Brandstiftung in Flüchtlingsunterkunft Ermittler suchen nach Brandstifter

Nach der Brandstiftung in der Flüchtlingsunterkunft in der Birkenstraße: Die Bremer Staatsanwaltschaft hat keine Anhaltspunkte für eine politisch motivierte Straftat.
09.08.2017, 20:05
Lesedauer: 3 Min
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Ermittler suchen nach Brandstifter
Von Pascal Faltermann

Es ist ruhig in der Birkenstraße. Nur wenige Autos fahren am Mittwoch den geteerten Weg entlang, der vom Hillmannplatz zur Bürgermeister-Smidt-Straße führt. Hin und wieder schlendert ein Fußgänger vorbei. Eine Gruppe drängt in ein italienisches Restaurant eingangs der Straße. Gleich nebenan stehen Touristen vor einem Hotel.

Alles normal, also – hätte es vor zwei Monaten nicht diese Brandstiftung in einem Flüchtlingsheim gegeben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft hatte am Dienstagabend bestätigt, dass das Feuer am 11. Juni vorsätzlich gelegt wurde (wir berichteten). 14 Bewohner wurden bei dem Brand verletzt.

Die Ermittler sind einen Schritt weiter, aber doch bleibt vieles noch im Dunkeln. Warum die Staatsanwaltschaft von einem vorsätzlich gelegten Brand ausgeht, bleibt unklar. Silke Noltensmeier, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, betont zwar, dass es deutliche Hinweise gibt, die auf einen Vorsatz schließen lassen.

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Mehr aber auch nicht: „Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, können wir derzeit kein Täterwissen preisgeben.“ Das Feuer war in einem Plastikbehälter – wahrscheinlich einer Mülltonne – des Mehrfamilienhauses gelegt worden. Der Rauch zog durch das ganze Gebäude.

Auch die Frage, welche Spuren der oder die Täter hinterließen, ob Brandbeschleuniger gefunden wurden, bleibt unbeantwortet. Immerhin: Eine politisch motivierte Straftat schließt die Bremer Staatsanwaltschaft derzeit aus. „Wir haben dafür momentan keine Anhaltspunkte“, sagt Sprecherin Noltensmeier. Es werde weiterhin nach einem möglichen Tatverdächtigen gesucht.

Noch sind die Handwerker drin

Von außen betrachtet, ist an dem weiß gestrichenen Haus nichts mehr von der Brandnacht zu sehen. Ruß oder andere Spuren des Feuers sind an der Fassade nicht zu erkennen. Ein paar Fenster mit schwarzen Rahmen sind zum Lüften geöffnet. Doch die Zimmer dahinter sind noch leer. Ein Kuscheltier schaut aus einem Fenster auf die Straße. Kleine Schilder und eine Pflanze sind zu sehen.

Ein junger Mann, der an einen der Briefkästen geht, holt nur kurz seine Post, will aber nichts sagen. Ein Mann, der aus dem Eingang des Büros der Bremer Caritas im Erdgeschoss kommt, sagt, dass die Sanierungsarbeiten in dem Gebäude noch länger dauern werden. Die Reinigungskräfte und Maler sollen schon im Gebäude gewesen sein und hätten ihre Arbeit absolviert.

Jetzt müsse allerdings noch etwas an der Elektroinstallation gemacht werden. Etwa 50 Flüchtlinge wohnten in der Unterkunft, die nach dem Feuer nicht mehr bewohnbar war. Ein Teil der Betroffenen wurde in der Faulenstraße untergebracht, weitere in anderen Einrichtungen in der ganzen Stadt.

Keine zielgerichtete Reaktion ohne genaue Erkenntnisse

Vom Wohnungsunternehmen Vonovia, das das Gebäude verwaltet, ist über die Sanierungsarbeiten nichts zu erfahren. Eine Sprecherin verweist auf die Stadt Bremen, die als Betreiberin der Flüchtlingsunterkünfte fungiere. Bernd Schneider, Sprecher der Senatorin für Soziales, Frauen, Jugend, Integration und Sport, ging bislang davon aus, dass die Bewohner der Flüchtlingswohnungen Ende kommender Woche wieder in das Gebäude einziehen können. „Bei Bauarbeiten kann es aber auch zu Verschiebungen kommen“, sagt Schneider.

Ob nach der Nachricht, dass es sich bei der Ursache des Feuers um Brandstiftung handelt, nun Sicherheitsvorkehrungen oder Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen, kann Behördensprecher Schneider nicht beurteilen. „Ohne genaue Erkenntnisse können wir nicht zielgerichtet reagieren“, sagt Schneider. Die Behördenmitarbeiter würden nun zunächst auf den Bericht der Staatsanwaltschaft warten.

Der Brand war in der Nacht zum 11. Juni im Keller des Gebäudes in der Birkenstraße ausgebrochen. Gegen 2.30 Uhr ging der Alarm bei der Bremer Feuerwehr ein. Unter den 14 Menschen, die wegen einer Rauchgasvergiftung behandelt werden mussten, befanden sich zehn Kinder. Allen Personen soll es wieder gut gehen. Bei dem Brand handelt es sich um einen Versicherungsschaden.

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