, Schluss und vorbei: Die Betreiber der Bremer Galopprennbahn haben an diesem Donnerstag von der Stadt die Kündigung erhalten.

„Ja, wo laufen sie denn?“, hat ­Loriot in einem seiner Sketche mal fragen lassen. Die Antwort: In Bremen bald nicht mehr. Dem Betreiber der Galopprennbahn ist am Donnerstag von der Stadt gekündigt worden. Der Rennverein von 1857 hat damit seinen Zweck verloren, er wird nur noch im kommenden Jahr die Pferde laufen lassen. An wie vielen Renntagen ist nach Mitteilung des Vereins noch offen.

Das Gelände der Galopprennbahn soll zum Wohngebiet werden. Es gibt starke Proteste dagegen, unter anderem von einer Anwohnerinitiative und dem Beirat Hemelingen. Weiterhin unklar ist, wie mit dem Golfclub umgegangen wird, der auf dem Areal eine Neun-Loch-Anlage nutzt. Der Verein hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, die Anlage nicht aufgeben zu wollen. Anders als der Rennverein haben die Golfer einen unkündbaren Pachtvertrag, der noch bis zum Jahr 2034 gilt.

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Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) betonte in einer Erklärung seiner Behörde, dass die Umwidmung der Flächen angesichts der Situation auf dem Wohnungsmarkt zwingend gewesen sei: „Es ist verständlich, dass Anhänger des Sports die Kündigung mit Wehmut und Bitterkeit kommentieren“, so der Senator, „angesichts des stark nachlassenden Interesses an der Sportart und der offensichtlichen Schwierigkeit, diese wirtschaftlich zu betreiben, ist die Entscheidung aber gut begründet.“

Großes innerstädtisches Entwicklungsgebiet

Bausenator Joachim Lohse (Grüne) betonte, dass die Rennbahn ein sehr großes innerstädtisches Entwicklungsgebiet sei. „Gemeinsam mit dem Wirtschaftsressort werden wir jetzt die Voraussetzung für ein urbanes, modernes und nachhaltiges Stadtquartier schaffen.“ Als Zielmarke war zu Anfang der Planungen die Zahl von 1000 Wohnungen genannt worden.

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Voraussetzung dafür, dem Rennverein zu kündigen, obwohl er noch einen Pachtvertrag bis Ende 2020 besitzt, war ein Beschluss der Baudeputation vom vergangenen Monat.

Inhalt ist, das 36 Hektar große Gelände im Hemelinger Ortsteil Sebaldsbrück für Wohnungsbau zu nutzen. „Wir können es uns nicht leisten, ein so großes Areal mitten in der Stadt weitgehend ungenutzt liegen zu lassen, nur damit dort ab und zu Pferdchen im Kreis herumlaufen“, hatte Lohse während der Deputationssitzung gesagt.

Seit dem Jahr 1875 finden Rennen statt

Der Pferderennsport hat an dem Ort eine lange Tradition. Seit dem Jahr 1875 finden auf der Bahn Rennen statt. Vor zehn Jahren kam im 15 Hektar großen Innenbereich des Ovals der Golfplatz dazu. „Gespräche über eine mögliche vorzeitige Beendigung des Vertrages mit dem Golfverein werden zum geeigneten Zeitpunkt aufgenommen“, teilt das Wirtschaftsressort mit.

Angesichts der Größe des Vorhabens werde für den weiteren Prozess eine Projektgesellschaft gegründet. „Wir machen das Schritt für Schritt“, so ein Behördensprecher. Die Öffentlichkeit werde umfassend einbezogen. Dies betreffe die Machbarkeitsstudie, das städtebauliche Leitbild und den Bebauungsplan, der daraus entwickelt werde. Geplant ist, im Frühjahr kommenden Jahres eine Ideenwerkstatt einzurichten. Im Jahr darauf soll der Bebauungsplan fertig sein.

Wenigstens Gewissheit

Der Rennverein konnte von der Kündigung nicht überrascht werden, wegen der Fristen musste sie noch in diesem Jahr ausgesprochen werden. „Jetzt haben wir wenigstens Gewissheit“, sagt Vereinssprecher Frank Lenk. Mit der Entscheidung abfinden will er sich gleichwohl nicht: „Da ist noch unglaublich viel Bewegung drin, und wir sind ein Teil davon.“ Juristisch sei zwar nichts zu machen, politisch aber schon.

Verärgert ist der Verein nach den Worten von Lenk über die Art und Weise, wie die Stadt ihren Plan, die Galopprennbahn in ein Wohngebiet umzuwandeln, an die Öffentlichkeit gebracht hat. „Das hätte man mit uns gemeinsam vorbereiten und kommunizieren müssen.“ Mit dem Überraschungscoup des Senats seien die Veranstaltungen auf der Bahn entwertet worden. „Die Sponsoren waren verunsichert. Das hat uns nicht gerade geholfen.“

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