Osmanen Germania Ermittlungen nach Rocker-Razzia

In Bremen laufen jetzt die Ermittlungen zu einem Treffen der rockerähnlichen Gruppierung Osmanen Germania am Sonntag. Bei einer Razzia hatten Polizisten 80 Mitglieder kontrolliert.
03.07.2017, 19:44
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Ermittlungen nach Rocker-Razzia
Von Jan Oppel

Die Bremer Polizei machte ernst: Am Sonntagnachmittag stürmten Spezialkräfte den Saal des Veranstaltungslokals Etage am Herdentorsteinweg. Tische und Stühle wurden umgestoßen, Getränkedosen klatschen auf den Holzboden. Mit einem Großaufgebot waren die Beamten in der Innenstadt aufgelaufen, um 80 Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung Osmanen Germania zu kontrollieren.

„Wir haben klargemacht, dass wir derartige Treffen nicht dulden“, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. Nun laufen die Ermittlungen zu den Hintergründen des Treffens. Eva Raquet, Geschäftsführerin der Etage, war am Montag damit beschäftigt, die Spuren der Razzia zu beseitigen. Die Polizisten hatten die Stühle im Saal zu mehreren Haufen aufgetürmt. Offenbar, um mehr Platz für ihre Kontrolle zu schaffen.

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Klebrige Getränkepfützen bedeckten den Holzboden. Acht Stunden habe sie gebraucht, um ihren Saal wieder herzurichten, berichtet Raquet. Normalerweise kommen keine Rockergangs in ihre Veranstaltungsräume. Stattdessen nutzen Tanzgruppen, Musiker oder Yogakurse die Etage. „So etwas ist mir noch nie passiert“, sagt Raquet. „Ich war total geschockt. Wenn ich gewusst hätte, wer die sind, hätte ich sie gar nicht reingelassen.“

Die Anhänger der Osmanen Germania waren aus dem Bremer Umland, weiteren Bundesländern und den Niederlanden angereist. Unter ihnen befand sich auch ihr Weltpräsident Mehmet Bagci. Die türkischstämmige Gruppierung ist bundesweit auf dem Vormarsch. Anfang 2015 hat sich der Club gegründet und zählt in Deutschland bereits mehr als 2500 Mitglieder.

Osmanen Germania stehen Regierung von Erdogan nah

Sie selbst geben sich als harmloser Boxclub, die Polizei führt die Osmanen Germania als „rockerähnliche Gruppierung“ mit engen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Nach Aussagen von Ermittlern sind die Osmanen Germania türkisch-nationalistisch ausgerichtet und stehen der AKP-Regierung von Recep Tayyip Erdogan nah.

Die Bremer Sicherheitsbehörden haben zudem Hinweise darauf, dass Anhänger der Gruppe Verbindungen zum türkischen Geheimdienst unterhalten. Anders als Rocker-Gangs wie die Hells Angels oder die Bandidos sind die Osmanen Germania kein Motorradclub. Durch ihre Kutten und Abzeichen treten die Osmanen aber ähnlich auf. Was der Anlass für das Treffen in Bremen war, ist derzeit unklar.

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Alles hatte ganz harmlos angefangen: Am Sonnabend klingelte Eva Raquets Telefon. Der Mann am anderen Ende der Leitung wollte kurzfristig einen ihrer Räume mieten, schon am nächsten Tag. „Vielleicht war ich zu naiv, aber ich habe mir wirklich nichts dabei gedacht“, erinnert sich Raquet.

Sie vereinbarte mit dem Anrufer die Eckdaten: eine Miete von 12 bis 16 Uhr, zwei Podeste, 100 Stühle, alkoholfreie Getränke. Für den Aufbau bot ihr der Anrufer sogar drei Helfer an. Die standen am Sonntag pünktlich um zehn Uhr morgens auf der Matte. Freundlich seien sie gewesen, sagt Raquet. Wie Rocker hätten die nicht ausgesehen.

Polizei wurde von dem Treffen überrascht

Statt Vereinskutten trugen die Männer Jogginghosen, Baseballkappen und T-Shirts. Offenbar auch, um nicht gleich als Angehörige der Osmanen Germania erkannt zu werden. „Ich habe ihnen dann noch erklärt, wie die Spülmaschine funktioniert und bin wieder gegangen“, sagt Raquet.

Zu Hause habe sie dann über eine Facebook-Nachricht von der Razzia erfahren und sei sofort losgefahren. Die Polizei war von dem Treffen ebenfalls überrascht worden. „Wir wussten im Vorfeld nicht, dass es stattfindet“, sagt Sprecher Nils Matthiesen. Der Ort sei am Sonntag erst kurzfristig bekannt geworden. Die Polizei habe keine Zeit gehabt, die Betreiberin vorzuwarnen.

Bei ihrem Einsatz durchsuchten die Polizisten die Kleidung und Autos der Osmanen Germania. Die Männer leisteten keinen Widerstand. Als die Spezialkräfte den Saal stürmten, hätten sich einige sogar freiwillig auf den Boden gelegt, sagt Polizeisprecher Matthiesen. „Das lief alles sehr friedlich ab“. Drogen oder Waffen wurden nicht gefunden.

Vereinsrecht wurde im März verschärft

Am Montag meldete sich auch Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) zu Wort. „Eines steht fest: Ich werde auch in Zukunft keine kriminellen Rockerclubs in Bremen dulden", sagte er. "Es ist klar, dass wir an dem Thema dran bleiben, wenn nötig nachsetzen und entschieden handeln müssen." Hinsichtlich des Treffens der Osmanen Germania wolle man aber zunächst die Ermittlungsergebnisse der Polizei abwarten.

Im Kampf gegen kriminelle Rockergruppen hat die Bundesregierung im März das Vereinsrecht verschärft: Neben den Kutten bestimmter Clubs ist es nun auch verboten, deren Abzeichen öffentlich zu tragen. Anders als etwa die Hells Angels sind die Osmanen Germania bislang noch nicht von dem Verbot betroffen.

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