Ergebnisse per Videokonferenz vorgestellt

Kamelsubstrat und wachsende Gitarren

Auch beim Regionalwettbewerb Jugend forscht hat Corona den Beteiligten einen Strich durch die Rechnung gemacht: Präsentierten die Schüler ihre Projekte sonst im Universum, zeigten sie sie jetzt per Video.
15.03.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Kamelsubstrat und wachsende Gitarren

Dominic Müller, der das Schulzentrum des Sekundarbereichs II Utbremen besucht, hat ein Persönlichkeitscheck entwickelt.

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Walle/Burglesum/Burg-Grambke. „Die Leistungen sind noch viel toller als im Normalbetrieb“, sagt Stephan Leupold, Leiter des Regionalwettbewerbs Bremen-Mitte von Jugend forscht. Denn auch hier hat Corona den Beteiligten in diesem Jahr erst einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht: Präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Projekte in den vergangenen Jahren im Universum, zeigen sie in diesem Jahr ihre Forschungsergebnisse über eine Videokonferenz-App der Jury.

Eine dieser Arbeiten ist das Programm, das Jakob Dubischar (13) aus Horn und Frederik Peik (15) aus der Neustadt entwickelt haben. Sie gehen auf das Gymnasium Horn und auf die Freie Evangelische Bekenntnisschule und zeigen mit ihrem Programm die Auswirkungen von Impfungen und anderen Schutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie. Parameter wie „Krankheitsdauer“, „Maskenpflicht“, „Maskeneffektivität“ oder „Impfstoffproduktionsrate“ sind mit Schiebereglern versehen, die verschoben werden können. Auf der linken Seite des Bildschirms befinden sich Punkte, die jeweils einen Menschen darstellen. Beim Verschieben eines Reglers, zum Beispiel bei „Maskenpflicht“, leuchten die Pixel in unterschiedlichen Farben auf, die dann für verschiedene Krankheitszustände stehen. „Dass man es sieht und daraus lernen kann“, erklärt Frederik Peik die Motivation hinter der Entwicklung der beiden. „Und dass man zum Beispiel Maskenmuffel zeigen kann, was passieren könnte.“ Für ihr Programm gewannen sie den ersten Preis im Bereich Mathematik/Informatik.

Temperatur wirkt sich auf Größe aus

Temperatur spielt beim Experiment von Bintia Dennog aus Burglesum eine Rolle. Die 17 Jahre alte Schülerin der International School of Bremen hat untersucht, wie die Temperatur und die Verstimmungsanfälligkeit ihrer Gitarre im Zusammenhang stehen und dafür den ersten Preis im Bereich „Physik“ gewonnen. „Ich spiele seit fast zwei Jahren Gitarre, auch draußen. Als es sehr kalt war, hat sich meine Gitarre verstimmt und ich wollte schauen, wie sich die Temperatur auf die Gitarre auswirkt“, erzählt sie. Bei vier, 13, 22, 31 und 40 Grad hat sie dann ihre Gitarre eine Stunde lang stehen lassen, danach hat sie jede Saite angeschlagen und aufgenommen. Das Ergebnis: „Die Frequenz ist bei höheren Temperaturen höher.“ Dabei haben sich die drei Nylonsaiten mehr verändert als die drei umsponnenen Basssaiten. Überraschend dabei ist: Eigentlich dehnt sich Material und somit die Saiten bei Wärme aus, der Ton müsste tiefer sein – „doch die Gitarre hat sich mehr als die Saiten vergrößert.“

Kamelsubstrat speichert Feuchtigkeit

„Kamelsubstrat“ hat der 17-jährige Max Fritzler aus Burg-Grambke untersucht und damit den dritten Platz in der Kategorie „Arbeitswelt“ gewinnen können. „Kamele können viel Wasser an der Quelle aufnehmen, genauso ist es bei meinem Substrat“, sagt der Schüler des Schulzentrums des Sekundarbereichs II am Rübekamp. Das Substrat ist eigentlich ein Wasserkefir, ein Pilz, eine Symbiose aus Hefe und Bakterien. „Ich habe ihn getrocknet, danach schrumpfte er um 80 Prozent“, erzählt er, anschließend hat er Kresse mit und ohne Substrat angebaut. „Mit Substrat war die Kresse noch zwei Wochen länger am Leben, während die Kresse ohne Substrat schon längst ausgetrocknet ist.“ Der Pilz saugt sich bei Regenüberschuss mit Wasser voll und gibt es nach und nach ab. Zudem ist das Kamelsubstrat zu 100 Prozent biologisch abbaubar: „Die Herstellung ist extrem einfach, man gibt den Pilz zu Zucker, Zitronensaft und Wasser. Durch die Gärung wächst der Pilz.“ Max Fritzler sieht darin die Lösung des Abfallproblems, außerdem kann der Pilz getrocknet leicht transportiert, aber auch frisch der Erde hinzugefügt werden: „Ein Substrat, das für Landwirtschaft und Eigengebrauch hilfreich ist“, so der Schüler aus Burg-Grambke.

Aus Huchting kommt der 19 Jahre alte Dominic Müller. Er besucht das Schulzentrum des Sekundarbereichs II Utbremen und hat einen Persönlichkeitscheck entwickelt, der auf dem Riemann-Thomann-Modell basiert. Dieses Modell unterscheidet die vier verschiedenen Persönlichkeitstypen Dauer, Wechsel, Distanz und Nähe und soll nach dem Willen Dominic Müllers dabei helfen, Arbeitgebern und potenziellen Arbeitnehmern die Wahl des richtigen Ausbildungsplatzes zu erleichtern. Die Berufe Chemielaborant, Biologielaborant, Informatiker und Fachangestellter für Medieninformationsdienste hat er untersucht, 57 Menschen nahmen an seiner Befragung teil. „Deutlich wurde dabei, dass Informatiker von den anderen drei Berufsbildern abweichen. Das klarste Bild ist jedoch, dass Männer in der Nähe-Kategorie immer weniger Ausprägung zeigen, bei ihnen ist der Distanzpol ausgeprägter“, sagt Dominic Müller. Der Vorteil liegt für ihn auf der Hand: „Der Arbeitgeber könnte den Test machen lassen, dann könnte er schauen, ob das Profil passt oder auch, ob das Profil zum Team passt.“

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Zur Sache

Sehr viel Jüngere beteiligen sich

In Zeiten ohne Corona wird der Regionalwettbewerb Bremen-Mitte von Jugend forscht üblicherweise im Universum veranstaltet, wo sich Schülerinnen und Schüler, die in Bremen zur Schule gehen, über mehrere Tage treffen. In diesem Jahr haben sich Teilnehmende und Jury jedoch mittels einer Konferenzsoftware getroffen. Doch im Vergleich zum vergangenen Jahr gab es sogar eine eingereichte Arbeit mehr: 122 Projekte sind dieses Mal dabei, 206 Schülerinnen und Schüler ab der vierten Klasse bis zum Alter von 21 Jahren wollten die Ergebnisse ihrer Forschungen in den Bereichen Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik der aus 50 Juroren bestehenden Jury vorstellen. Jugend forscht macht nicht nur Spitze, sondern auch Breite“, sagt Stephan Leupold, Leiter des Regionalwettbewerbs Bremen-Mitte von Jugend forscht, „mir liegt bei den Experimenten daran, dass nicht alles neu erfunden werden muss.“ Die Methoden der Forschung stehen dabei im Vordergrund, aber auch der Umgang mit eventuellen forscherischen Rückschlägen. „Jugend forscht ist Breitensport und nicht nur für Überflieger“, sagt er – und was Bremen besonders auszeichnet: „Sehr viele Jüngere beteiligen sich, das zieht sich wie ein roter Faden durch den Wettbewerb.“ Auf der Internetseite https://www.jufo-bremen.de/ sind weitere Informationen erhältlich.

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