„Mensch Puppe!“ startet mit Open-Air-Festival in die neue Spielzeit Erst Theaterlust, dann kommt Kafka

Ostertor. „Puppenspiel stirbt nie aus“, betont Jeanette Luft, Mitglied des „Mensch, Puppe!“-Ensembles. „Puppenspiel ist immer mal wieder im Kommen.
24.08.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Ostertor. „Puppenspiel stirbt nie aus“, betont Jeanette Luft, Mitglied des „Mensch, Puppe!“-Ensembles. „Puppenspiel ist immer mal wieder im Kommen.“ Ein Wunsch nach dem Analogen in der zunehmend digitalen Welt sei es auch, was die Menschen für die Aufführungen des Bremer Figurentheaters begeistere, sagt sie. Zur Eröffnung der Spielzeit 2017/2018 gibt es die Puppen unter freiem Himmel, und zwar mit dem Open-Air-Festival „Theaterlust“ zum vierten Mal im Lichtluftbad im Strandweg 105 in der Neustadt. Vom 25. bis 27. August werden dort vier Stücke für Kinder und auch für Erwachsene von Jeanette Luft und den Ensemblemitgliedern Claudia Spörri und Leo Mosler aufgeführt.

Wobei die Bezeichnungen „Mensch“ und „Puppe“ wörtlich zu nehmen sind: „Es ist bei uns eine Mischform aus Schau- und Puppenspiel: Je nach Stück gibt es Schauspiel, Puppenspiel oder auch beides zusammen“, erzählt Jeanette Luft. Sie hat, wie ihr Kollege auch, das Fach „Puppenschauspiel“ an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin studiert, wo beide die ganze Bandbreite des Schauspiels mit und ohne Puppen vermittelt bekamen. Für Leo Mosler ist das Puppenschauspiel etwas Besonderes: „Bei Schauspielern gibt es Leute, die sich allein über Worte artikulieren, das wird aber schnell langweilig“, findet er, „doch bei Puppen geht viel über Gesten.“ Claudia Spörri hat Bewegungstheater studiert, wo viel Wert auf Ausdruck gelegt, was ihr bei dem Figurentheater zugute kommt, und weniger auf Worte. Die Vielfalt des Puppenschauspiels spiegelt sich daher auch im Repertoire des Figurentheaters wider: „Wir sind nicht auf eine bestimmte Form festgelegt und entscheiden jedes Mal neu“, erzählt Leo Mosler. Unendliche Möglichkeiten gebe es im Puppenspiel, ergänzt Jeanette Luft: Stabpuppen, Handpuppen, Klappmaulpuppen, Tischfiguren und auch verschiedene Marionetten: „Dabei ist die Marionette die schwerste Puppenart, das ist so, wie ein Instrument zu spielen“, sagt sie.

Nahezu 100 Charaktere umfasst das gesamte Repertoire des Figurentheaters. „Wenn ein Stück neu ist, sind bei manchen die Charaktere sofort da, andere muss man erst finden“, sagt Leo Mosler. „Und je häufiger man ein Stück spielt, desto mehr kommt man in die Figur rein.“ Das gilt sicherlich auch für das neueste Stück, das am 20. Oktober Premiere haben wird: Mit Franz Kafkas „Der Prozess“ wird sich „Mensch, Puppe“ einmal mehr an einem literarischen Klassiker orientieren: „Diese Odyssee wird komprimiert erzählt, wie Blitzlichter“, erzählt Mosler, „es kommen dort viele zwielichtige Charaktere vor, die sich sehr gut für Puppen eignen. Außerdem funktioniert das Absurde der Handlung beim Puppenspiel sehr gut.“ Die komprimierte Form lässt außerdem viel Humor in dem Werk Kafkas aufscheinen, erzählt Jeanette Luft. „Durch die Puppen wirkt auch nichts schwerfällig“, wobei Claudia Spörri auch betont: „Ein Teil des Bedrohlichen soll natürlich erhalten bleiben.“

Gäbe es eine Wunschliste für zukünftige Projekte, würde wohl jeder der drei Puppenschauspielerinnen und -schauspieler etwas anderes darauf notieren. Jeanette Luft würde gerne mal „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas und „Die Frau am Meer“ von Henrik Ibsen in dem Theater in der Schildstraße sehen, Claudia Spörri hingegen „Die Winterreise“ von Franz Schubert: „Musik als Ausdruck der Seele“, beschreibt Spörri ihren Wunsch.

Und die „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht mit der Musik von Kurt Weill, „wobei das aber schwierig ist, weil die Tantiemen an Musik und Text sehr teuer sind.“ Was Leo Mosler unbedingt mal spielen möchte? „Tanz der Vampire“ nach dem Film von Roman Polanski und „Schlimmes Ende“ von Philip Ardagh: „Das ist böse, aber auch lustig und ein wenig wie ein Film von Tim Burton. Absurde Typen sind dabei, das schreit förmlich nach einer Puppeninszenierung.“

Die nahe Zukunft wird allerdings erst einmal von der „Theaterlust“ im Lichtluftbad eingeläutet. Vier Stücke von Kabarett über Chansons, Clownerie und viel Musik, verteilt auf drei Tage, zeigt das Figurentheater. „Meze by Evrim“ sorgt für kulinarische Höhepunkte. Das Gelände des Lichtluftbades bietet Entspannung für die Erwachsenen, und viel Platz zum Spielen für die Kinder. „Wir würden uns freuen, wenn die Leute ins Lichtluftbad kommen, weil wir das selber dort so schön finden“, sagt Claudia Spörri. „Wir sind alle mit Herz dabei und sind glücklich, dass wir das tun, was wir möchten und das auch können.“

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