JVA Oslebshausen Ermittlungen nach Suizid

Nach dem Tod eines Untersuchungshäftlings aus der JVA Oslebshausen ermitteln die Polizei und Staatsanwaltschaft. JVA-Leiter Carsten Bauer spricht von einem „tragischen Zufall“.
14.12.2017, 19:33
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Ermittlungen nach Suizid
Von Jan Oppel

Die Staatsanwaltschaft Bremen prüft nach dem Suizid eines 26-jährigen Untersuchungshäftlings in der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen die Todesursache. Dies sei stets der Fall, wenn es um eine nicht-natürliche Ursache gehe, sagte Sprecher Frank Passade. Es soll geprüft werden, ob es möglicherweise Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gibt.

Der Fall wirft Fragen auf: Warum konnte sich der Mann trotz Videoüberwachung in seiner Zelle strangulieren und womit hat er sich selbst getötet? Am Donnerstag äußerte sich JVA-Leiter Carsten Bauer zu dem Vorfall. Der 26-Jährige habe am Sonnabend vermutlich ein Band aus seiner Jogginghose am Griff des Zellen-Fensters befestigt und sich damit zu erhängen versucht, sagt Bauer.

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Zunächst sei es gelungen, ihn zu stabilisieren und in das Diako-Krankenhaus zu bringen. Dort sei der Mann am Dienstag aber seinen Verletzungen erlegen. Der Mann war Anfang Dezember nach einem Messerangriff auf seine frühere Lebensgefährtin in Gröpelingen festgenommen worden. Damals befand er sich nach offiziellen Angaben in einem hilflosen Zustand.

Keine Hinweise auf Suizidgefahr bei Haftantritt

Bauer spricht er von einem „tragischen Zufall“. Der Gefangene war demnach in der JVA in einer sogenannten Suizidpräventionszelle mit Videoüberwachung untergebracht. Die Bilder der insgesamt 63 Kameras auf dem JVA-Gelände laufen in der Sicherheitszentrale der JVA auf. Dort verfolgen zwei Mitarbeiter an einer Videowand, was im Gebäude und im Außenbereich vor sich geht.

Im Moment des Suizidversuchs seien sie aber abgelenkt gewesen, erklärt Bauer. Ein anderer Häftling hatte zuvor demnach über Schmerzen geklagt. Der Sanitäter rief einen Rettungswagen, die beiden Sicherheitsleute koordinierten den Einsatz. In dieser Zeit hatten sie die Kameras offenbar nicht im Blick. Bei seinem Haftantritt hatten die Verantwortlichen in der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen bei dem 26-Jährigen im Vorfeld keine Hinweise auf eine unmittelbare Suizidgefahr gesehen, berichtet Bauer.

Ein Team aus Ärzten, Psychologin, und JVA-Mitarbeitern habe den Mann damals befragt und die Gefahr einer Selbsttötung weitgehend ausgeschlossen. Jeder Insasse durchlaufe ein solches Screening-Verfahren. Neben der Befragung zähle für die Experten auch der persönliche Eindruck. „Bei ihm galt ein Suizid als unwahrscheinlich“, sagt der JVA-Leiter.

Sechs Vorfälle dieser Art seit 2000

Besteht die akute Gefahr einer Selbsttötung, würden die Gefangenen in einem besonders gesicherten Haftraum ohne gefährdende Gegenstände untergebracht. In diesen Zellen gebe es keine Holzmöbel, die Toilette ist in den Boden eingelassen. Die Insassen tragen Bauer zufolge Kleidung aus Papier, es gebe kein Tageslicht und zum Schlafen nur eine Schaumstoffmatratze. Für diese höchste Sicherheitsstufe gab es laut Bauer im Fall des 26-Jährigen aber keinen Anlass.

„Ich kann nicht ausschließen, dass trotzdem Fehler passiert sind“, sagt er. Bauer gehe aber nicht davon aus, dass eine Pflichtverletzung des Personals für den Tod des Häftlings verantwortlich ist. Vorsorglich habe der Gefängnis-Chef aber schon einmal die Fenstergriffe in den Präventionszellen abmontieren lassen. Allgemeine Richtlinien für Räume dieser Art gebe es nicht, sagt Bauer. Für weitere Maßnahmen wolle er die Ermittlungen abwarten.

Seit 2000 gab es in dem Bremer Gefängnis sechs Vorfälle dieser Art. „Damit liegen wir deutlich unter dem Bundesschnitt“, erklärt Bauer. Experten würden dem Gefängnis regelmäßig gute Noten ausstellen – vor allem bei der Suizidprävention. Auf einer Fachtagung wolle der JVA-Chef den aktuellen Fall nun mit Kollegen aus anderen Bundesländern diskutieren. In Oslebshausen seien die meisten Zellen vor zehn Jahren eingerichtet worden. „Seitdem hat sich einiges getan“, sagt Bauer. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir noch besser werden können.“

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