Immobilienmarkt Ernüchterung in exklusiven Lagen

Bremen. Der Immobilienmarkt boomt, auch in Bremen, allerdings nur in bevorzugten Stadtteilen. Sind manche Wohnungen überbewertet?
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Ernüchterung in exklusiven Lagen
Von Jürgen Hinrichs

Der Immobilienmarkt boomt, auch in Bremen, dort allerdings nur in bevorzugten Stadtteilen. Nach Auffassung der Bundesbank sind Wohnungen in Ballungsgebieten mittlerweile um bis zu 20 Prozent überbewertet. Trifft das auch auf Bremen zu?

4000 Euro für den Quadratmeter, manchmal auch mehr – Preise, die in Bremen gezahlt werden, wenn in bevorzugter Lage eine neu gebaute Eigentumswohnung zum Verkauf steht. Teilweise liegen die Steigerungsraten pro Jahr bei annähernd zehn Prozent. Ein Boom, der die Stadt nach Einschätzung von Experten relativ spät erreicht, während sich in anderen Ballungszentren die Preisspirale bereits seit einigen Jahren dreht.

Von der Bundesbank kam jetzt die Einschätzung, dass insbesondere Geschosswohnungen in Großstädten wie München, Hamburg oder Frankfurt um bis zu 20 Prozent überbewertet seien. Trifft das auch auf Bremen zu? Ist der Markt überhitzt?

Fakt ist, dass sich der Spitzenkaufpreis für Neubauwohnungen in den vergangenen fünf Jahren um 28 Prozent nach oben bewegt hat. Der Spitzenmietpreis stieg im gleichen Zeitraum ebenfalls um 28 Prozent und liegt heute bei rund 13 Euro pro Quadratmeter. Die Zahlen stammen aus dem aktuellen Immobilienmarkt-Report der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB).

„Das Niveau der Käufe von Wohnimmobilien ist in Bremen seit dem Jahr 2008 kontinuierlich angestiegen – im Bereich der Eigentumswohnungen sogar überproportional“, heißt es in dem Report. Die WFB glaubt an einen Fortgang dieser Entwicklung: „Auch in den nächsten Jahren sollte sich der (Re-)Urbanisierungstrend fortsetzen, sodass der Bremer Wohnungsmarkt gute Perspektiven hat.“

Für Immobilien seien zuletzt Preise aufgerufen worden, die von längerfristigen demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen nicht mehr gedeckt seien, warnt indes die Bundesbank. Mögliche Preiskorrekturen könnten zu empfindlichen Vermögensverlusten bei den Wohnungskäufern führen.

Bernd Richter von der Eigentümer-Schutzgemeinschaft „Haus und Grund“ bestätigt, dass Miete oder Kauf einer Wohnung in Stadtteilen wie Schwachhausen, Neustadt, Findorff, Horn-Lehe oder Östliche Vorstadt exorbitant teuer geworden sei: „Die Preise sind nach oben geknallt.“ Es sei aber Unfug, wenn immer wieder behauptet werde, in ganz Bremen könne man nicht mehr preiswert wohnen. Außerdem seien die Preise in den bevorzugten Stadtteilen immer noch in Ordnung, sofern es sich um ein neues oder saniertes Objekt handele. „Etwas anderes sind die Bauten aus den 60er- und 70er-Jahren. Da vergessen die Käufer häufig, was sie an Renovierung hineinstecken müssen und überheben sich finanziell“, sagt Richter.

„Klassischer Marktpreis“

Von Überbewertungen auf dem Immobilienmarkt will der Geschäftsführer nicht sprechen: „Wenn jemand 200000 Euro für eine Eigentumswohnung zahlt, ist das der klassische Marktpreis.“ Es gebe auch keine Blase, die zu platzen drohe, nur normale Marktentwicklungen. „Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen hat mit dem demografischen Wandel zu tun, genauso die Marktsättigung bei den großen Wohnungen.“ Wer alleine wohne, und von den Ein-Personen-Haushalten gebe es immer mehr, brauche nicht zwingend 100 Quadratmeter.

Ernst Dautert, Vorsitzender des unabhängigen Gutachterausschusses für Grundstückswerte, hält die Preisentwicklung für Immobilien in Bremen mittlerweile für übertrieben und folgt dabei dem Tenor im Bericht der Bundesbank. „Einige Käufer sind über’s Ziel hinausgeschossen“, glaubt Dautert. Historisch niedrige Zinsen für Baudarlehen und mangelnde Alternativen bei anderen Geldanlagen, hätten viele dazu bewogen, eine Immobilie zu erwerben – zu einem hohen Preis und mit unsicherer Rendite.

„In den exklusiven Lagen in der Stadt wird es so nicht weitergehen“, prophezeit Dautert, „dort wird sich irgendwann Ernüchterung breit machen.“ Als Beispiel nennt der Experte von der Katasterbehörde Geoinformation Mietwohnungen in der Überseestadt. Dort seien beim Erstbezug bis zu zwölf Euro für den Quadratmeter genommen worden. Die nachfolgenden Mieter hätten dagegen nur noch unter zehn Euro zahlen müssen. Dautert: „Bei einem Quadratmeterpreis von 4000 Euro für den Kauf der Wohnungen gibt es bei so einer Miete schon keine Rendite mehr.“

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