Trauerempfang im Bremer Rathaus Erinnern an Hans Koschnick

Bundespräsident Joachim Gauck nahm am Mittwoch mit Bürgermeister Carsten Sieling und Bundestagspräsidentin a.D., Rita Süssmuth, an einer Gedenkfeier für Hans Koschnick im Rathaus teil.
04.05.2016, 15:31
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Erinnern an Hans Koschnick
Von Frauke Fischer

Bundespräsident Joachim Gauck nahm am Mittwoch mit Bürgermeister Carsten Sieling und Bundestagspräsidentin a.D., Rita Süssmuth, an einer Gedenkfeier für Hans Koschnick im Rathaus teil.

Altkanzler Gerhard Schröder und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz verließen gleich im Anschluss an die öffentliche Gedenkfeier im Dom die Stadt, um sich heimwärts chauffieren zu lassen. Doch Bundespräsident Joachim Gauck und Rita Süssmuth zog es in Begleitung von Bremens Bürgermeister Carsten Sieling noch ins Rathaus. Im Kaminsaal war für sie, Christine Koschnick und die Angehörigen des Verstorbenen sowie andere Ehrengäste eingedeckt worden.

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Auch der Festsaal und die Obere Halle des Rathauses standen ganz im Zeichen der Gedenkfeier. Ein paar Hundert Gäste konnten an langen festlich eingedeckten Tischen in der Oberen Halle Süppchen, Häppchen und Bienenstich zu sich nehmen. Im Foyer im ersten Stock bildete sich unterdessen immer wieder eine kleine Schlange Wartender, die sich in das dort noch ausgelegte Kondolenzbuch eintragen wollten. Während so mancher Gast hoch konzentriert ein ganzes Blatt vollschrieb, begnügte sich der Bundespräsident mit einem kurzen Eintrag, der nur aus zwei Worten bestand: Joachim Gauck. Schrieb es schwungvoll nieder, stand auf, nickte in die Runde wartender Journalisten, Kameraleute und Fotografen und ließ sich von Sieling und Sicherheitskräften zum nahen Fahrstuhl begleiten, um abzureisen. Wie Rita Süssmuth hatte Gauck Hans Koschnick unter anderem im gemeinsamen Engagement für den Verein „Gegen das Vergessen – für Demokratie“ erlebt. Doch auch der große und tatkräftige Einsatz des Bremers für Verständigung von Menschen und Völkern – zwischen Deutschland und Polen, Deutschland und Israel sowie in Bosnien – sind vielen Zeitgenossen zum Begriff geworden.

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In der Oberen Halle ließ sich unterdessen wegen des vielseitigen Engagements Koschnicks mit einer zentralen Frage fast immer ein Gespräch anfangen: „Und woher kannten Sie ihn eigentlich?“ Abgewandelt vielleicht: „Haben Sie mit Hans Koschnick noch persönlich Kontakt gehabt?“ Die Antworten waren so vielfältig wie die Aktivitäten des großen Bremer Politikers und Bürgermeisters, der immer wieder als „Brückenbauer“, als authentisch, gradlinig und bodenständig geschildert wird.

„Einer meiner Vorgänger hat sich mit ihm oft zum Kartenspielen getroffen“, sagte Propst Martin Schomaker vom katholischen Gemeindeverband. Er selbst habe zu Hans und Christine Koschnick über die Jahre immer wieder Kontakt gehabt. „Sie haben als ökumenische Familie viel für die Offenheit der katholischen Kirche getan“, sagte Schomaker. Während der SPD-Politiker und Bürgermeister der evangelischen Kirche angehörte und die Kirche Unser Lieben Frauen „seine“ Gemeinde war, ist Christine Koschnick katholischen Glaubens. „Koschnick war für uns ein wichtiger Gesprächspartner und auch ein Brückenbauer zwischen den Konfessionen“, sagte Schomaker.

Die Überzeugung, dass es wichtig sei, Menschen gut zuzuhören und sie ernst zu nehmen, hat Peter Sakuth in seiner Zeit als persönlicher Referent von Hans Koschnick naehzu täglich erlebt. „Er sagte immer: Peter, jeder Bürger, der uns schreibt, bekommt eine Antwort, auch wenn wir ihm nicht helfen können“, erinnerte sich der heutige Wohnungsbauunternehmer, der unter anderem als SPD-Bürgerschaftsabgeordneter und Innensenator politisch in Bremen tätig war. „Das habe ich von Hans Koschnick gelernt.“ Sakuth räumte denn auch gerne ein, dass ihn die Gedenkfeier im Dom sehr berührt habe.

Als interessierten und historisch gebildeten Menschen hat Georg Skalecki Hans Koschnick erlebt. Der Landesdenkmalpfleger hatte regelmäßig Kontakt zu ihm, wie er sagt. „Er hat sich sehr für Denkmalpflege interessiert und eingesetzt“, erinnert sich Skalecki. Als es darum ging, den U-Boot-Bunker Valentin in Farge unter Denkmalschutz zu stellen, „hat sich Koschnick dafür sehr stark engagiert“.

Auch die Jüdische Gemeinde im Land Bremen hat Koschnick als Brückenbauer wahrgenommen und bekundet nun „tiefe Anteilnahme um einen wahrhaften Freund und Wegbegleiter“. Es sei ihm immer eine inneres Anliegen gewesen, „die Schäden und Leiden der Folgen des Holocausts zu lindern“. Koschnick habe „Felsen überwunden, um der Jüdischen Gemeinde wieder einen Platz in der Bremer Gesellschaft zu geben. Ohne ihn wäre die Gemeinde nicht, was sie heute ist“.

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