30 bis 40 Beteiligte Erneut Massenschlägerei auf Hochzeit in Bremen-Oslebshausen

Eine Hochzeit in Bremen ist eskaliert: Nachdem es im Juni bei einer Feier mit 400 Gästen in Oslebshausen zu einer Prügelei kam, schlugen nun rund 40 Personen aufeinander ein.
16.07.2018, 11:16
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sebastian Krüger

Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist es in Oslebshausen zu einer Massenschlägerei auf einer größeren Feier gekommen. Der aktuelle Vorfall ereignete sich am späten Sonntagabend in einem Veranstaltungszentrum an der Schragestraße. Schon Anfang Juni kam es dort zu ähnlichen Szenen.

Nach ersten Ermittlungen wurde ein Gast während eines Hochzeitsfestes auf der Tanzfläche niedergeschlagen, als er im Begriff war, ein Foto zu machen. Als andere ihm zu Hilfe kamen, löste das eine größere Schlägerei aus. Nach Zeugenaussagen waren schließlich 30 bis 40 Personen an der Auseinandersetzung beteiligt. Als die Einsatzkräfte eintrafen, beruhigte sich die Lage. Derzeit gehen die Ermittler von fünf leicht verletzten Personen aus. Der genaue Auslöser der Prügelei konnte bislang noch nicht identifiziert werden.

Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang

"Es gab etliche Beteiligte, da sind viele Befragungen notwendig", sagt Polizeisprecher Horst Göbel. Der Hochzeitsgast, der die Schlägerei angezettelt hat, sei noch nicht bekannt. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang. Fest stehe bisher nur, dass ein Hochzeitsgast niedergeschlagen worden sei. "Jemand kam ihm zu Hilfe, es artete aus und wurde immer größer", fasst Göbel zusammen. Die Zahl der Verletzten könne noch anwachsen, da sich manche erst später bei der Polizei melden würden.

Für Polizisten seien solche Situationen sehr unübersichtlich, sagt Göbel: "Die Kollegen müssen da auf besondere Weise einschreiten. Da hat ein ziemliches Gewusel geherrscht." Die Einsatzkräfte seien jedoch in ausreichender Zahl vor Ort gewesen und hätten die Lage schnell beruhigen können.

Die Polizei ermittele wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung. Da es sich dabei um ein sogenanntes Offizialdelikt handelt, ermittelt die Staatsanwaltschaft von Amts wegen – die Anzeige eines Geschädigten ist dafür nicht notwendig.

Lesen Sie auch

Der Vorfall weckt Erinnerungen an eine Massenschlägerei am 2. Juni (wir berichteten): Etliche Gäste einer Feier schlugen auch da aufeinander ein, mehr als 100 Polizisten mussten zum Schlichten anrücken – und wurden selbst angegriffen. Die Polizei sprach später von einer „äußerst aggressiven Grundstimmung“ unter den etwa 400 Besuchern.

Damals wurden drei Polizisten und zwei Gäste leicht verletzt. Eine besondere Parallele zum aktuellen Fall besteht hinsichtlich des Schauplatzes: "Es handelt sich um denselben Ort", sagt Göbel. Polizeibeamte seien beim Einsatz am vergangenen Wochenende nicht verletzt worden, anders als bei der Schlägerei Anfang Juni. "Das war eine andere Hausnummer."

Der Fall erregte große Aufmerksamkeit, da die Braut Berichten nach 15 Jahre alt sein soll. Die Innenbehörde habe dazu konkrete Hinweise bekommen. Weil die Polizei nach eigenen Angaben vollauf mit den Schlägern beschäftigt war, versäumte sie es, die Personalien des Brautpaars aufzunehmen. Dadurch gelangte der Vorwurf erst mehrere Wochen später an die Öffentlichkeit. Das Jugendamt befasse sich mit dem Fall, heißt es. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hatte angekündigt, härter gegen Kinderehen vorzugehen. Die Auswertung des Beweismaterials dauere an. Es sei noch nicht abschließend geklärt, ob es sich um eine Hochzeit oder eine Verlobungsfeier gehandelt hat.

Lesen Sie auch

Einen neuen Trend möchte Göbel aus den beiden Vorfällen jedoch nicht herleiten. "Es ist noch nicht zur Regel geworden, dass so etwas passiert." Daher sei es zu diesem Zeitpunkt zu früh, mögliche Tendenzen anzusprechen. Gewöhnlich seien solche Einsätze jedoch nicht: "Es ist natürlich auffallend, wenn Menschen sich auf Hochzeiten prügeln." Das Phänomen Massenschlägerei ist in Bremen nicht neu. Am Pfingstmontag kam es in Huchting zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen zwei Großfamilien. Es gab acht Verletzte und 17 Festnahmen.

Nicht die erste Massenschlägerei

Am 15. April prügelten sich in Bremen-Vegesack etwa 40 Männer nahe der Großwohnanlage Grohner Düne. Anrufer hatten der Polizei eine größere Schlägerei in der Friedrich-Klippert-Straße gemeldet. Die Einsatzkräfte trafen keine Beteiligten mehr an. Die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs auf. Es ist nicht die erste Massenschlägerei in oder nahe der Grohner Düne. Im Sommer 2012 hatten sich 80 Personen im Innenhof gegenübergestanden, im April 2015 waren es 20 bis 30.

Ein Vorfall, der sich bereits Ende 2013 ereignet hat, beschäftigt ab dem 22. August das Landgericht Verden: Am 29. Dezember 2013 artete ein Streit zwischen Mitgliedern rivalisierender Großfamilien auf dem Weihnachtsmarkt zu einer Massenschlägerei aus. Sechs Personen wurden zum Teil schwer verletzt, als bis zu 30 Beteiligte mit Zaunlatten, Stöcken und einer Schneeschaufel aufeinander losgingen. Die Verdener Polizei rief Unterstützung aus aus Bremen, Achim, Rotenburg, Osterholz-Scharmbeck und Delmenhorst hinzu.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+