Wirtschaftsrat verleiht Jacobs-Uni den Unternehmenspreis / Festredner: Nicht viel Positives in Bremen-Nord Ernüchternde Worte zur Feier

Zum zehnten Mal hat der Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord (WIR) den Unternehmenspreis verliehen. Der Vorsitzende Rainer Frankenberg übergab die Auszeichnung im Campus Center der Jacobs University an den Hausherren und Präsidenten der Privatuni, Joachim Treusch. Dem WIR geht es mit der Auszeichnung auch darum, die Stärken Bremen-Nords hervorzuheben. Diesen Gefallen tat Festredner Gerhard Harder, Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Bremen AG, den Anwesenden jedoch nicht: Er stellte die Existenz positiver Ansätze infrage.
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Zum zehnten Mal hat der Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord (WIR) den Unternehmenspreis verliehen. Der Vorsitzende Rainer Frankenberg übergab die Auszeichnung im Campus Center der Jacobs University an den Hausherren und Präsidenten der Privatuni, Joachim Treusch. Dem WIR geht es mit der Auszeichnung auch darum, die Stärken Bremen-Nords hervorzuheben. Diesen Gefallen tat Festredner Gerhard Harder, Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Bremen AG, den Anwesenden jedoch nicht: Er stellte die Existenz positiver Ansätze infrage.

Von Julia Ladebeck

Grohn. Der Ort der Preisverleihung - die Conference Hall im Campus Center der Jacobs University - konnte den rund 140 Gästen noch kein Hinweis auf den Preisträger sein. Denn dort wird der Unternehmenspreis des Wirtschafts- und Strukturrates Bremen Nord (WIR) schon seit Jahren verliehen. Umso größer war die Überraschung, als sich herausstellte, dass der Hausherr selbst für herausragende unternehmerische Leistungen in der Region Bremen-Nord ausgezeichnet wird.

Dass sie mit der Entscheidung des Wirtschaftsrates zufrieden sind, zeigten die Gäste durch kräftigen Applaus. Der Jury-Vorsitzende Heiko Fischer begründete, warum die Wahl auf die Privathochschule gefallen ist. Die Entwicklung der vor zehn Jahren gegründeten Privatuniversität sei eine Erfolgsgeschichte. "Mit heute 1335 Studierenden hat sich die Studentenzahl seit dem Gründungsjahr verzehnfacht. Die Absolventen machen im Schnitt mit 21,7 Jahren ihren Bachelor-Abschluss. Dabei liegt die Erfolgsquote bei 94 Prozent pro Jahrgang", nannte er einige Zahlen.

Auch die Verdreifachung des Studienangebots, die Steigerung der Forschungsdrittmittel um durchschnittlich 25 Prozent jährlich auf aktuell 12,2 Millionen Euro und den hohen Anteil der weiblichen Beschäftigten - etwa 44 Prozent der rund 460 Mitarbeiter an der Jacobs University seien Frauen - hob Fischer hervor. "Unter Berücksichtigung aller Kriterien - dazu gehören die Unternehmensentwicklung, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Förderung des positiven Images der Region und eine familienbewusste Personalpolitik - ist uns die Entscheidung leicht gefallen", sagte er. Überreicht wurde der Preis von Rainer Frankenberg, Vorsitzender des Wirtschafts- und Strukturrates. In seiner Begrüßungsansprache wies er darauf hin, dass die wichtigsten Grundlagen für die Förderung Bremen-Nords die Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung des Images seien. Besonders bei Letzterem gebe es "noch Luft nach oben". Insbesondere von der Einrichtung des kürzlich ins Leben gerufenen Arbeitskreises für

Bremen-Nord erhoffe sich der WIR Unterstützung bei der Entwicklung des Stadtbezirks. "Es geht - auch heute - darum, die Stärken Bremen-Nords aufzuzeigen", sagte Frankenberg.

Kritik an Entwicklungsplan

Dies tat sein Nachfolger am Redepult, Gerhard Harder, indes nicht. Der Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse in Bremen AG kennt Bremen-Nord aus seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Bremer Wollkämmerei (BWK). "Wenn ich heute versuche, mich mit der Entwicklung und den Chancen in Bremen-Nord auseinanderzusetzen, so tue ich dies schon aus einer Distanz von zehn Jahren und sozusagen als interessierter Bürger", sagte er. Seine Betrachtung fiel ernüchternd aus: "Es ist eigentlich nicht viel Positives passiert in den letzten zehn Jahren." Als vorzeigbare Projekte der vergangenen Jahre seien die Ansiedlung der Jacobs-Universität und die Entwicklung des Gesundheitszentrums Friedehorst genannt worden. "Gott sei Dank, dass es wenigstens diese beiden Projekte gibt, denn weitere sind nicht in Sicht." Die Entwicklung der Gewerbegebiete des ehemaligen Vulkan-Geländes und der BWK würden zwar immer erwähnt; der Erfolg in der Ansiedlung sei jedoch eher bescheiden.

"Addiere ich meine Beobachtungen über die Art und Weise wie Industriepolitik und insbesondere Ansiedlungen in Bremen betrieben werden und dazu die Notwendigkeit, dass ganz besondere Anstrengungen für Bremen-Nord erforderlich sind, dann sucht man doch mit einiger Verzweiflung nach ermutigenden Ansätzen." Seine Hoffnung darauf, dass in den nächsten Jahren Entscheidendes in dieser Region passiere, würde sinken. Es sei kein überzeugender Entwicklungsplan erkennbar. Aus diesem Grund, so der Appell von Harder, müsse Bremen-Nord seine Forderungen künftig stärker artikulieren und die Unterstützung auch wesentlich stärker als bisher einfordern. "Es wird viel zu wenig für Bremen-Nord getan, viel weniger als der Anzahl der Menschen und der Fläche des Stadtteils, die einen erheblichen Teil des Gebietes des Stadtstaates Bremen ausmacht, zusteht."

Nach dieser negativen Einschätzung der Situation Bremen-Nords durch den Festredner betonte Joachim Treusch: "Wir, die Studenten und Mitarbeiter der Jacobs University, fühlen uns in Bremen-Nord wohl." Er sagte, die Anerkennung durch den Wirtschaftsrat sei für die Universität auch eine Verpflichtung, sich weiterhin für eine Vernetzung und Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Partnern zu engagieren.

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