Bremen „Erst mal eine Sache ausprobieren“

Herr Böslau, warum haben Sie sich entschieden, Altenpfleger zu werden?Nils Böslau: Das hat sich im Laufe meines FSJ so ergeben. Ich wollte nach meinem Abschluss erst einmal nur keine Schule mehr machen.
09.08.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Thomas Walbröhl

Herr Böslau, warum haben Sie sich entschieden, Altenpfleger zu werden?

Nils Böslau: Das hat sich im Laufe meines FSJ so ergeben. Ich wollte nach meinem Abschluss erst einmal nur keine Schule mehr machen. Ich war ein unaufmerksamer Schüler. Ich wollte endlich echte Arbeit machen, mich auspowern und was tun.

Welche Pläne hatten Sie?

Ich habe mal ein Praktikum beim Installateur gemacht. Wollte erst eine Ausbildung zum Rohrleitungsbauer machen.

Und dann?

Dann habe ich das FSJ gemacht. Davon habe ich von einem Bekannten erfahren, der das auch gemacht hat und begeistert war. Ich bin froh, mich so entschieden zu haben.

Was haben Sie denn gemacht?

Ich habe in einer Altenpflegeeinrichtung geholfen. Ich bin drei Wochen lang von drei Fachkräften eingearbeitet worden und habe dann irgendwann auch selbstständig mitgearbeitet. Das war anfangs schon anstrengend.

Warum?

Es war zuerst recht ungewohnt, morgens um 7 Uhr schon anzufangen. Da braucht man immer erst einmal einen Kaffee. Und dann habe ich bis etwa 15.45 Uhr gearbeitet. Am Anfang hat das schon ein bisschen gestresst. Aber mit der Zeit habe ich mich dran gewöhnt. Es war genau das, was ich wollte. Mit den Kollegen kam ich super klar. Angefangen habe ich in der Abteilung, in der Menschen mit Demenz waren. Eine der Bewohnerinnen hat irgendwann einmal gedacht, ich sei ihr Sohn. Die hat mir sogar ein Küsschen auf die Wange gegeben. Das war schön.

Können Sie sich vorstellen, dass es auch schmerzhaft sein kann, wenn die Menschen, die Sie pflegen, einmal nicht mehr sind?

Ich hatte eigentlich kein größeres Problem mit dem Tod. Das kann ich irgendwie ausblenden. Außerdem hat man auch gut zu tun. Das lenkt auch ein bisschen ab.

Und können Sie sich auspowern?

Ja. Vorher hätte ich nie gedacht, dass Menschen so schwer sein können. Meine Eltern sind froh und waren überrascht. In meiner Familie gibt es einige, die handwerklich arbeiten. Die hätten nie gedacht, dass ich mal in diesen Beruf gehen würde. Das haben sie mir neulich gesagt.

Ab Ende August ist ihr FSJ dann vorbei. Was nehmen Sie mit?

Tolle Erinnerungen auf jeden Fall. Man sollte immer erst mal eine Sache ausprobieren und ein bisschen durchhalten, bevor man hinschmeißt. Man sollte sich einfach mehr zutrauen. Achja: und eine Ausbildung als Pflegefachkraft in einem anderen Altenheim ab dem 1. Oktober.

Der Plan mit dem Rohrleitungsbauer ist abgesagt?

Ja. Jetzt möchte ich erst einmal die dreijährige Ausbildung bestehen.

Das Gespräch führte Thomas Walbröhl.

Zur Person

Nils Böslau ist 17 und macht ein freiwilliges Soziales Jahr bei der Inneren Mission, als Altenpfleger in einer Einrichtung der Stiftung Friedehorst. Dort macht er nun nach seinem Realschulabschluss eine Ausbildung.
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