Wunsch nach weiteren Auslaufflächen ist groß Erste städtische Hundespielwiese eröffnet in der Vahr

Emmy buddelt in der Erde, Staub wirbelt durch die Luft. Auf der Grünfläche am Rande des Carl-Goerdeler-Parks in der Vahr tobt die Hündin auf der ersten städtischen Hundespielfläche Bremens herum. Ohne Leine.
21.05.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Thilo Neumann

Emmy buddelt in der Erde, Staub wirbelt durch die Luft. Als es ihr genug ist, steigt der Yorkshire-Malteser-Mischling aus dem Erdloch, läuft einen großen Bogen über die Wiese und wälzt sich schließlich im Gras. Um Emmys Rumpf hängt ein Hundegeschirr mit der Aufschrift „Ich darf alles!“ Hier, auf der etwa 90 mal 40 Meter großen Grünfläche am Rande des Carl-Goerdeler-Parks in der Vahr, gilt diese Maxime: Emmy tobt auf der ersten städtischen Hundespielfläche Bremens herum. Ohne Leine.

Noch ist das umzäunte Gelände, angrenzend an die Galopprennbahn, nicht offiziell eröffnet. Das Eingangstor fehlt, Hinweisschilder müssen noch montiert werden. Ein Einweihungstermin werde in den nächsten Tagen bekannt gegeben, sagt Björn Döhle, Referent in der Umweltbehörde. Wie lange die Fläche danach genutzt werden könne, sei offen. „Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das zunächst ein Jahr laufen soll“ , erklärt Döhle. Danach werde man schauen, in welchem Umfang die Fläche genutzt werde. „Wir hoffen, dass das Angebot angenommen wird“, sagt Ulrich Höft, Leiter des Ortsamts Hemelingen, in dessen Einzugsgebiet die Wiese liegt.

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Ginge es nach den Hundebesitzern in der Vahr, sollte die Fläche dauerhaft eingerichtet werden. „Das ist eine gute Sache“, sagt Stefanie Henke, die Halterin von Emmy. Vor allem für kleinere Hunde sei die Wiese ideal, aber auch größere Tiere könnten hier gut spielen. Henke: „Die verteilen sich ja auf dem Areal.“ Auch Anwohner Dennis Schlüter begrüßt das Projekt. Er wundert sich allerdings über die Lage, die sich die Stadt für das Experiment ausgesucht hat. „In anderen Stadtteilen mit weniger Grünflächen wäre der Bedarf wahrscheinlich größer“, meint Schlüter, während sein Jack-Russell-Mischling Kalle mit Artgenossen ausgelassen auf der Wiese herumrennt. Es gebe zu wenig Räume in Bremen, in denen Auslauf für Hunde ohne Leine erlaubt sei, sagt Schlüter.

Spannungen zwischen Kleingärtnern und Hundebesitzern

Keine zwei Kilometer entfernt, am Vahrer Feldweg: Ralph Bettinger und Jürgen Baurycza schauen kopfschüttelnd einem Senior hinterher, der seinen Hund unangeleint laufen lässt. Die Vorsitzenden des Kleingartenvereins Sebaldsbrück stehen in ihrer Parzellenkolonie zwischen Gartenzwergen und Stiefmütterchen. „Die Uneinsichtigkeit ist das größte Problem, ein Dialog nicht möglich“, schildert Baurycza die Spannungen zwischen Kleingärtnern und Hundebesitzern. Nahezu alle Halter würden ihre Vierbeiner in der Anlage frei laufen lassen.

Vor drei Jahren brachten die Kleingärtner auf eigene Kosten Hinweistafeln am Wegesrand an, auf denen zu Leinengängen aufgerufen wurde. Wenige Tage später zerstörten Unbekannte die Schilder, beschmierten das Vereinsheim mit „Hundehasser“-Sprüchen und Bildern kotender Hunde. Eine provokante Illustration des größten Problems am Vahrer Feldweg, meint Bettinger. „Wir sind ein großes Hundeklo.“ Manche Halter würden die Hinterlassenschaften ihrer Hunde nicht aufnehmen, was dann die Kleingärtner zu erledigen hätten.

Angela Hörmann fühlt sich von diesem Vorwurf nicht angesprochen, sie beseitige die Haufen ihrer Hündin Lola immer sofort. Die 47-Jährige trifft sich in Sichtweite zum Kleingarten-Vereinsheim mit anderen Hundebesitzern. Von dort starten sie ihren Rundgang über die Kieswege rund um den Vahrer Feldweg. Die Vierbeiner sind dabei meist nicht angeleint, was den Zorn der Kleingärtner erregt. Für Hörmann unverständlich, schließlich gebe es keine Spielfläche in der Nähe. „Man fährt doch nicht extra zur nächsten Hundewiese“, sagt sie, „sondern man geht zur nächstgelegenen Grünfläche.“ Diese sei für sie nun mal beim Kleingartenverein. Dort herrscht zwar gesetzliche Leinenpflicht (siehe Artikel unten), aber ihre Lola „tut doch keinem was“, wie Hörmann betont.

Zwei weitere Pilotflächen geplant

Abhilfe könnte eine Hundewiese auf einer nahen Grünfläche schaffen, doch bislang ist das Gelände am Carl-Goerdeler-Park ein Unikat. Zwei weitere Pilotflächen sind laut Umweltbehörde aber angedacht: in Oberneuland am Bahnhofsübergang an der Franz-Schütte-Allee und in Mitte auf dem Grünstreifen des Rembertikreisels. Konkrete Termine gibt es aber nicht.

Für Wolfgang Apel ist das ein „nicht begreifbarer“ Zustand. „Die Hundewiese in der Vahr ist ein erstes positives Signal“, so der Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins ein, aber: „Wenn es in dem Tempo weitergeht, brauchen wir noch 100 Jahre, bis wir genug Auslaufflächen haben.“ Die Leinenpflicht in der Hansestadt sei ein „Aufruf zur Tierquälerei“ und nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Apel fordert, dass die Einnahmen aus der Hundesteuer den Vierbeinern zugute kommen und für den Bau von Freilaufflächen eingesetzt werden. Areale, wie es sie in anderen Großstädten bereits in Massen gibt. Hamburg etwa weist über 100 Hundeauslaufzonen im Stadtgebiet aus, auch in Berlin gibt es Dutzende Anlagen, in denen Hunde spielen können.

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In Bremen sei es eine „Herausforderung“, solche Flächen zu schaffen, wie Jens Tittmann, Sprecher der Umweltbehörde, bereits im vergangenen Jahr erklärte. Das Auswahlverfahren sei komplex. Tittmann: „Wenn wir Flächen freigeben, muss geklärt sein, dass kein Mensch zu Schaden kommt.“ Das klingt nach wenig Hoffnung für Hundehalter abseits des Carl-Goerdeler-Parks – die erste städtische Hundespielwiese Bremens könnte auf unbestimmte Zeit ein Einzelfall bleiben.

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