Krankenhausspiegel: Bremer Kliniken besser als Bundesdurchschnitt

Erfolge im Kampf gegen Infektionen

Bremen. Bei der Bekämpfung von Infektionen schneiden die Bremer Kliniken besser ab als der Bundesdurchschnitt – so das Ergebnis des neuen Bremer Krankenhausspiegels. Der Report zeigt auch: Viele Patienten sind Träger multiresistenter Keime.
02.07.2014, 19:00
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Erfolge im Kampf gegen Infektionen
Von Sabine Doll
Erfolge im Kampf gegen Infektionen

Gesundheitssenator Hermann Schulte-Sasse, Uwe Zimmer von der Bremer Krankenhausgesellschaft und Martin Eikenberg, Krankenhaushygieniker am Klinikum Bremen-Mitte (v.r.) stellten den neuen Krankenhausspiegel vor.

Frank Thomas Koch

Bei der Bekämpfung von Infektionen schneiden die Bremer Kliniken besser ab als der Bundesdurchschnitt – so das Ergebnis des neuen Bremer Krankenhausspiegels. Der Report zeigt auch: Viele Patienten sind Träger multiresistenter Keime.

Der Keimskandal 2011 im Klinikum Bremen-Mitte hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Drei Frühgeborene starben, weil sie sich mit multiresistenten Erregern infiziert hatten. In der Aufarbeitung stellten Gutachter Defizite bei der Krankenhaushygiene, zu wenig Fachpersonal und Schwächen bei der Reinigung fest. „Seitdem ist in Bremen sehr viel in Sachen Krankenhaushygiene passiert“, sagte Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Bremer Krankenhausgesellschaft, am Mittwoch bei der Vorstellung des aktuellen Krankenhausspiegels. Alle Kliniken seien etwa einem Netzwerk angeschlossen, das Standards zur Vermeidung von Infektionen durch multiresistente Keime in Krankenhäusern entwickelt hat. Wie sich die Situation entwickelt habe, zeige auch die Neuauflage des Krankenhausspiegels.

Neben Qualitätsdaten zu 18 Behandlungsgebieten können sich Patienten in dem aktualisierten Klinikreport jetzt auch über die Hygiene in den 14 Krankenhäusern des Landes informieren. Wichtige Indikatoren seien die Vorbeugung von Infektionen vor bestimmten Eingriffen sowie die Häufigkeit von Wundinfektionen nach Operationen. „Die Qualitätsdaten aus dem Jahr 2012 zeigen, dass die Krankenhäuser in Bremen und Bremerhaven zum Teil deutlich besser sind als der Bundesdurchschnitt“, sagte Zimmer.

Bundesweit erleiden nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene jährlich 900 000 Menschen Krankenhausinfektionen durch multiresistente Erreger, gegen die gängige Antibiotika nicht wirken. Mindestens 30 000 von ihnen sterben daran. „Eine Quelle für diese Infektionen sind häufig die Patienten selbst, da sie die Erreger oft schon mitbringen, ohne davon zu wissen“, sagte Martin Eikenberg, Krankenhaushygieniker am Klinikum Bremen-Mitte. Deshalb würden Risikopatienten in Bremen bereits vor der Aufnahme getestet und zunächst in isolierten Räumen behandelt. 2012 wurde den Daten zufolge jeder vierte Krankenhauspatient in Bremen auf multiresistente Keime untersucht, bei 58 000 Abstrichen wurden 2500 Träger multiresistenter Keime festgestellt.

Seit 2012 sind die Bundesländer verpflichtet, Hygieneverordnungen zu erlassen. Jedes Krankenhaus muss eine eigene Hygienekommission bilden. „Bremen nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein, 1990 wurde die erste Landeshygieneverordnung erlassen“, betonte Gesundheitssenator Hermann Schulte-Sasse (parteilos). Bis Ende 2016 muss jedes Krankenhaus je nach Größe eine bestimmte Anzahl von Hygiene-Fachkräften und -Beauftragten beschäftigen. Da es dieses Personal bundesweit nicht gebe, sei am Klinikum Mitte eine Aus- und Weiterbildung dafür eingerichtet worden. In Bremen habe dies bereits Erfolge gezeigt, so Zimmer. Seit dem Keimskandal sei die Zahl der hygienebeauftragten Ärzte von 30 auf 100 gestiegen.

Anette Drewes-Kirchhoff von der Unabhängigen Patientenberatung Bremen (UPB) wies darauf hin, wie wichtig die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften in den Kliniken sei: „Erkennbar wird auch, dass das größte Infektionsrisiko nicht unmittelbar andere Patienten oder Besucher sind, sondern die Übertragung von Keimen über das Personal der Klinik.“ Vor dem Hintergrund von Personalmangel und -abbau sei dies eine große Herausforderung für die Kliniken. Der Bremer Krankenhausspiegel sei ein gutes Instrument für Patienten, um sich ein Bild von der Qualität in den Kliniken zu machen und im Gespräch mit ihrem Arzt die beste Klinik zur Behandlung zu finden“, sagte der Gesundheitssenator. Für die einzelnen Kliniken werden Qualitätsmerkmale wie die Zahl der Operationen, Komplikationen, Diagnosen und Todesfälle aufgelistet. Der Datenreport wird von der Bremer Krankenhausgesellschaft in Kooperation mit der Gesundheitsbehörde herausgegeben.

Er erscheint im Internet unter www.bremer-krankenhausspiegel.de. Er ist auch als Broschüre erhältlich.

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