Ingenieur aus Moordeich Erinnerungen an Senkrechtstarter-Flugzeug

Bremen/Moordeich. Dass Flugzeuge senkrecht starten oder landen, wird eher selten beobachtet. Aber es gibt Maschinen, die das können. In Bremen wurde in den 1960er-Jahren an so einem Flugzeug gebaut.
10.01.2014, 06:00
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Erinnerungen an Senkrechtstarter-Flugzeug
Von Markus Tönnishoff

Bremen/Moordeich. Dass Flugzeuge senkrecht starten oder landen, wird eher selten beobachtet. Aber es gibt Maschinen, die das können. In Bremen wurde in den 1960er-Jahren an so einem Flugzeug gebaut. Und Wilhelm Fritscher aus Moordeich war an dem Projekt beteiligt.

Rund fünf Jahre arbeitete Wilhelm Fritscher an einem Projekt, über das er noch heute gerne spricht und das in den 1960er-Jahren als revolutionär galt. Die Rede ist von einem Kampfflugzeug, einem Senkrechtstarter, der bei VFW-Fokker in Bremen entwickelt und auch gebaut wurde. Das Flugzeug firmierte unter dem Namen VAK 191b (vertikal startendes Aufklärungs- und Kampfflugzeug). Zur Serienproduktion kam es jedoch nicht, obwohl Fritscher und seine Kollegen mit großer Leidenschaft bei der Sache waren.

„Ich kam 1966 zu VFW. Als junger Ingenieur war es eine tolle Sache, an einem Senkrechtstarter mitzuarbeiten“, so Fritscher, der mit Flugzeugbau allerdings gar nichts am Hut hatte, sondern studierter Nachrichtentechniker war. Trotzdem wurden auch seine Fähigkeiten gebraucht, denn bevor ein Flugzeug in die Luft geht, wird vieles mit und in Simulatoren getestet. „Ich war in der Simulator-Abteilung“, sagt Fritscher. Sein Job war es, den Piloten, die im Simulator trainierten, verschiedene Situationen einzuspielen – und so zum Beispiel auch mal einen Triebwerksausfall zu simulieren.

Ein Jahr nachdem er bei VFW-Fokker angeheuert hatte, sei es jedoch zu einer ersten Krise im Programm gekommen. „Das Projekt wurde vom Bund finanziert, und plötzlich waren keine Mittel mehr da, später gab es dann wieder Geld, aber weniger“, erinnert sich Fritscher. Ursprünglich hätten sechs Prototypen gebaut werden sollen, nach den Kürzungen seien es dann nur noch drei gewesen.

Doch bevor die fertig gestellt werden konnten, mussten zunächst mit einem sogenannten Schwebegestell Schwebeversuche gemacht werden, um zu schauen, wie sich die Maschine bei Senkrechtstarts verhalten würde. „Das war ein Gestell aus zusammengebauten Rohren, an dem auch die Triebwerke montiert waren. In der Mitte saß der Pilot“, beschreibt es Fritscher. Und wenn er an die Schwebeversuche, die in einer Werkshalle stattfanden denkt, dann ist ihm etwas in besonderer Erinnerung geblieben: „Es war ein unglaublicher Lärm, denn die Vorrichtung hatte ja drei Triebwerke. Eins strahlte nach hinten ab und zwei nach unten, damit die Maschine senkrecht abheben konnte.“ Natürlich wollte auch die Bundesregierung mal schauen, wie ihr Geld angelegt war. Deshalb stattete der damalige Minister für Wissenschaft und Forschung, Gerhard Stoltenberg, dem Werk einen Besuch. „Er ließ sich eine Simulation vorführen. Ich hatte aber nicht die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen“, so Fritscher.

Gegen Ende der 1960er-Jahre war der erste Prototyp fertig und wurde nach Manching zu einem dortigen Militärflugplatz gebracht, im September 1970 hob die Maschine zum ersten Mal ab. „Sie war voll flugfähig“, so Fritscher. Jedoch sei die Maschine etwas später bei einem Testflug abgestürzt. „Das war der Todesstoß für das Projekt“, sagt der Moordeicher. Hinzu sei gekommen, dass das Militär keinen Bedarf mehr an der Maschine gehabt habe. 1971 verließ Fritscher die Welt der Fliegerei und fing bei Klöckner an. Warum? „Bei VFW fingen Projekte an, dann wurden sie wieder gestoppt – das war mir zu unsicher“, erklärt er. Aber: „Ich habe heute noch Kontakte zu Kollegen von damals, und wir sprechen gerne über die alten Zeiten.“

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