Neuregelung bei Erster Hilfe in Kraft

Erst Herzmassage, dann Beatmung

Bremen. Seit Dienstag ist eine neue Leitlinie zur Wiederbelebung in Kraft. Die Herzdruckmassage steht nun an erster Stelle, nicht mehr die Beatmung. Das Deutsche Rote Kreuz Bremen rät, bei Unsicherheit die Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen.
19.10.2010, 17:23
Lesedauer: 2 Min
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Erst Herzmassage, dann Beatmung
Von Iris Hetscher
Erst Herzmassage, dann Beatmung

Wie man eine Herzdruckmassage korrekt ausführt, lernt man in den Erste-Hilfe-Kursen des Deutschen Roten Kreuzes.

Jochen Stoss

Bremen. Seit Dienstag ist eine neue Leitlinie zur Wiederbelebung in Kraft. Die Herzdruckmassage steht nun an erster Stelle, nicht mehr die Beatmung. Das Deutsche Rote Kreuz Bremen rät, bei Unsicherheit die Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen.

Die Unsicherheit ist bei vielen Laien groß - wer an einer Unfallstelle einen leblosen Menschen findet, weiß oft nicht genau, wie er sich verhalten soll. Der Erste-Hilfe-Kursus für den Führerschein hat vor mehreren Jahren stattgefunden, die genaue Vorgehensweise ist in Vergessenheit geraten.

Bisher verhielt es sich so: Zunächst sollte die Beatmung sichergestellt werden, dann das Herz massiert werden. Diese Regelung ist jetzt auch in Deutschland endgültig an die aktuellen Leitlinien der American Heart Association (AHA) angepasst worden, die alle fünf Jahre überarbeitet werden. Demnach steht die Herzdruckmassage an erster Stelle, erst dann soll beatmet werden.

Dr. Heinzpeter Moecke von den Asklepios Kliniken Hamburg, der die jetzige deutsche Fassung mitherausgibt, sieht darin einen Vorteil für Laien: "Wir hoffen, dass nun mehr Menschen im Notfall mit der Reanimation beginnen, wenn klar ist, dass sie sich auf die Massage konzentrieren können". Pro Tag würden in Deutschland rund 400 Menschen außerhalb der Krankenhäuser wiederbelebt, nur jeder zehnte bleibe auch am Leben. Begännen Laien mit der Reanimation, bevor der Rettungsdienst eintrifft, steige die Überlebenschance des Patienten um das 2,5-fache.

Häufig trauten sich Nicht-Mediziner allerdings nicht, einen leblosen Menschen zu retten - aus Angst, jemanden zu verletzen. Michael Freyhoff, Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz Bremen und Erste-Hilfe-Ausbilder, möchte den Menschen diese Furcht nehmen: "Es gilt immer die Devise Lebensrettung geht vor Verletzung". Zudem sei es sehr unwahrscheinlich, einem Menschen durch eine Herzmassage Schaden zuzufügen: "Man kann eigentlich gar nicht zu tief drücken, und wenn es knackt und knirscht, richtet es keinen Schaden an ".

Freyhoff empfiehlt folgendes Vorgehen, wenn man an einer Unfallstelle jemanden findet, der nicht mehr ansprechbar ist: Zunächst sollte man laut um Hilfe rufen, dann den Kopf des Menschen überstrecken, also nach hinten beugen, und dabei stets die normale Atmung überprüfen. Per Notruf sollten die Rettungskräfte alarmiert werden. Dann kann man mit der Herzdruckmassage beginnen - dadurch zirkuliert die Luft, die sich noch im Brustkorb befindet, hin und her. Dies sei ein wichtiger Faktor, um das Überleben des Verunglückten zu retten, so Freyhoff: "Wer es sich dann nicht zutraut zu beatmen, soll es besser lassen."

Grundsätzlich wünschen sich Freyhoff und seine Kollegen vom Rettungsdienst, dass jeder sein Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig auffrischt. Das Deutsche Rote Kreuz fordert seit Jahren, dass diese Kenntnisse bereits verpflichtend in den Schulen vermittelt werden. Kurse bietet unter anderen das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Bremen an, erreichbar unter www.drk-bremen.de

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