Kleinflugzeug in Bremen abgestürzt

Ermittlungen aufgenommen

Bremen. Ein Flugzeug, das in Bremen über besiedeltem Gebiet abstürzt. Das hat es noch nie gegeben. Zwei Männer sterben. Die Unfallursache soll nun ermittelt werden.
01.08.2014, 12:56
Lesedauer: 4 Min
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Ermittlungen aufgenommen
Von Marco Reinke

Bremen. Ein Sportflugzeug ist am Freitagmittag in der Nähe des Flughafens abgestürzt und in eine Lagerhalle mit Autoreifen gestürzt.

Die zwei Insassen sind bei dem Absturz ums Leben gekommen. Wie die Polizei mitteilte, ist das Trainingsflugzeug während des Starts in eine Gewerbehalle einer Firma in der Nähe des Flughafens gestürzt.

Die Lagerhalle befindet sich auf dem Gelände des Autohauses von Schmidt+Koch. In dem Gebäude befinden sich Reifen. Der Rauch vor Ort sei beißend gewesen, berichtete WESER-KURIER Chefreporter Jürgen Hinrichs.

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"Für einen Absturz mitten in der Stadt ist das Unglück relativ glimpflich verlaufen, auch wenn der Tod zweier Menschen zu beklagen ist", sagte Karl-Heinz Knorr, leitender Branddirektor der Feuerwehr Bremen. Dass ein Flugzeug in Bremen über besiedeltem Gebiet abstürzt, hat es bisher noch nicht gegeben.

Kurzzeitig wurde die Kornstraße geräumt. Die Feuerwehr vermutete einen Gasaustritt in der Nähe des Flughafens. Dies entpuppte sich jedoch als Falschmeldung. Jedoch wurden von der Feuerwehr zwei unmittelbare Wohnhäuser geräumt.

Der Flughafen Bremen stellte den Flugbetrieb kurzzeitig ganz ein, nahm diesen jedoch gegen 15 Uhr wieder auf.

Unfallpilot war Flugschüler

Die abgestürzte Maschine war ein historisches Kleinflugzeug vom Typ Saab 91 B Safir. Das hat die Firma „Pro Flight“ bestätigt. Die Maschine sei mit zwei Personen besetzt gewesen und habe sich auf einem Rundflug befunden, teilte Pro Flight mit. ProFlight ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Flight Training GmbH und der PRO TOURA Holding GmbH. Die Firma hat ihren Sitz in Bremen.

Feuer gelöscht

Die Bergungsarbeiten wurden durch ein Feuer erschwert. Polizei und Rettungskräfte lösten Großalarm aus. Da die Halle aus Stahlbeton gebaut ist, war die Hitze zunächst zu groß, um mit den Löscharbeiten beginnen zu können, teilte Branddirektor Knorr mit. Daraufhin wurde der Brand mit Schaum bekämpft. Mittlerweile ist das Feuer gelöscht. Die Feuerwehrleute konnten bis zum Wrack vordringen und bestätigen, dass die beiden Insassen die einzigen Opfer sind.

Insgesamt 100 Feuerwehrleute und zehn Kräfte der Flughafenfeuerwehr waren vor Ort, um den Brand zu löschen. Außerdem sicherten 150 Polizeibeamten die Unglücksstelle ab. Wie ein Sprecher der Feuerwehr Bremen mitteilte, wurde die Unglücksstelle gegen 22 Uhr erneut aufgesucht, um nach möglichen Glutnestern zu sehen.

Passanten berichteten, dass es am Flugzeug bereits vor dem Aufschlag Rauchentwicklung gegeben hat. Ein weiterer Passant, der den ersten Notruf absetzte, berichtet, dass der Flieger bereits während des Starts "getrubelt" hätte. Einen Zusammenhang mit Wetterereignissen schließt die Deutsche Flugsicherung aus.

Ermittlungen zur Ursache aufgenommen

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig wurde mit der Untersuchung des Unglücks beauftragt. "Wir haben nach der Alarmierung ein zweiköpfiges Untersuchungsteam zur Unfallstelle geschickt", sagte Sprecher Jens Friedemann.

Augenzeuge Denis Rudi (26) stand direkt vor der Halle, als das Unglück geschah. Er wollte seinen Privatwagen abholen. Als das Flugzeug einschlug, soll es einen Feuerball gegeben haben. Er sei froh, dass ihm das Flugzeug nicht "auf den Kopf geknallt ist" und auch keine Teile geflogen sind.

Die Mitarbeiter des Autohandels kamen mit einem Schock davon. "Ich habe gesehen, wie ein Flugzeug senkrecht abgestürzt ist", sagte Markus Petrosch, der in der Autopflegehalle direkt neben dem Reifenlager arbeitet. Durch die Druckwelle seien viele Sachen durch die Luft geflogen. Mindestens ein Auto brannte völlig aus. "Wir haben richtig Glück gehabt." Auf einem kleinen Balkon an der Halle säßen mittags gerne Kollegen in der Pause, sagte Petroch. "Heute zum Glück nicht."

Auch der Geschäftsführer des Autohauses, Jürgen Ostenkötter, hatte die Explosion gehört und war ins Freie geeilt. In der Halle seien 800 komplette Sätze Winterreifen und Räder seiner Kunden gelagert, sagte er. Vor dem Zaun standen zahlreiche Nachbarn und Passanten, beobachteten die Rettungsarbeiten und sprachen miteinander. Sie wirkten geschockt. Jeder ahnte, wie schlimm es hätte kommen können, wenn das Flugzeug in eines der angrenzenden Wohnhäuser oder in die Verkaufsräume gestürzt wäre.

Laut einer Sprecherin der Deutschen Flugsicherung Bremen hatte ein Lotse aus dem Tower noch kurz vor dem Absturz Funkkontakt mit dem Piloten der Unglücksmaschine. "Wir müssen unmittelbar umkehren", das waren die letzten Worte des Piloten, die der Lotse hörte, so die Sprecherin Anja Naumann. Danach bot der Lotse dem Piloten an, die beste Landerichtung auszuwählen, doch dazu kam es nicht mehr. Es kam keine Antwort von dem Piloten, die Maschine stürzte ab. Der Lotse im Tower konnte nichts mehr tun, er musste zusehen. Lotsen bekämen in solchen Situationen psychologische Betreuung angeboten, sagte Naumann.

Zwischenzeitlich befand sich ein Marineflieger-Hubschrauber über der Unfallstelle. Laut Polizei habe das Militär seine Hilfe angeboten, diese sei jedoch von den Einsatzkräften nicht benötigt worden. Die Maschine drehte wieder ab.

Infos zu möglichen Verkehrsbehinderungen rund um die Unglücksstelle finden Sie auf der Seite der Verkehrsmanagementzentrale.

Infos zu Flugverspätungen finden Sie auf der Internetseite des Bremer Flughafens.

Weitere Informationen werden wir an dieser Stelle ergänzen.

(Mit ergänzendem Material von dpa)

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