Genossenschaft Bürgerenergie Bremen realisiert erstes Projekt / Vision für Brachfläche Oldenburger Kurve

Energiewende selbst gemacht

Energiewende in Eigenregie – das ist das Motto der Bürgerenergie Bremen, kurz „BEGeno“. Der Findorffer Sven Punke hat die Genossenschaft vor gut einem Jahr gegründet, mittlerweile zählt sie 45 Mitglieder. Jetzt wird das erste Projekt in Achim realisiert, und auch für den Bremer Westen gibt es Visionen. Sie sollen sowohl aus Umweltschutz- als auch aus finanziellen Gründen nachhaltig sein.
26.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tobias Meyer
Energiewende selbst gemacht

Der Vorstand der Bremer Bürgerenergie-Genossenschaft (von links): Axel Eggers, Sven Punke aus Findorff und Thomas Grüter aus Oberneuland. Sie zählt mittlerweile 45 Mitglieder.

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Energiewende in Eigenregie – das ist das Motto der Bürgerenergie Bremen, kurz „BEGeno“. Der Findorffer Sven Punke hat die Genossenschaft vor gut einem Jahr gegründet, mittlerweile zählt sie 45 Mitglieder. Jetzt wird das erste Projekt in Achim realisiert, und auch für den Bremer Westen gibt es Visionen. Sie sollen sowohl aus Umweltschutz- als auch aus finanziellen Gründen nachhaltig sein.

Als Sven Punke im Sommer 2013 zwischen Papp-Einkaufstresen und Papier-Fleischkeulen im temporären „Klimamarkt“ an der Hemmstraße steht, strahlen seine Augen: Er hat eine Vision, keine leichte Aufgabe, aber eine machbare. Er will eine Energiegenossenschaft gründen, einen Sammelplatz für Bürger, die den Energiewandel mit ihrem Geld vorantreiben wollen. Etwas mehr als ein Dutzend Männer und Frauen sitzen an diesem Tag im Publikum, und sie finden seine Idee gut. Das kann was werden, sagen sie. Das kann was werden, denkt Sven Punke.

Der Diplom-Ingenieur und Architekt aus Findorff kennt viele Experten, wenn es um die Themen Klimawandel und Energiewende geht: Er engagiert sich bei der Bürgerinitiative Leben in Findorff, ist ehrenamtlich bei den Grünen im Stadtteil aktiv, gut vernetzt mit Mitgliedern des Bund für Umwelt und Naturschutz. Also spricht er sie an, Planer, Steueranwälte, Energierechtler, Qualitätsingenieure. Er besucht Seminare, setzt sich mit dem Genossenschaftsmodell auseinander und lässt sich dafür ausbilden, selbst eine zu gründen. Ein Trend, der in den vergangenen Jahren immer stärker wächst: Mehr als 200 000 Menschen engagieren sich nach Angaben des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands in über 800 Energiegenossenschaften. Sven Punkes „BEGeno“ gehört seit Anfang 2014 auch dazu.

Mindesteinlage beträgt 1000 Euro

Seitdem wächst die Zahl der Genossen langsam, aber stetig. Aktuell bringen sich 45 Mitglieder in die Projekte mit ein. Sie stellen Geld zur Verfügung, mit der die „BEGeno“ dann Vorhaben realisieren kann. Das Prinzip ist einfach: Jedes Mitglied muss eine Mindesteinlage von 1000 Euro leisten, kann sich darüber hinaus aber auch mit größeren Beträgen einbringen. Für das Geld kauft die Genossenschaft Solaranlagen und vermietet sie für 20 Jahre an Einrichtungen und Unternehmen, die viel Dachfläche bieten. Dort werden die Module dann fachgemäß installiert, sodass die Mieter künftig ihren eigenen Strom produzieren. Dafür zahlen sie der „BEGeno“ einen Vorteilspreis, der niedriger ist als der von anderen Anbietern, und etwas höher als die gesetzlich zugesicherte Einspeisevergütung. So profitieren beide Seiten davon, denn: Die Genossenschaft verdient etwas mehr Geld, als sie bekommen würde, wenn sie die produzierte Energie ins öffentliche Netz speist. Und die Nutzer sparen Geld, weil sie den Strom nicht mehr von einem anderen Anbieter beziehen müssen.

Auf dieses Mietmodell hat sich als erster Abnehmer die Stadt Achim eingelassen. Das Dach einer Grundschule dort ist Richtung Süden ausgerichtet und verschattungsfrei, liegt also optimal. Die „BEGeno“ hat genügend Geld gesammelt und installiert dort für etwas mehr als 43 000 Euro eine 30-Kilowatt-Peak-Anlage, die jährlich rund 29 000 Kilowattstunden Strom produzieren soll – das reicht für acht Haushalte. Die Schule selbst benötigt nur 35 Prozent der produzierten Energie, der Rest wird vergütet ins Netz gespeist.

Auch für Findorff kann sich Sven Punke ähnliche Projekte vorstellen. „Je mehr Menschen mitmachen, umso größer können die Projekte werden“, sagt er. So spielen die Genossen unter anderem mit der Idee, einen Solarpark auf der brachliegenden Fläche an der Oldenburger Kurve zu installieren. „Wenn wir dort für 2,5 Millionen Euro Solaranlagen hinstellen dürfen, verkaufen wir den produzierten Strom direkt an die Anwohner vor Ort“, sagt der Findorffer. Gespräche mit der Bahn gebe es schon, sagt Punke.

„Wir wollen die Energiewende nicht den großen Konzernen überlassen“, betont Betriebswirt und Solateur Thomas Grüter aus Oberneuland, der mit Sven Punke und Qualitätsingenieur Axel Eggers aus Achim den Vorstand der „BEGeno“ bildet.

Dafür will die Genossenschaft in den nächsten Jahren nicht nur Solarmodule aufstellen, sondern auch Windkrafträder betreiben. Aktuell wird dafür eine Fläche in Hemelingen-Arbergen geprüft.

Zwei Anlagen könnten dann 4800 Haushalte mit Strom versorgen. Elf Millionen Euro müssten investiert werden, zwei Millionen müssten die Genossen an Eigenkapital aufbringen. Der finanzielle Einsatz soll sich dann auch auf lange Sicht lohnen: „Wir gehen davon aus, dass unsere auf zwanzig Jahre angelegten Projekte über die Zeit durchschnittlich drei Prozent Rendite für unsere Mitglieder abwerfen“, sagt Grüter. Nachrangdarlehen werden mit 2,5 Prozent verzinst. „Das ist mehr, als einem die Banken im Moment versprechen können.“

Doch um das Geld soll es Grüter, Punke, Eggers und ihren Genossen nicht allein gehen. „In erster Linie geht es um den Umweltschutz“, betont Punke. Gemeinsam wollen sie sich und ihr Geld investieren: Für einen Energiewandel von unten. Für ihren Energiewandel.

Die „BEGeno“ stellt sich allen Interessierten am Dienstag, 10. Februar, ab 18.30 Uhr beim „Findorffer Stadtgespräch“ im Siemens-Hochhaus, Raum 1.07 (1. OG), vor. Infos gibt es auch unter www.begeno.de.

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