Polizei: Einbrüche in Hemelingen zurückgegangen − Autoaufbrüche und Fahrraddiebstähle gestiegen

Erfolgreicher Versuch mit künstlicher DNA

Hemelingen. Künstliche DNA schützt vor Einbrüchen: Dieses Fazit zieht die Polizei vor dem Ausschuss Inneres des Beirats Hemelingen. Aber die künstliche DNA sei dabei nur eine von einem ganzen Bündel von Präventionsmaßnahmen, die Hand in Hand gehen, um Einbruchdiebstahl und andere Straftaten im Stadtteil zu verhindern.
18.05.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von CHRISTIAN HASEMANN

Hemelingen. Künstliche DNA schützt vor Einbrüchen: Dieses Fazit zieht die Polizei vor dem Ausschuss Inneres des Beirats Hemelingen. Aber die künstliche DNA sei dabei nur eine von einem ganzen Bündel von Präventionsmaßnahmen, die Hand in Hand gehen, um Einbruchdiebstahl und andere Straftaten im Stadtteil zu verhindern.

Thomas Wollborn vom Präventionszentrum der Polizei schickte voraus, dass Prävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. „So dass es gar nicht erst zu einer Straftat kommt.“ Künstliche DNA (kDNA) ist dabei nur eine Maßnahme der Polizei zum Schutz vor Wohnungseinbrüchen. Mit der unter normalem Licht nicht sichtbaren Flüssigkeit werden Gegenstände markiert, die im Falle eines Diebstahls identifiziert werden können. Außerdem haftet die künstliche DNA an Kleidung, Körper und Tatwerkzeugen des Einbrechers und kann ihn dadurch überführen.

Zuletzt gab es in Arbergen mehrere Modellversuche mit künstlicher DNA. Effektiv wird diese Maßnahme aber nicht durch die DNA alleine. „Wenn sich die Menschen zu Initiativen zusammenschließen, um sich mit künstlicher DNA auszurüsten, haben sie ein gemeinsames Ziel“, sagte Thomas Wollborn. Sie machten sich in der Folge auch Gedanken über besseren Schutz der Türen und Fenster. „Und vor allem achten sie mehr aufeinander, und in Gemeinschaft fühlen sich Menschen sicherer und haben ein positives Gefühl“, sagte Wollborn. Im Bremer Osten gebe es inzwischen über 40 Anwohner-Initiativen, die künstliche DNA einsetzten. Die Gefahr, innerhalb der Anwohner-Initiativen von Einbruch betroffen zu sein, sei 50 Prozent geringer, „das ist schon eine Hausnummer“. Der Nebeneffekt allerdings: Die Einbrecher wenden sich anderen Betätigungsfeldern zu. Das können weniger stark gesicherte Nachbarschaften sein oder ganz andere Deliktfelder.

Ein weiteres Mittel der Präventionsarbeit: die Kops (Kontaktbereichspolizisten). „Prävention ist die Hauptaufgabe der Kops“, betonte Claus Möller, der Leiter der Polizeiinspektion Ost. Die vakanten Stellen würden im Zuge der Polizeireform wieder voll besetzt. Claus Möller rechnet damit, dass dies schon 2018 wieder der Fall sein könnte. Prävention reiche auch in den Bereich der Stadtplanung hinein, erklärte der Leiter der Polizeiinspektion. „Wie kann man den öffentlichen Raum gestalten, dass er kriminalpräventiv wirkt?“, sei eine Frage, die sich stelle. Als Beispiel nannte Claus Möller ausreichend breite Gehwege, einsehbare und gut ausgeleuchtete Ecken. Bei diesen Fragen könne das Präventionszentrum der Polizei mit ins Boot geholt werden.

Dieter Oehlschläger, Revierleiter in ­Hemelingen, hatte bereits zuvor im Beirat die Kriminalitätsentwicklung für den ­Stadtteil Hemelingen vorgestellt. Eins der größten Schwerpunktgebiete der Ver­brechensbekämpfung: Einbruchdiebstahl. „Da hatten wir 2014/ 2015 einen Riesenanstieg“, sagte Oehlschläger. 2015 seien es 208 Fälle gewesen, 2016 dann aber deutlich weniger: 126 weist die amtliche Statistik aus. „Da muss ich den Kollegen und auch den Kops ein dickes Lob aussprechen. Da sieht man, dass Polizeiarbeit mit Schwerpunkten etwas bringt.“ Damit meint er die gemeinsame Ermittlungsgruppe verschiedener Reviere sowie die Präventionsarbeit der Polizei.

Besonders in der Öffentlichkeit stark wahrgenommene Delikte sind die Körperverletzung und der Straßenraub. In diesem Jahr war es ein bewaffneter Überfall auf einen Mann in der Unterführung des Bahnhofs Hemelingen mit einem Messer und eine Messerstecherei vor der Diskothek Aladin, die größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erregten. Dieter Oehlschläger wollte diese Taten nicht kleinreden, gab aber zu bedenken, dass der Großteil der Körperverletzungsdelikte sogenannte Beziehungstaten seien. Das jemand zufällig Opfer eine Gewalttat auf der Straße werde, sei die Ausnahme.

Beiratsmitglied Heinz-Hermann Hoffhenke (CDU) wollte wissen, ob auch in Hemelingen die Gewalt gegen Polizisten und die Respektlosigkeit zunehme. „Das ist nicht nur im Stadtteil, sondern in der ganzen Republik so, es gibt eine ganz andere Qualität der Gewalt und Respektlosigkeit“, antwortete der Revierleiter. Auch unter geflüchteten Menschen gebe es eine bestimmte „Klientel“, die der Staatsmacht ganz anders gegenüber auftrete.

Gestiegen ist die Anzahl der Autoaufbrüche im Stadtteil. „Autoaufbruch ist oft ein Ersatzdelikt. Wenn Einbrüche zurückgehen, steigen oft die Autoaufbrüche.“ Sehr stark gestiegen sei außerdem die Zahl der Fahrraddiebstähle. „Ein Brennpunkt ist hier der Bahnhof Mahndorf.“ Die Polizei plane, dort verstärkt tätig zu werden. Dieter Oehlschläger mahnte gerade bei hochpreisigen E-Bikes zu besonderer Umsicht. „Die werden regelrecht ausgespäht und gezielt aus Kellern und Gartenlauben geholt.“

Sein Fazit für Hemelingen fällt dennoch positiv aus: „Im Moment muss sich keiner Gedanken machen.“ Der Revierleiter ergänzte seine Zusammenfassung aber noch um einen Appell an die Bevölkerung: „Wir sind auf Mitteilungen des Bürgers angewiesen.“ Hinweise und Auffälligkeiten aus dem Stadtteil sammeln und bündeln, möchte auch der Ausschuss Inneres. Voraussichtlich im Oktober wird es daher ein Treffen mit Akteuren, Aktiven und Einrichtungen aus dem Stadtteil geben, um über die Präventionsarbeit im Stadtteil zu sprechen.

„Prävention reicht auch in den Bereich der Stadtplanung.“ Claus Möller, Leiter Polizeiinspektion Ost
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