Förderzentrum an der Dudweiler Straße erringt Partnerschaftsplakette der Kunsthalle

Erfolgreicher Akt der Kunst-AG

Sebaldsbrück. Jetzt ist es offiziell: Mit der Enthüllung der Partnerschulplakette am Dienstag besiegelt die Schule an der Dudweiler Straße ihre Verbindung zur Kunsthalle Bremen. Das silberne Schild, das nun die Fassade des Gebäudes schmückt, hat sich die Kunst-AG mit dem 1. Preis bei einem Wettbewerb im Sommer verdient.
08.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von SILJA WEIßER

Sebaldsbrück. Jetzt ist es offiziell: Mit der Enthüllung der Partnerschulplakette am Dienstag besiegelt die Schule an der Dudweiler Straße ihre Verbindung zur Kunsthalle Bremen. Das silberne Schild, das nun die Fassade des Gebäudes schmückt, hat sich die Kunst-AG mit dem 1. Preis bei einem Wettbewerb im Sommer verdient.

Wo ist die Museumsschnecke Klara? lautete die Frage der Ausschreibung. Die Schülerinnen und Schüler überzeugten mit der Idee, das Tier während der Umbauzeit der Kunsthalle in den Wallanlagen zu suchen. Als Anerkennung folgte nicht nur eine Ausstellung im August in der Crusoe Halle in der Böttcherstraße, sondern bekommen die Schüler auch Gutscheine für Workshops sowie kostenlose Führungen durch die Kunsthalle, die im Sommer nächsten Jahres wiedereröffnet wird.

Petra Schöppler, Sonderpädagogin und Leiterin der Kunst-Arbeitsgemeinschaft (AG) des Förderzentrums, ist von der Aktion begeistert: 'Das stärkt das Selbstbewusstsein der Schüler und Schülerinnen', versichert die Lehrerin. Über die Gutscheine im Wert von jeweils 55 Euro freut sie sich sehr: 'Für solche Extras ist das Geld sonst nicht da.'

Dass die Kunsthalle Wort hält, beweist Rainer Kosubek, Künstler, Kunstpädagoge und seit zehn Jahren in der Abteilung Bildung und Vermittlung der Kunsthalle Bremen tätig. 'Nackt im Akt' überschreibt er seinen Workshop. Und dazu hat er zwei unbekleidete Damen mitgebracht: Ernst Ludwig Kirchners 'Schlafende Milli' von 1911 und Lucas Cranach 'Liegende Quellnymphe' aus dem Jahre 1518 im Evaskostüm - als Kunstdrucke.

Berührungsängste abbauen

Die Bildbetrachtung mit der Kunst-AG, die sich aus Schülerinnen und Schülern der 5. bis 10. Klasse zusammensetzt, erweist sich als nicht unproblematisch, berichtet der Kunstpädagoge. Mancher wende bei so viel nackter Haut geniert den Blick ab.

Gegen derartige Berührungsängste mit der Kunst hat er seine Tricks. Er verteilt schwarz-weiß gerasterte Kopien der Nymphe und Stifte. Sofort machen sich die Kursteilnehmer daran, der Dame ihr ganz persönliches Outfit zu verpassen. Ob im sportlichen Bikini oder sexy Negligé, erlaubt ist, was gefällt. Kosubek ist zufrieden: 'Jetzt müssen sie genauer hingucken', erläutert er den Zweck der Übung. Und ein Cranach im zeitgenössischen Gewand, das habe doch etwas, findet er.

Im Klassenraum herrscht konzentrierte Stille. Versunken in ihre Arbeit bemalt Gissel Munaz Rojas die Bildfigur mit einem roten Filzstift. Sie verpasst der Nymphe ein rotes fließendes Kleid. Eine kleine Lücke lässt die 14-Jährige aus Osterholz am Bauchnabel frei. 'Für das Piercing', erklärt sie. Stefanie Behrens aus Sebaldsbrück hat sich für ein pinkfarbenes Bikini-Oberteil für die Nymphe entschieden. 'Das würde doof aussehen, wenn die nackt bleibt', begründet die 14-Jährige. 'Den Kirchner finde ich nicht so schön, der ist so krickelig', beurteilt Charline Haubrichs aus Osterholz dagegen die Arbeit des Expressionisten.

Helga Haslob vom Vorstand des Kunstvereins beobachtet die Kinder und ihre intensive Auseinandersetzung mit den Werken. Die ehemalige Lehrerin hatte vor zehn Jahren die Idee der Partnerschulen. 'Ich wollte eine enge Verbindung schaffen', erklärt sie.

Mit dem Förderzentrum Dudweilerstraße besteht mittlerweile mit 18 allgemein- und berufsbildenden Schulen eine dauerhafte Zusammenarbeit. Auf diese Weise erreicht die Kunsthalle über 10000 Schülerinnen und Schüler. Auch im nächsten Jahr werde es wieder einen Wettbewerb um die nächste Partnerschaft geben, kündigt Haslob an. Je nach Schulgröße winken fünf bis zehn Workshop-Gutscheine. Und alle Partnerschulen des Hauses sind eingeladen, im kommenden Jahr an einem Projekt zur Wiedereröffnung der Kunsthalle teilzunehmen. 'Wege zur Kunst' ist die Aktion überschrieben. Mit Kunst im öffentlichen Raum sollen 'Wegweiser' zur Kunsthalle geschaffen werden. Elisa Fritzsche, pädagogische Mitarbeiterin der Kunsthalle, führt aus: 'Das kann ein ganz banaler Pfeil sein - wir sind gespannt auf die Ideen.'

Weitere Informationen zur Aktion 'Wege zur Kunst' erteilt Elisa Fritzsche, Bildung und Vermittlung, Kunsthalle Bremen unter Telefon 32908783, fritzsche@kunsthalle-bremen.de.

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