„Ein farbiges Leben“ im Bürgerhaus Mahndorf zeigt Ölgemälde des 75-jährigen Hobbykünstlers Karsten Anders Er hat alles einmal ausprobiert

Schon als er zehn Jahre war, fiel den Lehrern sein künstlerisches Talent auf. Aber die Kunstschule wollte ihn nicht aufnehmen, weil er noch ein Kind war. Das Malen und Zeichnen hat Karsten Anders trotzdem sein ganzes Leben begleitet. Im Bürgerhaus Mahndorf sind jetzt einige seiner Ölgemälde ausgestellt.
25.09.2014, 00:00
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Er hat alles einmal ausprobiert
Von Lisa Schröder

Schon als er zehn Jahre war, fiel den Lehrern sein künstlerisches Talent auf. Aber die Kunstschule wollte ihn nicht aufnehmen, weil er noch ein Kind war. Das Malen und Zeichnen hat Karsten Anders trotzdem sein ganzes Leben begleitet. Im Bürgerhaus Mahndorf sind jetzt einige seiner Ölgemälde ausgestellt.

Manche Künstler bleiben im Verborgenen, weil ihre Werke den Weg aus dem privaten Atelier niemals meistern. Bei Karsten Anders aus Arbergen wäre das auch fast so gewesen – fast.

Schon als Kind hat den heute 75-Jährigen Kunst fasziniert. „Ich habe immer ein Auge auf Farbe geworfen“, erzählt er. Wegen seiner Familie und der Arbeit malte er aber immer nur in seiner Freizeit, obwohl sein Talent schon in der Volksschule entdeckt wurde. Die Ausstellung „Ein farbiges Leben“ im Bürgerhaus Mahndorf präsentiert jetzt eine Auswahl seiner Ölgemälde aus den letzten vier Jahren. Die 25 Bilder zeigen Naturmotive aus dem Bremer Umland wie Fleet oder Moor.

Ideen für Motive sammelt der Hobbykünstler etwa beim Spaziergang in Fischerhude sowie an der Wümme oder Hamme. Vor allem, so Karsten Anders, sind es aber Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend, die sein Schaffen beeinflussen: „Vieles, was sich früher eingeprägt hat, kommt heute zurück.“ Besonders inspiriert haben ihn außerdem die Künstler Otto Modersohn und Fritz Overbeck, was seinen Bildern auch anzusehen ist.

Schon in der Volksschule aufgefallen

Als Anders mit zehn Jahren aufgrund seines Talents von den Lehrern für die Kunstschule vorgeschlagen wurde, war er einfach zu jung. „Da gab es ja zum Beispiel auch Aktzeichnen“, sagt er. Ein spezielles Angebot für Kinder fehlte damals. Und die Zeiten waren auch immer schwierig, so der 1939 Geborene. Als sich seine Eltern nach dem Krieg kein Deckweiß leisten konnten, musste eben die Zahnpasta herhalten, erinnert sich der Künstler. Die Arbeiten aus den allerersten Jahren sind allerdings verschollen.

Als Jugendlicher besuchte Anders Kurse zu Schriftenmalerei und Radierung und wurde wegen seiner guten Leistungen sogar zum Tee bei der damaligen Senatorin Annemarie Mevissen eingeladen. Den jugendlichen Anders faszinierte die bunte Kinoreklame der Zeit. „Ich wollte eigentlich gerne Plakatierer werden.“ Eine Lehrstelle gab es jedoch nicht. So wurde er Siebdrucker und Farbenmischer und arbeitete 39 Jahre in diesem Beruf.

Doch nebenbei ging es weiter mit der Kunst: 1960 begann Karsten Anders ein Fernstudium in Gebrauchsgrafik und Malerei. Außerdem fertigte er mehr als 200 humoristische Zeichnungen an, die er an Kollegen und Bekannte verschenkte. „Ich habe alles einmal ausprobiert: Radierungen, Witzkarten, Aquarelle“, sagt Anders.

Seine Familie mit den beiden Söhnen ging für ihn aber immer vor: „Ich habe jung geheiratet und hatte wenig Zeit.“ Ende der 80er-Jahre hörte er ganz mit dem Malen auf. Als seine Frau verstarb, dachte er sich jedoch: „Jetzt musst du was unternehmen.“ Er griff wieder zum Pinsel und schloss sich 2011 der Öl-Malgruppe im Bürgerhaus Mahndorf an, die sich seit mehr als zehn Jahren dienstags von 18.30 bis 20.30 Uhr unter der Leitung von Künstlerin Karen Krebs trifft.

Im April dieses Jahres waren bereits Arbeiten aller vier Kursteilnehmer zusammen ausgestellt. „Ein farbiges Leben“ ist nun die erste eigene Ausstellung für Karsten Anders. „Das ist erst einmal ein Versuch. Ich bin gespannt, was die Leute sagen.“

Die Auswahl der 25 Bilder fiel Anders nicht leicht: „Man kniet sich in jedes Bild rein.“ Ein Lieblingsstück allein hat er deshalb nicht.

„Das ist ein schöner Einblick in deine Kunst“, sagte Jutta Behnke-Ewald, Geschäftsführerin des Bürgerhauses, während der Vernissage. „Es entspricht genau unserem Anspruch, Kunst auf kurzem Wege erfahrbar zu machen.“ Auch Kursleiterin Krebs ist beeindruckt und freut sich, dass Anders wieder malt: „Die Ausstellung ist prachtvoll. Ich finde es schön, dass du das Boot wieder ergriffen hast.“

Wer möchte, kann die ausgestellten Arbeiten auch kaufen. „Ich brauche Luft zu Hause. Gerade sitze ich schon wieder an zwei neuen Bildern dran“, verrät Anders. Der größte Teil seines Werke entstünde jedoch in der dunklen Jahreszeit: „Da habe ich am meisten Power.“

Die Ausstellung „Ein farbiges Leben – Ölmalereien von Karsten Anders“ im Bürgerhaus Mahndorf, Am Mahndorfer Bahnhof 10, ist noch bis zum 13. Oktober zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 22 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr Informationen, auch zu allen Kursen und Veranstaltungen vor Ort, gibt es auf der Internetseite www.buergerhaus-mahndorf.de.

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