Zwei Bremerinnen schildern Erlebnisse

Erinnerungen ans Breitenwegbad

Der Fund von Überresten des alten Breitenwegbades auf dem Bahnhofsvorplatz hat Erinnerungen geweckt. Hella Zamponi hat dort als 16-Jährige trainiert, Lisa Meyer in dem Stadtbad schwimmen gelernt.
22.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Erinnerungen ans Breitenwegbad
Von Sabine Doll
Erinnerungen ans Breitenwegbad

Hella Zamponi zeigt Fotos aus dem Jahr 1942: Die heute 88-Jährige hat im Breitenwegbad für Schwimmwettkämpfe trainiert.

Frank Thomas Koch

Der Fund von Überresten des alten Breitenwegbades auf dem heutigen Bahnhofsvorplatz hat bei Bremern alte Erinnerungen geweckt. Hella Zamponi hat dort als 16-Jährige für Wettkämpfe trainiert, Lisa Meyer in dem Stadtbad schwimmen gelernt.

Hella Zamponi blättert gerne in alten Fotoalben. Vor einigen Tagen hat sie ein in braunes Leder eingebundenes Album hervorgeholt. An den Ecken ist es schon abgestoßen, das Leder an einigen Stellen ganz stumpf. „Hier, da bin ich mit meinen Schwimmkameradinnen zu sehen“, sagt die 88-Jährige und tippt auf drei Schwarz-Weiß-Fotografien.

„Sonntagsnachmittags im Breitenwegbad April 1942“ steht ganz oben auf der Albumseite. Hella Zamponi auf dem Sprungbrett in der Schwimmhalle, vor der Tür während eines Fliegeralarms, und einmal posiert sie mit einer Freundin für den Fotografen. Damals war sie 16 Jahre alt. „Wer das Bild gemacht hat, daran kann ich mich nicht mehr erinnern“, sagt sie. Sehr gut aber daran, dass sie fast jeden Tag im Frühjahr und Sommer 1942 zum Schwimmtraining in das frühere Stadtbad auf dem heutigen Bahnhofsvorplatz gegangen ist. Anfang der 1950er-Jahre wurde es abgerissen, vor gut zwei Wochen sind bei Erdarbeiten zur Neubebauung des Bahnhofsplatzes Überreste des Bades aus dem Jahr 1877 aufgetaucht.

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Hella Zamponi hat sich sofort auf die Suche nach dem alten Fotoalbum gemacht. Mit den Bildern kamen viele Erinnerungen zurück. Daran, dass sie in dem Bad einen Trainingsrekord im 200-Meter-Brustschwimmen hingelegt hat, wie sie mit ihren Freundinnen im Damenbecken das Nacktbaden eingeführt hat und dass sie beim Schwimmtraining ihren späteren Mann kennengelernt hat.

„Nur freitags mussten wir ins Damenbecken ausweichen“, erzählt sie. „Ansonsten konnten Frauen und Männer gemeinsam in der großen Halle schwimmen.“ Das nutzten die jungen Damen und Herren ausgiebig fürs Kennenlernen, erzählt die 88-Jährige. Besonders gut kann sie sich daran erinnern, wie ihr späterer Mann immer wieder von der oberen Galerie verbotenerweise mit einem Kopfsprung in das Becken hüpfte. Meistens ging es gut, aber einige Male wurde er erwischt und mit mehrtägigem Badeverbot bestraft.

Hella Zamponi und ihre Freundinnen konnten sich den fast täglichen und zudem teuren Eintritt in das Breitenwegbad nur leisten, weil sie von ihrem Schwimmverein eine Dauerkarte bekamen. Auch sonntags gingen die Mädchen zum Training. Optimal war das Becken im Breitenwegbad dafür nicht, sagt sie. Statt einer 25-Meter-Bahn wie im früheren Hansabad in Walle mussten sie sich mit einer „16-2/3-Meter-Bahn“ zufriedengeben, wie Hella Zamponi in ihrem Fotoalbum notiert hat. „12 Bahnen = 199,92 Meter“ steht unter dem Foto, das sie beim Kopfsprung zeigt. In drei Minuten und 13 Sekunden ist sie die Strecke geschwommen. Das Training haben die Mädchen meist selbst organisiert. „Die Trainer waren als Soldaten im Krieg“ sagt sie. „Aber wir waren ja froh, dass wir einen Ort hatten, an dem wir schwimmen konnten.“ Hella Zamponi gehörte damals zu Bremens besten Schwimmerinnen, wie sie sagt. Und die Leidenschaft dafür hat sie bis heute beibehalten. Auch mit 88 Jahren geht sie schwimmen und trainiert Kinder sowie Jugendliche für den Freischwimmer. „Da schließt sich irgendwie der Kreis“, sagt die Huchtingerin.

Lisa Meyer aus Findorff.

Lisa Meyer aus Findorff.

Foto: Frank Thomas Koch

Auch Lisa Meyer hat in diesen Tagen viel an das alte Breitenwegbad gedacht. Vor allem bei den Bildern zu den Berichten im WESER-KURIER hat sie genau hingeschaut. Und war in ihrer Erinnerungen plötzlich wieder an dem Ort, an dem sie 1940 schwimmen gelernt hat: im Damenbecken des alten Breitenwegbades. „Von der Treppe, die in das Becken führte, haben wir uns abgestoßen und sind zum Rand geschwommen“, erzählt die 82-Jährige. „Mit jedem Versuch immer ein Stückchen weiter, bis wir es irgendwann durch das ganze Schwimmbecken geschafft haben.“

Damals war Lisa Meyer acht Jahre alt, ihre ersten Schwimmversuche hat sie mit einer gleichaltrigen Freundin unternommen. „An das Gebäude kann ich mich allerdings nicht mehr so gut erinnern“, sagt sie. „Das hat uns als Kinder nicht so sehr interessiert. Wohl aber die Umkleidekabinen neben dem Damenbecken und vor allem die Duschen. „Das kannten wir gar nicht, wie die meisten anderen hatten wir zu Hause nur eine Badewanne, wobei das Wasser vorher immer aufwendig erhitzt werden musste. Duschen waren schon etwas Besonderes.“ Vier, fünf Tage waren es, an denen Lisa Meyer mehrere Stunden in dem alten Breitenwegbad verbracht hat.

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