Diskussion mit Senatorin

Engagierte Fachkräfte dringend gesucht

Was läuft gut in Gröpelingens Bildungseinrichtungen und wo besteht Verbesserungsbedarf? Darüber haben Vertreter aus Kita und Schule mit der Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan gesprochen.
22.02.2019, 17:16
Lesedauer: 3 Min
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Engagierte Fachkräfte dringend gesucht
Von Anne Gerling
Engagierte Fachkräfte dringend gesucht

Wollen gemeinsam die Bildungslandschaft in Gröpelingen voran bringen: Senatorin Claudia Bogedan (v.l.), Ulrike Kleinert, Sabine Jacobsen, Andreas Gebauer und Karl-Holger Meyer.

Roland Scheitz

Wie kann erfolgreiche Bildungsarbeit in einer Migrationsgesellschaft aussehen? Die Erzieher, Lehrer, Sozialpädagogen und Sonderpädagogen, die in den Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen in Gröpelingen arbeiten, können dazu einiges erzählen. Vor zehn Jahren ist damit begonnen worden, die lokale Bildungslandschaft in Gröpelingen systematisch aufzubauen, Netzwerke und Kooperationen zu festigen und verschiedene Modellprojekte zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund haben am Donnerstagabend im Quartiersbildungszentrum (QBZ) Morgenland Vertreter verschiedener Bildungseinrichtungen über ihre Erfahrungen und Wünsche mit Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) gesprochen. Moderiert wurde dieses als Arbeitstreffen organisierte Gespräch mit viel Publikum von Frauke Kötter, die das Lokale Bildungsbüro leitet.

Deutlich wurde dabei insbesondere, vor welchen besonderen Herausforderungen Pädagogen in Gröpelingen täglich stehen. Aber auch, dass dort viele besonders engagierte Menschen am Werk sind, die ihre Arbeit lieben. Zum Beispiel Sabine Jacobsen, Leiterin der Neuen Oberschule Gröpelingen (NOG). „Unsere Standard-Schüler haben einen hohen Bedarf, die Sprache neu beziehungsweise besser zu lernen. Dieser Bedarf nimmt kontinuierlich zu und ist heute höher als im Jahr 2010, als wir gestartet sind“, sagt sie. Zwar sei den Schulen eine Doppelbesetzung in den Unterrichtsstunden durch einen Lehrer und einen Sozialpädagogen in Aussicht gestellt worden – hier hapere es aber bislang an der Umsetzung.

„Doppelbesetzung ist ganz wichtig. Dann macht es Spaß“, sagt auch Karl-Holger Meyer, Leiter der Grundschule am Pastorenweg. Er schilderte, wie gravierend sich das Anforderungsprofil an Lehrkräfte verändert hat. „Täglich jonglieren die Kollegen und Kolleginnen zwischen ihrer ‚eigentlichen’ Arbeit und den vielfältigen anderen Anforderungen: Beraten, Mut machen, übersetzen, vermitteln, zuhören, coachen, trösten, organisieren, Anträge stellen, beruhigen, anspornen, managen …“, zitierte er ein gemeinsames Positionspapier der Gröpelinger Schulen vom Februar 2016 mit dem Titel „Gröpelingen bildet 2025“. Zwar seien Sozialpädagogenstellen erhöht und Entlastungsstunden eingeführt worden – diese kämen aufgrund des Fachkräftemangels aber an vielen Schulen nicht. Auch würden immer mehr Kollegen krank und die Erkrankungen immer langwieriger.

Wie bekommt man aber mehr Fachkräfte in Stadtteile mit besonderen Herausforderungen? Bogedans Behörde hat kürzlich versucht, neue Lehrer gezielt Schulen in Gröpelingen und Bremen-Nord zuzuweisen. Bei vier Zuweisungen sei am Pastorenweg eine halbe Stelle herausgekommen, schilderte Meyer: „Zwei hatten sich daraufhin nach Niedersachsen beworben und einer zog die Bewerbung zurück.“ Libuse Cerna vom QBZ-Fachbeirat empfiehlt deshalb: „Die Diskussion macht die Dramatik sichtbar. Wir brauchen finanzielle Anreize – Zwangsmaßnahmen haben noch nie etwas gebracht.“

Besser geeignet wären aus Meyers Sicht gezielte Kampagnen, um Sozialpädagogen, Sonderpädagogen oder Erzieher anzuwerben. Fänden sich Bewerber, müsste ihnen außerdem möglichst schnell ein Vertrag vorgelegt werden. Ansonsten orientierten sie sich wieder anderweitig, weiß Meyer aus Erfahrung.

Einen weiteren Ansatz brachte Jasmina Heritani von der Aufsuchenden Bildungsberatung für Erwachsene im QBZ ins Spiel, die sagt: „Zu uns kommen viele Lehrer.“ „Vielfalt im Lehrerzimmer, so wie wir sie im Klassenzimmer bereits haben“, lautet ihr Wunsch, mit dem sie bei der Bildungssenatorin im Grunde offene Türen einrennt. Leider könne sie Anerkennungsverfahren aber nicht selber steuern, so Bogedan: „Ich sehe viele Potenziale, die noch an uns vorbeiziehen. Das hat damit zu tun, dass die Bundesrepublik lange negiert hat, ein Einwanderungsland zu sein."

Andreas Gebauer, Leiter der Stadtbibliothek West, plädierte für die Verstetigung der guten außerschulischen Angebote, damit Zeit und Personal für die Kinder blieben und nicht beim Ausfüllen von Anträgen verloren gingen. „Hier in Gröpelingen sind die jungen Leute. Deshalb ist hier auch der Bedarf besonders groß“, unterstrich schließlich Ulrike Kleinert, Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Schwarzer Weg, die rät, nicht an den Räumlichkeiten zu sparen. „Die besten Gebäude und Einrichtungen gehören in den Stadtteil mit der höchsten Diversität“, stimmte ihr Bogedan zu, die sich für die Anregungen bedankte: „Wir sind in einer Aufholjagd, es bleibt aber ein großer Kraftakt. Immerhin: Es gibt den Schulkonsens. Das ist etwas, womit man gut in die nächste Legislatur gehen kann.“

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