50 Jahre Klinikum Links der Weser

Erster Küchenchef im neuen Krankenhaus

In einer Artikelserie erinnern sich ehemalige Beschäftigte des jetzt genau 50 Jahre alten Klinikums Links der Weser an ihre alte Wirkungsstätte. Den Auftakt macht der einstige Küchenchef Wolfgang Klausing.
03.01.2018, 16:49
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Erster Küchenchef im neuen Krankenhaus
Von Detlev Scheil
Erster Küchenchef im neuen Krankenhaus

Wolfgang Klausing (ganz links) richtete mit Kollegen das kalte Büfett für die Weihnachtsfeier 1979 an.

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Wolfgang Klausing musste sich gewaltig umstellen. Als Küchenchef im renommierten Hotel zur Post am Hauptbahnhof hatte er regelmäßig für eine noch überschaubare Anzahl von Gästen leckere Gerichte zubereitet. Dann wechselte er zum neu erbauten Krankenhaus Links der Weser (LDW) und war für die Beköstigung von bis zu 650 Patienten verantwortlich. Doch Klausing hatte Freude an seiner Aufgabe, und heute, 50 Jahre später, erinnert sich der 81-jährige Huchtinger gerne an seine 27-jährige Arbeit im Klinikum LDW zurück.

In einer Artikelserie zum Jubiläum berichten in den nächsten Ausgaben des Stadtteil-Kuriers auch andere ehemalige Beschäftigte über das Klinikum.

Das auf der grünen Wiese zwischen Kattenturm und Arsten erbaute Großkrankenhaus hat am 2. Januar 1968 die ersten Patientinnen und Patienten aufgenommen. Anders als zunächst vorgesehen, wird es nun zum Jahresauftakt 2018 keinen Festakt zum 50-jährigen Bestehen geben. Doch aufgeschoben heißt nicht aufgehoben.

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Die Feierlichkeiten sollen im Juni begangen werden, wie Sprecher Rolf Schlüter von der Gesundheit Nord (Geno) berichtet: „Die Festwoche wird am Sonntag, 17. Juni, mit der öffentlichen Veranstaltung ‚Tag der Sicherheit‘ beginnen. Am 18. Juni wird der offizielle Festakt stattfinden, und am 19. Juni das Konzert ‚Musik im Hof‘ bei der Kinderklinik.“ Für den Verlauf der Woche seien noch weitere Veranstaltungen in Vorbereitung, den Abschluss bilde „ein rauschendes Betriebsfest“.

Bereits ein gutes halbes Jahr vor dem Abschluss der Bauarbeiten trat der 31-jährige Familienvater Wolfgang Klausing, der damals in der Vahr wohnte, seine neue Stelle als Küchenchef im Krankenhaus an. Der gebürtige Waller, Sohn eines Gastwirts in der Elisabethstraße, hatte nach dem Schulabschluss zunächst Schlachter gelernt und anschließend Koch im Hotel zur Post, wo er bis zum Küchenchef aufstieg.

„Eigentlich wollte ich gleich Koch lernen, doch Fritz Rößler, Chef des Hotels zur Post, hat mich weggeschickt, weil ich als 15-Jähriger klein und schmächtig war. So einen Hänfling könne er nicht gebrauchen“, sagte Rößler. Im zweiten Anlauf setzte sich Klausing durch. Auf Dauer wurde ihm der Job jedoch zu anstrengend. „An fast jedem zweiten Wochenende gab es Hochzeitsgesellschaften, und da musste der Koch bis zum Mitternachtsbüfett bleiben“, erzählt Klausing. „Meine Kinder bekamen mich kaum zu Gesicht.“

Zu Beginn nur Mini-Küchen

Da traf es sich gut, dass das neue städtische Krankenhaus einen Chefkoch suchte. Im öffentlichen Dienst waren geregelte Arbeitszeiten zu erwarten. „Meine erste Bewerbung hatte aber keinen Erfolg, weil man einem Hotelkoch die Aufgabe zunächst nicht zutraute“, erinnert sich Klausing. Als das Bewerbungsverfahren aus formellen Verfahren wiederholt werden musste, kam Klausing doch zum Zuge.

Um für bis zu 650 Patienten zu kochen, waren große Küchenkessel nötig. Das ist nur ein Teilbereich der 1968 in Betrieb gegangenen Großküche des Klinikums.

Um für bis zu 650 Patienten zu kochen, waren große Küchenkessel nötig. Das ist nur ein Teilbereich der 1968 in Betrieb gegangenen Großküche des Klinikums.

Foto: Klinikum LdW

Als er im Sommer 1967 anfing, war es noch eine große Baustelle, nur der Block A war fertig samt zwei Mini-Küchen. Klausing geriet in helle Aufregung, als er hörte, dass ein internationaler Kinderchirurgenkongress im August 1967 bevorstand und er die Mediziner aus aller Welt samt deren Familien morgens, mittags und abends beköstigen sollte. „Der arme Herr Klausing verzweifelte fast, weil er kaum Kochtöpfe hatte“, berichtet eine Zeitzeugin im Buch zum 25-jährigen Bestehen des Klinikums 1993.

Die Hauptküche wurde im Untergeschoss eingerichtet. „Ich konnte auf moderne Geräte zurückgreifen und sogar auf eine komplett eingerichtete Schlachterei“, berichtet Klausing. Die Schlachterei habe man im Grunde nicht benötigt, aber sie sei mitgebaut worden, weil die Baupläne aus Frankfurt am Main übernommen worden seien. Dort war kurz zuvor ebenfalls ein Großkrankenhaus gebaut worden, und dessen Architektur wurde eins zu eins übernommen.

Auch ein Bäcker und Konditor waren im Klinikum LDW angestellt

Der gelernte Schlachter Klausing war allerdings glücklich, zum Beispiel zum fachgerechten Zerteilen angelieferter Rinderviertel auf Profi-Maschinen zurückgreifen zu können. Später wurde für die Küche sogar ein gelernter Schlachter eingestellt, der von der geschlossenen Bremer Freibank – einer Verkaufsstelle für minderwertiges, aber verzehrbares Fleisch – übernommen wurde. Auch ein Bäcker und Konditor gehörte zum Personal.

Das Krankenhaus Links der Weser kurz nach der Fertigstellung im Herbst 1967. Die ersten Patienten wurden im Januar 1968 aufgenommen.

Das Krankenhaus Links der Weser kurz nach der Fertigstellung im Herbst 1967. Die ersten Patienten wurden im Januar 1968 aufgenommen.

Foto: KLAUS SANDER, Bremer Tageszeitungen AG

Aus dem Vorfeld der Krankenhaus-Eröffnung ist Klausing eine weitere denkwürdige Anekdote in Erinnerung: Eines Tages mussten jede Menge Wolldecken ins Gebäude geschleppt werden, die für die 656 Patientenbetten angeliefert wurden. „Die Wolldecken wurden dann aber ganz schnell wieder aussortiert und verschenkt, weil sie für die frisch operierten Patienten einfach zu schwer waren. Sie wurden durch leichtere Bettdecken aus Kunststoffmaterial ersetzt.“

Der Koch schob auch mal Betten

Bevor im Januar 1968 die ersten Patienten aufgenommen wurden, hatte Wolfgang Klausing durchaus abwechslungsreiche Arbeitstage. Zunächst bot er einen Mittagstisch für die Bauarbeiter an. Er kümmerte sich auch um die weitere Ausstattung der Küche und wirkte bei der Auswahl des Küchenpersonals mit. „Zwischendurch musste ich ab und zu Betten schieben, wenn die Stationen neu eingerichtet wurden“, erzählt er. Nach und nach wuchs die Personalstärke. Schließlich standen 40 Ärzte, 170 Krankenschwestern und -pfleger, 20 medizinisch-technische Assistentinnen und Assistenten sowie 50 Küchen- und Verwaltungskräfte bereit.

„Mit der Präzision eines Uhrwerks war die Maschinerie des Krankenhauses angelaufen“, hieß es in einem Artikel des WESER-KURIER zur Eröffnung. Auch über das Geschehen in der Küche am Eröffnungstag wurde in dem Text berichtet: „Unter der Regie des Chefkochs bereiteten fleißige Köche das erste Mittagessen – Königsberger Klopse mit Kartoffeln und Salat – im neuen Haus vor.“

Dank einer Vorruhestandsregelung konnte Wolfgang Klausing bereits weit vor der Vollendung des 65. Lebensjahres Anfang der 90er-Jahre in den Ruhestand gehen. Auch wenn er als Witwer heute allein lebt, kocht der 81-jährige Huchtinger immer noch gern: „Fast jeden Tag stehe ich am Herd, Fertigmenüs gibt es bei mir nicht!“

Die anderen Teile der Serie:

Teil 2 | Der frühere Pflegedirektor Günter Wollborn berichtet

Teil 3 | Der einstige Chefarzt für Innere Medizin Gerald Klose im Interview

Teil 4 | Erzieherin Ursula Doms arbeitete 40 Jahre in der Kinderklinik

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