Auf dem Programm stehen Touren in die Vergangenheit und Blicke hinter die Kulissen der Gegenwart Entdeckertag in der Überseestadt

Überseestadt. Selbst für viele Bremer und Bremerinnen ist die Überseestadt noch Neuland. Nun soll aber niemand behaupten, es gebe nicht genug Anlässe, den jüngsten Waller Ortsteil kennenzulernen und seine Entwicklung mitzuerleben.
21.09.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Überseestadt. Selbst für viele Bremer und Bremerinnen ist die Überseestadt noch Neuland. Nun soll aber niemand behaupten, es gebe nicht genug Anlässe, den jüngsten Waller Ortsteil kennenzulernen und seine Entwicklung mitzuerleben. Die nächste schöne und kostenlose Gelegenheit bietet sich am Sonntag, 24. September, der im Rahmen der Maritimen Woche zum Entdeckertag Überseestadt deklariert wurde. Den gesamten Tag über geht es unter der Leitung ortskundiger Führerinnen und Führer zu Fuß, im Bus oder auf dem Schiff durch die Vergangenheit, die Gegenwart und in die Zukunft des Quartiers.

Für den großen Überblick bieten sich die 30-minütigen Kurzführungen an, die um 11 Uhr, 13 Uhr und 16 Uhr im Hafenmuseum Speicher XI beginnen. Im denkmalgeschützten Speicher XI wird seit 2004 die Bremer Hafengeschichte bewahrt und auf unterhaltsame und informative Weise zugänglich gemacht. Hier befindet sich auch die Dauerausstellung des Infocenter Überseestadt, die vor wenigen Monaten umfassend aktualisiert wurde und die die Entwicklung eines der größten städtebaulichen Projekte in Europa anschaulich präsentiert. „Frische Brise im alten Quartier“ nennt das Geschichtskontor des Kulturhaus Walle seine etwa eineinhalbstündigen Spaziergänge, die um 11 Uhr und um 14 Uhr beginnen und von der Überseestadt bis zur Union-Brauerei führen. Unter der fachkundigen Leitung der Brodelpott-Historiker erfahren die Gäste unter anderem, wo einst das legendäre „Golden City“ oder Europas höchster Wasserturm standen.

Das Kaffee-HAG–Werk am Holz- und Fabrikenhafen galt in seiner Entstehungszeit als vorbildliches Beispiel moderner Industriearchitektur und ist heute steinerne Erinnerung an eine Bremer Weltmarke. Der Eisenbetonbau, den der Bremer Architekt Hugo Wagner für Firmengründer Ludwig Roselius plante, wurde zum Schauplatz außergewöhnlicher Innovationen in Produktion und Marketing. Unter dem Titel „Prachtbauten, Pioniertrank und Plantagentrank“ nimmt das Hafenmuseum Speicher XI um 11 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr seine Gäste zu Rundgängen in die Firmengeschichte von Kaffee HAG und Kaba mit.

Doch auch heute noch werden am stadtbremischen Hafen viele Produkte umgeschlagen und verarbeitet – zum Beispiel Getreide, Kaffee, Kakao oder Mineralöl. Die Führung „Zukunft Hafen“ wirft einen Blick hinter die Kulissen. Die jeweils 90-minütigen Spaziergänge beginnen um 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr: Die Sanierung des Schuppen Eins war eines der spektakulärsten Wiederbelebungsprojekte der Überseestadt. Um 13 Uhr und 15 Uhr können sich Interessierte den Teil des ehemaligen Lagerschuppens zeigen lassen, der sich zum Zentrum für Bremer Hafen- und Automobilgeschichte verwandelt hat. Zu sehen gibt es nicht nur den 150 Meter langen Boulevard mit seinen gläsernen Werkstätten, Händlern, gastronomischen Adressen und der Kunstgalerie, sondern auch die Wohnstraße auf dem Dach des denkmalgeschützten Hafengebäudes.

Ein weiteres eindrucksvolles Bremer Industriedenkmal ist die Getreideverkehrsanlage aus dem Jahr 1896, die vor Kurzem an die Firma J. Müller GmbH & Co. KG verkauft. Mit dem Einverständnis der neuen Eigentümer kann der Gröpelinger Verein Kultur vor Ort um 11 und 14 Uhr wieder seine spannenden Rundgänge durch den „Koloss“ anbieten. Wer bei den zweistündigen Besichtigungen dabei sein möchte, sollte festes Schuhwerk mitbringen. Der monumentale Silo am Getreidehafen ist bis heute „in Betrieb“ – asthmagefährdete Personen müssen daher mit Getreide- und Futtermittelstaub rechnen.

Brandneu ist vergleichsweise die Brennerei, die Birgitta Schulze van Loon vor fast sechs Jahren am Europahafen eröffnete. Doch ihre „Piekfeinen Brände“ sind mittlerweile in Kennerkreisen bestens bekannt und vielfach ausgezeichnet worden. Volljährige Liebhaberinnen und Liebhaber der hochgeistigen Tropfen können um 11 Uhr und um 13 Uhr an 45-minütigen Führungen durch die gläserne Manufaktur teilnehmen. Riech- und Kostproben sind inklusive. Wer sich für das Thema Stadtentwicklung und Urban Gardening im Bremer Westen interessiert, muss sein Fahrrad mitbringen. Jeweils um 11 Uhr und um 15 Uhr laden die „Urban Scouts” des Vereins Kultur vor Ort in Kooperation mit der Gesellschaft für integrative Beschäftigung zu rund zweistündigen Radtouren ein, die von der Überseestadt unter anderem zur Gemüsewerft, ins „Apfelkulturparadies“ und zu weiteren grünen Oasen im Bremer Westen führen.

Die Teilnahme an den Touren und Führungen ist am Entdeckertag frei. Anmeldungen werden am Veranstaltungstag ab 10 Uhr am Infopoint angenommen, der an der Marina Europahafen eingerichtet wird. Ein kostenloser Busshuttle bringt die Gäste zu den Veranstaltungsorten und pendelt zwischen Europahafen und Speicher XI. Die Reise von der Schlachte in die Überseestadt kann auf dem Wasserweg absolviert werden. Die „Alma“ legt ab 9.30 Uhr stündlich vom Martinianleger ab. Retour geht es jeweils zur vollen Stunde ab Europahafen. Die Kosten pro Fahrt betragen zwei Euro, Kinder bis 14 Jahre zahlen die Hälfte.

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