Ladies Crime Night im Kito: „Mörderische Schwestern“ beweisen, dass die Ostseeküste nicht immer so friedlich ist wie sie ausschaut

Endlose Mordgeschichten im Sieben-Minuten-Takt

Vegesack. "Lesen Sie Morde. begehen Sie keine." Das legte Alexa Stein den Gästen ans Herz, die Freitagabend ins Kito gekommen waren, um bei der Ladies Crime Night dabei zu sein, einer Veranstaltung im Rahmen des Bremer Krimifestivals "Prime Time Crime Time", das noch bis zum 21. September einige blutige, giftige und strafwürdige Termine auf dem Programm hat. Wie der im Kito, bei dem sieben "Mörderische Schwestern" sich anschickten, eine kriminell-literarische Reise vom Darß bis Fehmarn zu unternehmen. Sieben übrigens von gut 400 blutrünstigen Mitschwestern einer europaweiten Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen.
16.09.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Albrecht-joachim Bahr
Endlose Mordgeschichten im Sieben-Minuten-Takt

DCX 452952286 Ladies Crime Night im Kito: Gitarrist Peter Apel umringt von den sieben "Mörderischen Schwestern" Alexa Stein, Annette Petersen, Anja Marschall, Martina Arnold, Eva Almstädt, Regine Kölpin und Heidi Ramlow (von links).

Ajb· Bahr

Vegesack. "Lesen Sie Morde. begehen Sie keine." Das legte Alexa Stein den Gästen ans Herz, die Freitagabend ins Kito gekommen waren, um bei der Ladies Crime Night dabei zu sein, einer Veranstaltung im Rahmen des Bremer Krimifestivals "Prime Time Crime Time", das noch bis zum 21. September einige blutige, giftige und strafwürdige Termine auf dem Programm hat. Wie der im Kito, bei dem sieben "Mörderische Schwestern" sich anschickten, eine kriminell-literarische Reise vom Darß bis Fehmarn zu unternehmen. Sieben übrigens von gut 400 blutrünstigen Mitschwestern einer europaweiten Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen.

Die Waffen sind geladen, das Gift gemischt, das Würgeband bereitgelegt – die sieben können an den Start gehen und je ihre Geschichte aus dem Sammelband "Muscheln, Möwen, Morde" vortragen (erschienen bei KBV, 317 Seiten, 9,90 Euro), Geschichten, in denen sich diesmal die Ostsee von ihrer düstersten Seite zeigt. Aber die Sache hat einen Haken: Den sieben bleiben jeweils geschlagene sieben Minuten, um den Zuhörern Geschmack auf mehr zu machen.

Sieben Minuten, nach deren Ablauf Gitarrist Peter Apel mit seinem musikalischen Fallbeil dazwischengeht. Passend zum Metier mit punk-rock-jazzigen Klanggebilden, die an Mrs. Peel oder Miss Marple erinnern, wie auch mit Improvisationen, die alles verheißen mögen, nur nichts Gutes. Einmal sogar so heftig, griffig und den Gitarrenhals würgend, dass man um die Gesundheit, wenn nicht gar um das Leben des Instruments fürchten muss. Wie auch immer, mit dem Griff in die Saiten ist Schluss.

Das wiederum bewirkt, dass die sieben Autorinnen eigentlich nur an die Geschichte heranführen können. Dass da jeweils irgendetwas nicht so ist, wie es eigentlich sein soll, ist stets klar. Aber so richtig Mord und Totschlag – gibt’s nicht. Oder nur so am Rande, als Erinnerung. Oder gibt es da doch schon eine Leiche? Und wenn just (bei Heidi Ramlow) eine angespült worden ist, sollte man sich da dann unbedingt einem knurrigen Alten anvertrauen, der eben noch "etwas" in einem blauen Sack "entsorgt" hat? Was, wenn der tote Vater mehr auf seine Tochter (Alexa Stein) vom Himmel her aufpasst, als es dem Strafgesetzbuch recht sein kann? Was hat Frau Doktor Wiesenthal mit Regine Kölpin angestellt, dass der die Finger bei einer Ayurveda-Massage steifer werden, als es Frau Doktor lieb sein könnte?

Eva Almstädt indes kann es nicht lassen, einen Zusammenhang zu vermuten zwischen einer spurlos verschwundenen millionenschweren Schwägerin und einer zu sauber geputzten Badewanne samt zurückgelassener Abflussreiniger-Flasche. Wenn Annette Petersen nachts um 3.13 Uhr aufwacht und ihren rechten Arm sucht, reicht das schon um aufzuhorchen. Bei Martina Arnold beginnt die Geschichte im Nebel, bei dem selbst die Vögel zu Fuß gehen. Und Anja Marschall schließlich schickt ihren Kommissar Baduch nach Fehmarn, um dort zwei alten Damen eine Leiche zur Beseitigung anzudienen, die inzwischen fünfte aus einer Reihe von Verbrechern, die die Justiz hat laufen lassen müssen, die aber der Kommissar nicht laufen lassen wollte ... Alles im wahrsten Sinne des Wortes: endlose Mordgeschichten. Mehr vom Bremer Krimifestival im Internet unter www.primetime-crimetime.de

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