Gerstensaft mit Gröpelinger Geschmack wird gebraut

Erste Hopfenernte auf der Gemüsewerft

Seit Mai wird in Gröpelingen Aromahopfen angebaut, nun ist es so weit: Seit zwei Wochen läuft im Urban-Gardening-Projekt „Gemüsewerft“ die Ernte: Mit den Dolden von Tettnanger, Saphir, Hallertauer Perle und Cascade will Brauingenieur Markus Freybler in den kommenden Wochen in der Gasthausbrauerei Schüttinger ein neues Bremer Bier produzieren.
25.09.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Anne Gerling
Erste Hopfenernte auf der Gemüsewerft

GiB-Geschäftsführer Michael Scheer (links) und Brauingenieur Markus Freybler mit den ersten, auf der Gemüsewerft geernteten Hopfendolden, aus denen nun Bier gebraut wird.

Roland Scheitz

Seit Mai wird in Gröpelingen Aromahopfen angebaut, nun ist es so weit: Seit zwei Wochen läuft im Urban-Gardening-Projekt „Gemüsewerft“ die Ernte: Mit den Dolden von Tettnanger, Saphir, Hallertauer Perle und Cascade will Brauingenieur Markus Freybler in den kommenden Wochen in der Gasthausbrauerei Schüttinger ein neues Bremer Bier produzieren.

„Hören Sie mal“, sagt Brauingenieur Markus Freybler und dreht eine kleine grüne Dolde zwischen Daumen und Zeigefinger. Ganz eindeutig: Es raschelt wie Papier. „Das ist eines von mehreren Indizien“, sagt Freybler und zwirbelt kräftig weiter an dem kleinen Hopfenzapfen – von dem nun sogar schon einige Blätter abfallen. Im Inneren der kleinen Ähre kommt eine klebrige gelbe Substanz zum Vorschein, die den Duft von Zitrusfrüchten verströmt. „Darauf haben wir es abgesehen: Das sind die Hopfenbitterstoffe“, erklärt Freybler. „Der Hopfen ist reif!“

Im Mai hatten Freybler und Michael Scheer, Geschäftsführer der Gesellschaft für integrative Beschäftigung (GiB) auf der Gröpelinger „Gemüsewerft“ vier Hopfensorten angepflanzt: Die drei hochfeinen und für Pilsbiere geeigneten Sorten Tettnanger, Saphir und Hallertauer Perle und die amerikanische Züchtung Cascade, die hierzulande bislang nur in Bayern wächst.

Man habe den Pflanzen förmlich beim Wachsen zugucken können, schildern Freybler und Scheer – auf 4,70 Meter Höhe hat es ihr Hopfen in diesem Jahr gebracht; und seit zwei Wochen werden nun auf dem Urban-Gardening-Gelände an der Basdahler Straße Hopfendolden geerntet. Freybler möchte daraus eine weitere Sorte seines „Hopfenfänger“-Bieres kreieren – und zwar gemeinsam mit dem Braumeister der Gasthausbrauerei Schüttinger. Dort wurde 1990 die alte Bremer Tradition der Hausbrauereien wieder zum Leben erweckt. Noch wird an der Rezeptur für das gemeinsame Projekt gefeilt; sobald die beste Mischung gefunden ist, wird gebraut, und nach weiteren vier Wochen soll das erste Fass angestochen werden. Auf der Genussmesse „Fisch und Feines“ Mitte November will Freybler dann den Gerstensaft mit Gröpelinger Geschmack präsentieren: „Ein obergäriges Bier mit Hopfen, der aus Bremen kommt. Und das so schmeckt, wie es vielleicht mal vor ein paar Hundert Jahren geschmeckt hat.“ Dazu möchte der Findorffer Brauingenieur gefüllte eingelegte Hopfenblätter reichen – auch an diesem Rezept arbeitet er derzeit noch.

Im Juni war Freybler – der sich „Kuckucksbrauer“ oder auch „Gipsy-Brewer“ nennt, da er sich für seine Produktion in kleinen Brauereibetrieben einmietet – mit seinem Hopfenfänger-„Sommerbier“ gestartet. Diese Sorte ist mittlerweile ausverkauft; daneben hat Freybler mit dem „India Pale Ale“ und einem traditionellen Rotbier zwei weitere Sorten im Sortiment.

Sobald sie abgeerntet sind, werden die Hopfenstauden zunächst auf einen Meter heruntergeschnitten – sodass die Kräfte in die Wurzeln gehen – und später im Herbst dann komplett gestutzt. Im kommenden Jahr werden die Pflanzen deutlich kräftiger sein und auch einiges mehr an Dolden ausbilden, erwartet Michael Scheer von der Gemüsewerft. Er ist nach seinem ersten Hopfen-Anbau-Jahr um einiges an Erfahrungen reicher und kündigt an: „Wir werden im nächsten Jahr das Gestell auf sieben Meter Höhe bauen und die Anbaufläche verzehnfachen.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+