Lohse: Schnellroute machbar Erster Radschnellweg kann gebaut werden

Der Radschnellweg zwischen Farge und Bremen-Hemelingen kann gebaut werden. Große Probleme sollte es dabei nicht geben, heißt es im Bauressort unter Verweis auf die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie.
13.09.2017, 12:13
Lesedauer: 4 Min
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Von Antje Stürmann

Radfahrer in Bremen könnten ihre Ziele bald schneller erreichen als bisher. Für freie Fahrt soll eine Fahrrad-Premiumroute von Farge quer durch die Innenstadt nach Mahndorf sorgen. Die kann laut Bausenator Joachim Lohse (Grüne) nun gebaut werden. Bestehende Probleme wie zu schmale Straßen oder mögliche Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern lassen sich laut Lohse ohne größeren Aufwand lösen. Umweltschützer hatten vor zwei Wochen angemahnt, das Verkehrsressort solle den Bau der Premiumroute endlich in Auftrag geben.

Am Mittwoch stellte Joachim Lohse die Ergebnisse eines Gutachtens vor, das die Sicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) bestätigt: Die Route sei mit relativ geringem Aufwand so zu gestalten, dass Radfahrer künftig sicherer und schneller von A nach B kommen. "Nur 15 Prozent der Strecke müssten noch um- oder ausgebaut werden", so der Leiter der Projektgruppe im Bauressort, Wilhelm Hamburger. Ein Drittel der Strecke sei für den schnellen Radverkehr jetzt schon gut nutzbar. Auch die Finanzierung könne Bremen wuppen, teilte Lohse mit.

Die Trasse vom Bremer Nordwesten in den Südosten ist die längste von acht Routen, die für den schnellen Radverkehr ausgebaut werden sollen. "Wenn diese, mit 43 Kilometern längste Strecke machbar ist, dann sind es auch die anderen Routen mit all ihren Schwierigkeiten", glaubt Wilhelm Hamburger. Insgesamt haben die Verfasser der Machbarkeitsstudie 300 Kilometer Radweg geprüft. Laut Lohse ist Bremen bundesweit die erste Stadt, die ein flächendeckendes Schnellradwegenetz konzipiert. In anderen Städten seien bislang nur Teilstrecken ausgebaut worden. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie soll nun in den politischen Gremien diskutiert und die Streckenführung konkretisiert werden.

Stadtverkehr entlasten

An diesem Donnerstag will sich die Umwelt- und Verkehrsdeputation mit den Ergebnissen der Studie beschäftigen. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Ralph Saxe, sieht in der Radpremiumroute ein starkes Signal für mehr Klimaschutz und weniger Luftverschmutzung: „Diese Route führt durch bevölkerungsstarke Wohngebiete und kann dem Fahrradverkehr in Bremen weiteren Schwung verleihen." Ein hoher Radverkehr-Anteil verhindere, dass Bremen an Auto-Abgasen ersticke. Das sieht auch die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Heike Sprehe, so. Saxe: "Wir schaffen mit dem Radschnellweg attraktive Rahmenbedingungen, die noch mehr Menschen zum umweltfreundlichen Umsatteln bewegen können." Jede Tour mit dem Fahrrad entlaste den Stadtverkehr, sorge für bessere Luft und verringere nicht zuletzt auch den Lärm, so der Grünen-Politiker.

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Der Radschnellweg könnte fast zur Hälfte durch ruhige Wohnstraßen geführt werden und zu knapp 40 Prozent auf separaten Radwegen – also überwiegend abseits des starken Autoverkehrs, sagen die Grünen zu den Plänen. Die Premiumrouten werden laut Verkehrsbehörde mitten durch die Stadt, also am Bahnhof, an Kindergärten und Supermärkten vorbei führen, um die Zentren der Stadt zu verbinden. Alle Fahrer von Elektrorädern sollen genug Platz bekommen, um mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 Kilometern pro Stunde unterwegs sein zu können.

Die asphaltierten Fahrbahnen werden mit rund vier Meter deutlich breiter sein als herkömmliche Radwege. Eine übersichtliche Streckenführung ist Pflicht – enge Kurven und Engpässe sind tabu. Der Routenverlauf soll auf der gesamten Strecke durch einheitliche Randmarkierungen und farbige Fahrrad-Piktogramme deutlich gemacht werden. Um den Radfahrern auf einem Großteil der Strecke Vorfahrt einzuräumen, ist die Einrichtung von zusätzlichen Fahrradstraßen ebenso vorgesehen wie der Umbau von Kreuzungsbereichen. Auswirkungen auf den Autoverkehr soll das laut Wilhelm Hamburger nicht haben, außer dass Störungen beseitigt werden.

Umweltschützer machen Druck

Die Kosten für den Bau der Radstrecke von Farge nach Hemelingen beziffern die Planer mit knapp 20 Millionen Euro. Das sei deutlich weniger als bei vergleichbaren Projekten in anderen Städten, heißt es. Im Haushalt seien vorerst 1,4 Millionen Euro für die Planung und den Bau erster Teilstrecken vorgesehen, so Gunnar Polzin vom Bauressort. Zusätzlich bewerbe sich Bremen auf Bundesmittel. Dieser Topf sei mit 25 Millionen Euro allerdings nicht besonders gut gefüllt. Die Arbeiten könnten im Frühjahr 2019 beginnen. Wann der Radschnellweg fertig ist, kann Lohse nicht sagen: "Vielleicht in fünf, sechs oder acht Jahren", schätzt er. Das hänge von der weiteren Finanzierung ab.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz macht Druck: Seit die Bürgerschaft vor drei Jahren den Verkehrsentwicklungsplan 2025 beschlossen habe, sei in Sachen Premiumrouten bislang kaum etwas passiert. Nach der Ankündigung Lohses drängt der BUND weiter auf eine zügige Detailplanung und Umsetzung: „Vor allem die unproblematischen Abschnitte der Premiumroute und die, die dem Radverkehr die meisten Vorteile bieten, müssen jetzt schnell gebaut werden“, fordert der Bremer Vorsitzende, Dieter Mazur. Der BUND sieht in den Premiumrouten die zentralen Achsen des künftigen innerstädtischen Radverkehrssystems. Zugleich könnten attraktive, die Stadtgrenzen übergreifende Wegeverbindungen geschaffen werden, sodass künftig mehr Pendler aus den Nachbargemeinden mit dem Fahrrad statt mit dem Auto nach Bremen ein- und auspendeln.

Dafür müsse sich Bremen erst noch mit der niedersächsischen Gemeinde Achim abstimmen, sagt Projektgruppenleiter Wilhelm Hamburger. Der Verkehrsentwicklungsplan 2025 enthält keine Vorgaben für eine Zusammenarbeit.

Dieser Artikel wurde am 13.09.2017 um 19:59 Uhr aktualisiert.

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