Gedenken an die Bremer Räterepublik Erinnerungsorte im Wandel

Im Bremer Stadtbild finden sich mehrere Denkmäler, die an die Niederschlagung der Bremer Räterepublik erinnern. So etwa die Pietá – auch wenn sie in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr existiert.
02.02.2019, 00:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Helge Hommers

Mindestens 28 Verteidiger der Räterepublik verlieren beim Kampf um Bremen ihr Leben. Beerdigt werden sie auf dem Waller Friedhof – in einem Stadtteil, der wegen seiner hohen Arbeiterdichte als „roter Stadtteil“ bekannt ist. Schnell mehren sich Stimmen, die ein Mahnmal für die Getöteten am Ort ihrer Ruhestätte fordern. Vor allem die vielen Spenden aus der Arbeiterschaft ermöglichen die Finanzierung des Revolutionsdenkmals, das auf Plänen des Bildhauers Bernhard Hoetger basiert.

Hoetger, der während der Weimarer Republik auch die Böttcherstraße und den Niedersachsenstein in Worpswede gestaltet, entwickelt aus der Pietá – der Darstellung Marias mit dem Leichnam ihres Sohnes Jesus Christus – eine expressionistische Skulptur. Ebenso hat die Sphinx Einfluss auf sein Werk, was sich im Kopftuch der Mutter ausdrückt und für Kraft stehen soll.

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Das 4,50 Meter hohe Denkmal zeigt schließlich einen knochigen Sterbenden, der sich mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Schoß einer mutterartigen Gestalt lehnt. Diese betrauert seinen Verlust, kann ihm aber nicht mehr helfen. Im Jahr 1922 erfolgt die Einweihung des Revolutionsdenkmals.

Dann übernehmen die Nationalsozialisten die Macht, die das Gedenken an die Verteidiger der Räterepublik in Bremen ablehnen. Sie befehlen, das Mahnmal zu entfernen, weil es „von der national empfindenden Bevölkerung als verletzend und aufreizend empfunden werde“, wie es vonseiten des neuen Bremer Senats heißt. Die Nationalsozialisten zerstören das Denkmal bis zum Oktober 1933 vollständig. Auch die Gebeine der Toten betten die neuen Machthaber um
– nichts soll mehr an den Kampf der linken Kräfte erinnern.

Neues Denkmal nach 40 Jahren

Erst knapp 40 Jahre später wird an derselben Stelle ein neues Mahnmal für die Verteidiger errichtet, das heute immer noch dort steht. Ein Denkmal für die gestorbenen Zivilisten existiert hingegen weiterhin nicht. Für die Freikorpskämpfer und von der Reichsregierung beauftragten Soldaten, die bei der Niederschlagung der Räterepublik fielen, werden in Bremen mehrere Gedenkorte geschaffen: Außer dem Sterbenden Jüngling sind es das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Bremer und das Grabmal für die Gefallenen der Division Gerstenberg.

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Die Pietá hingegen ist trotz ihrer Zerstörung nicht aus dem Bremer Stadtbild verschwunden. Der Künstler Jürgen Waller, der auch das Lidice-Mahnmal verantwortet, bemalte Ende der 1970er-Jahre mit Studenten der Hochschule Bremen einen dreistöckigen Bunker im Pastorenweg in Gröpelingen. Auf ihrem Gemälde erzählen sie die Geschichte der AG Weser und des Stadtteils Gröpelingen. Dazu gehört auch die Erinnerung an die Räterepublik, wie Waller sagt: „Das war ein großes historisches Ereignis.“ Er und seine Studenten bauten daher die Pietá in das Gemälde ein. Ein anderer Ausschnitt zeigt den Rat der Volksbeauftragten.

Die Denkmäler haben im Laufe der Jahre eine unterschiedliche Rezeptionsgeschichte erfahren. Sie zeigen, dass Erinnerung wandelbar ist und ihre Deutung immer von den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit abhängt.

Die Dekmäler der Bremer Räterepublik:

Gefallenenmal der Division Gerstenberg

Hier finden Sie Informationen zum Gefallenenmal auf dem Waller Friedhof.

Ehrenmal für die gefallenen Bremer des Ersten Weltkriegs und der Angreifer der Niederschlagung

Hier erfahren Sie mehr zum Ehrenmal auf der Altmannshöhe.

Der Sterbende Jüngling - ehemaliges Denkmal für die gefallenen des Freikorps Caspari

Hier können Sie mehr über das Denkmal-Ensemble in den Wallanlagen lesen.

Denkmal für die gefallenen Verteidiger der Räterepublik

Hier finden Sie Informationen zum Denkmal fü die Gefallenen der Räterepublik.

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