Baustelle der Bremer Landesbank Erste Blicke in den 50-Millionen-Euro-Bau

Die Bremer Landesbank baut an ihrem Stammsitz am Domshof ein neues Domizil. Jetzt hat sie erstmals Einblick in das Innere des 50-Millionen-Euro-Baus gegeben.
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Erste Blicke in den 50-Millionen-Euro-Bau
Von Jürgen Hinrichs

Die Bremer Landesbank baut an ihrem Stammsitz am Domshof ein neues Domizil. Jetzt hat sie erstmals Einblick in das Innere des 50-Millionen-Euro-Baus gegeben.

Kundenhalle ist kleiner geworden, aber immer noch imposant

Die Kundenhalle ist kleiner geworden, das fällt sofort auf. Sie ist immer noch imposant, allein die Deckenhöhe von zehn Metern und der kolossale Eingang, der sich von außen nach innen stülpt. Der Raum hat aber nicht mehr die Tiefe. Der Boden wird ein Mosaik sein und die Decke – etwas Besonderes. „Schauen Sie“, sagt Elbin, „die Decke ist nicht gerade, sie läuft an den Rändern hoch.“ Das hat statische Gründe, weil es keine Stützpfeiler gibt, soll aber auch optisch etwas hermachen. „Wir werden die Fugen so setzen, dass der Eindruck noch verstärkt wird.“ Die Decke wölbt sich, sie ist konvex.

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Ambitioniert, an so einer Ecke zunächst alles platt zu machen, um sich dann mit einer sehr komplizierten Baustellenlogistik an den Neubau zu wagen. Der Abriss war ein Spektakel, das jeden Tag unzählige Zuschauer hatte. Spannend, wie da langsam ein wesentlicher Teil des Stadtbildes verschwand und sich neue Blickachsen auftaten. Das Rathaus bekam plötzlich einen anderen Rang, es wurde dominanter. Genauso die Liebfrauenkirche.

Ein bisschen was wird von diesen Eindrücken bleiben. Die Landesbank tritt an der Ecke zum Rathaus zurück, sieben Meter gegenüber dem früheren Gebäude. Das neue Haus, entworfen vom Architekten Peter St. John aus London, bildet mit dem Altbau fortan eine Flucht. „Beeindruckend, finden Sie nicht?“, fragt Elbin, „man blickt ganz anders zum Domshof hin.“

Grafschafter Klinker aus einer Ziegelei im Emsland, Sonderedition

Stein um Stein wird jetzt die Fassade verkleidet. Grafschafter Klinker aus einer Ziegelei im Emsland, Sonderedition, nur für die Landesbank. Der Stein, ist er braun oder rot oder irgendetwas dazwischen? Elbin mag sich nicht so recht entscheiden, erdig, sagt er, rot-braun. „Oder was meinen Sie?“

Der Stein, ganz wichtig, er prägt zusammen mit der Architektur die Anmutung des Gebäudes. Lange wurde beraten, die Emsländer schickten Proben, kleine verklinkerte Mauerstücke, die vor die Fassade gehängt wurden, nebeneinander, damit man vergleichen konnte und eine Ahnung bekam, wie der jeweilige Stein auf der gesamten Fläche aussehen könnte. Und wie er mit der Umgebung korrespondiert, mit dem Klinker des Rathauses vor allem. „Den wollten wir auf keinen Fall imitieren, andererseits sollte es aber miteinander harmonieren“, erklärt der Geschäftsführer. Ein langer Prozess, sagt er, bis die Lösung gefunden wurde. Der Stein und die Fuge, denn auch darum ging es – wie grob, wie sauber soll verfugt werden?

Der Altbau hat eine Fassade aus Sandstein, die während der Sanierung gesäubert und ausgebessert wurde. Eine Gelegenheit, sich der Figuren anzunehmen, mit denen das Haus geschmückt wurde. Soll und Haben, zum Beispiel, was einer Bank gut zu Gesicht steht. Zwei Skulpturen, Mann und Frau, lebensgroß. Die Frau liest in einem Buch, ihr wird das Soll zugeschrieben, so steht es auf ihrem Gewand. Der Mann, da erschließt sich das besser, zeigt mit der rechten Hand eine Münze und hält in der linken einen Beutel voller Geld. Ihm haben sie das Haben eingemeißelt.

Solche Details – noch in diesem Jahr kommen sie wieder zum Vorschein, wenn das Gerüst abgenommen wird. Im Erdgeschoss des Altbaus zieht Gastronomie ein, dort, wo vor den Bauarbeiten Schmidt’s Bar war. Es wird wieder Außenplätze geben, mehr als vorher, weil der Platz dafür da ist, nachdem ein alter Eingang der Bank geschlossen wurde. In der Katharinenstraße belegt die Landesbank das Erdgeschoss wie früher mit Läden.

So gut wie keine Heizkörper

Heizkörper wird es in dem 50-Millionen-Euro-Bau so gut wie keine geben. „In einem Bürohaus und mit dieser Dämmung, geht es eher darum, Wärme abzugeben“, erklärt Elbin. Die Planer haben sich für eine Betonkernaktivierung entschieden. In allen Decken sind Leitungen verlegt, durch die entweder kaltes oder warmes Wasser geschickt wird. Elbin: „Das ist der Vorteil von Beton, er nimmt Energie auf und gibt sie langsam wieder ab.“

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Ohne eine konventionelle Heizung geht es am Ende aber doch nicht. Was an Wärme benötigt wird, kommt von einer Anlage, die im Amtsgericht an der Ostertorstraße steht. Sie ist so groß, dass auch das Rathaus und die Kunsthalle versorgt werden können und jetzt sogar noch Kapazitäten für die Landesbank da sind. Komplettiert wird das Energiekonzept von einer großen Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Frieren werden die Mitarbeiter jedenfalls nicht. Ihre Büros sind so gruppiert, dass auf den Fluren genug Platz ist für Sitzgruppen, Schränke und kleine Küchen. Ein Treffpunkt wie im Innenhof oder in der Kantine, die bei der Landesbank Kasino heißt. Der Raum ganz oben im Haus ist eine Wucht: Ungewöhnlich geschnitten, mit interessanten Wölbungen und Dachgauben und freier Sicht bis zum Dom und seiner Uhr. Wissen, wann Mittag ist.

Ganz oben, das ist die Belle Etage, sagt Elbin. Hier werden Gäste und Kunden empfangen, Tagungen abgehalten, oder der Aufsichtsrat kommt zu einer Sitzung zusammen. Beim ersten Mal werden die Mitglieder das Haus besichtigen. Alles neu, und dieser Blick – schöne Aussichten!

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