Jan Josef Liefers im Interview

„Erfolg darf niemals Routine werden“

Ab Montag ist Jan Josef Liefers in dem neuen ZDF-Krimi „Mörderische Stille“ zu sehen. Im Interview mit dem WESER-KURIER, spricht er über seinen Job als ZDF-Kommissar und seine Pläne für 2017.
06.01.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Cornelia Wystrichowski
„Erfolg darf niemals Routine werden“

Im Thriller „Mörderische Stille“ nimmt Jan Josef Liefers als Hauptkommissar Holzer im Hafen von Wilhelmshaven die Ermittlungen auf.

Gordon Timpen, dpa

Ab Montag ist Jan Josef Liefers in dem neuen ZDF-Krimi „Mörderische Stille“ zu sehen. Im Interview mit dem WESER-KURIER, spricht er über seinen Job als ZDF-Kommissar und seine Pläne für 2017.

Herr Liefers, Ihr neuer ZDF-Krimi spielt am und auf dem Meer, zentrale Szenen ereignen sich auf einem Segelboot. Sind Sie selber ein passionierter Segler?

Jan Josef Liefers: Nein, manchmal bedauere ich das. Aber ich genieße es jedes Mal, wenn ich die Gelegenheit bekomme, auf dem Wasser zu sein.

Der von Ihnen gespielte Kommissar hat es bei seinen Ermittlungen mit einer gehörlosen Zeugin zu tun. Mussten Sie für den Film die Gebärdensprache lernen?

Nur einen einzigen Satz. Ich bin ziemlich fasziniert von der Gebärdensprache. Wenn man das Gebärden beobachtet, hat man das Gefühl, man versteht die Hälfte auch so, nur anhand bestimmter Gesten. Vor allem auch, weil Mimik beim Gebärden eine große Rolle spielt. Aber wahrscheinlich ist das eine Illusion. Immerhin gibt es ja auch ganze Völker, die ihre Sprachkommunikation mit Händen und Füßen untermalen, daran fühlte ich mich oft erinnert.

Es geht in dem Film um den Balkan-Krieg und den Einsatz von KFOR-Truppen. Glauben Sie, dass ein Thriller ein politisches Thema transportieren und die Zuschauer dafür sensibilisieren kann?

Ich würde sagen, es geht in dem Film um Schuld. Der frühere Kampfeinsatz ist nur die Kulisse. Im Kosovo wurde durch die Intervention ein Krieg in kurzer Zeit beendet. Das kann man als gute Nachricht werten. Dennoch war die Intervention auch ein Bruch des Völkerrechts. Tja, das könnte man als schlechte Nachricht werten. Und schließlich: Gibt es einen Krieg ohne Verbrechen?

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Bei der US-Präsidentschaftswahl haben sich viele Hollywood-Größen im Vorfeld gegen Donald Trump engagiert. Hätten Sie sich als US-Star auch gegen Trump starkgemacht?

Hätte, hätte, Fahrradkette. Einige der Stars haben Trump auch unterstützt. Ich hätte ihn nach allem, was ich von ihm gehört und gesehen habe, nicht gewählt, aber ich lebe in Deutschland und stehe bald selber vor der Frage, wen man denn in unserem Land wählen soll.

Wie groß ist generell der politische Einfluss von Schauspielern?

Sie haben vielleicht leichteren Zugang zu den Medien, und vielleicht verschafft ihnen ihre Popularität mehr Gehör. Aber weder zählt ihre Wahlstimme doppelt, noch bleibt ihnen erspart, ihre politischen Bauchgefühle mit Kenntnissen und Fakten anzureichern, wenn sie ernst genommen werden wollen. Ansonsten gilt, jeder soll seine Meinung sagen können, auch wenn es inzwischen Meinungen zum Schweinefüttern gibt.

Das zurückliegende Jahr brachte mal wieder Spitzenquoten für den „Tatort“ aus Münster. Wie fühlt es sich an, der Rekordmeister zu sein, quasi das Bayern München des „Tatorts“? Feiern Sie noch, oder ist es schon Routine?

Also soweit ich weiß, duellieren sich derzeit Bayern und RB Leipzig um die Tabellenspitze. Egal, jeder Schauspieler, Regisseur, Produzent, Musiker weiß, wie geil es sich anfühlt, wenn man einen Hit gelandet hat. Und das ist nicht dieselbe Freude wie über einen Lottogewinn oder Glückstreffer, weil man dafür hart arbeiten muss und trotzdem immer wieder von vorne anfängt. Erfolg ist in erster Linie ein Abfallprodukt guter Arbeit und sollte niemals Routine werden.

Jan Josef Liefers zum "Hutträger des Jahres 2016" gekürt

Jan Josef Liefers zum "Hutträger des Jahres 2016" gekürt.

Foto: Gemeinschaft Deutscher Hutfachge

Aktuell sind Sie an der Seite von Matthias Schweighöfer und Til Schweiger im neuen Kinofilm von Wolfgang Petersen zu sehen, „Vier gegen die Bank“. Petersen ist einer der wenigen deutschen Regisseure, die es in Hollywood geschafft haben. Wäre für Sie selber eine Hollywood-Karriere reizvoll?

Na klar ist das reizvoll, aber ich folge lieber dem Flow meines Lebens und versuche nicht, etwas gewaltsam in eine Bahn zu drängen. Damit bin ich bis jetzt ganz gut gefahren. Mir fehlt hier auch nichts, ich arbeite gerne in Deutschland, in Europa.

Dieser Tage sind Sie gleich mit drei neuen Filmen am Start, neben „Mörderische Stille“ und „Vier gegen die Bank“ kommt als nächstes „Die Blumen von gestern“. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Also, ähem… Sie reden gerade mit dem „Hutträger des Jahres 2016“. Das geht schon. Allerdings kann ich etwas jonglieren, und drei Hüte kann ich gerade so in der Luft halten.

Was haben Sie sich für 2017 beruflich vorgenommen? Wollen Sie in diesem Tempo weitermachen oder vielleicht auch mal kürzertreten?

Kürzertreten, aber im selben Tempo.

Und welche Wünsche haben Sie neben beruflichen Aspekten für 2017?

Dass wir den Ball flach- und einen kühlen Kopf behalten.

Die Fragen stellte Cornelia Wystrichowski.

Zur Person: Jan Josef Liefers kam 1964 in Dresden zur Welt. Er besuchte in Berlin die Schauspielschule und stand zunächst auf der Theaterbühne, ehe er nach einigen Film- und Fernsehrollen 1997 mit der Kinokomödie „Rossini“ seinen Durchbruch hatte. Liefers ist mit der Schauspielerin Anna Loos verheiratet, das Paar hat zwei Kinder und lebt in Berlin. Im ZDF spielt er im neuen Politkrimi „Mörderische Stille“ (Montag, 9. Januar, 20.15 Uhr) den Kommissar Jan Holzer. Rechtsmediziner und Kommissar Wenn Jan Josef Liefers im „Tatort“ aus Münster als Professor Boerne arrogante Sprüche klopft, erreichen die Zuschauerzahlen immer wieder Rekordwerte. Doch Liefers steht auch regelmäßig für andere Projekte vor der Kamera. Im ZDF spielt er im neuen Politkrimi „Mörderische Stille“ (Montag, 9. Januar, 20.15 Uhr) den Kommissar Jan Holzer, der an der Nordsee den Tod eines Segellehrers klären muss, der vor Jahren als Offizier im Kosovo im Einsatz war. Zurzeit ist Liefers außerdem im Kino in dem Film „Vier gegen die Bank“ und ab Mitte Januar im Kinodrama „Die Blumen von gestern“ zu sehen. Vor wenigen Wochen stand der 52-Jährige für den neuesten Münster-„Tatort“ vor der Kamera, der im Lauf des Jahres ausgestrahlt wird.

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