A281

Erster Spatenstich für neuen Wesertunnel

Mit einem symbolischen ersten Spatenstich wurden am Donnerstag die Arbeiten für eine neue Weserquerung begonnen. Der Bauabschnitt ist Teil der A281. Die Festredner würdigten ihn als neue Lebensader Bremens.
10.01.2019, 18:00
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Erster Spatenstich für neuen Wesertunnel
Von Ralf Michel
Erster Spatenstich für neuen Wesertunnel

(vli.) Carsten Sieling, Dirk Brandenburger (Geschäftsführer DEGES), Enak Ferlemann, Joachim Lohse

Christina Kuhaupt

Es hat schon Eröffnungen von Teilabschnitten für die Autobahn 281 gegeben, die weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, weil die Bremer Bau- und Umweltbehörde schlicht vergessen hatte, dazu einzuladen. Aber nicht diese. Mit großem Bahnhof, symbolischen Spatenstich und zahlreichen Gästen fiel am Donnerstag in Gröpelingen der offizielle Startschuss für den vierten Bauabschnitt (BA) der A 281. Knapp fünf Kilometer Straße, die die A27 in Gröpelingen mit dem bereits fertigen Abschnitt der A281 in Strom verbinden. Inklusive dem Herzstück der Baumaßnahme, dem 1680 Meter langen Wesertunnel.

Sogar für Live-Musik war gesorgt. Vor einem großen gelben Bagger nahm der Neustädter Shanty-Chor Aufstellung und entführte die Festgäste stimmgewaltig nach Madagaskar. Die perfekte Überleitung für Bremens Bau- und Umweltsenator, der als erster Redner ans Mikrofon trat.

Er habe da gerade etwas von "wir hatten die Pest an Bord" gehört, schlug ein gut gelaunter Joachim Lohse (Grüne) den Bogen zur schier unendlichen Geschichte dieses Bauabschnittes. Der Planfeststellungsbeschluss für das Teilstück, also sozusagen die Baugenehmigung, habe bei seiner Vereidigung zum Senator im Juni 2011 schon ein Jahr lang vorgelegen, erinnerte sich Lohse. Doch dann kamen Einsprüche, Beschwerden und Klagen bis hin zum Bundesverwaltungs- und zum Bundesverfassungsgerichts.

A281 - erster Spatenstich für die Weserquerung

Zunächst werden Abbruch- und Rodungsarbeiten durchgeführt sowie Bodenbelastungen und Kampfmittel entsorgt.

Foto: Christina Kuhaupt

Abgehakt. Vergangenheit. Die Rechtsstreitigkeiten sind beigelegt. Laut Baubehörde müssen zwar noch letzte Vereinbarungen mit dem Unternehmen Holcim getroffen werden. Das habe aber dem Beginn der Baumaßnahme nicht im Wege standen.

Noch weiter zurück als Lohse ging Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Er zitierte aus einer Aktuelle Stunde in der Bürgerschaft im September 2001. Als baupolitischer Sprecher seiner Fraktion konnte er damals den optimistischen Einschätzungen der CDU, dass die Weserquerung 2008 fertig sein würde, nichts abgewinnen. Realistischer sei es da doch wohl, von 2010 auszugehen... Mehr als 17 Jahre später lag Sieling nun eine besondere Grußadresse am Herzen: "Ich bedanke mich bei allen, die die Nerven behalten haben."

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Foto: Grafik WESER KURIER

Eine Umfahrung, die gebraucht wird

"Warum noch einen Tunnel?", führte der dritte Festredner, Enak Ferlemann, Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, die versammelten Zuhörer zurück in die Gegenwart. Jeder, der schon einmal auf der B6 oder der B75 im Stau gestanden habe, könne die Frage beantworten. "Wir brauchen diese Umfahrung." Es werde mit 40.000 Kraftfahrzeugen gerechnet, die ab 2024 täglich durch den neuen Wesertunnel rollen. "Und die fahren dann hier. Und nicht mehr durch die Stadt."

Rund 345 Millionen Euro sind für den Bauabschnitt 4 der A281 veranschlagt. Diese Kosten werden fast vollständig vom Bund getragen. Bremen beteiligt sich mit 1,2 Millionen Euro – Mehrkosten, die durch eine leichte Verschiebung des Tunneleingangs mit Rücksicht auf die Bürger Seehausens entstanden sind.

Durch den Lückenschluss im Westen Bremens werde der Bau des Autobahnrings A281 wesentlich vorangetrieben, betonte Ferlemann. "Das entlastet die Straßen in Bremen – und verbessert die Anbindung der Hansestadt an das internationale Fernverkehrsnetz." Damit würden die Region und die Entwicklung des Güterverkehrszentrums, des Flughafens und der Häfen gestärkt. "Eine sehr, sehr kluge und sinnvolle Maßnahme."

Blick auf das Tunnelportal nach der Fertigstellung im Jahr 2024.

Blick auf das Tunnelportal nach der Fertigstellung im Jahr 2024.

Foto: Bremer Baubehörde

"Ein historischer Tag für Bremen"

Das wiederum sahen auch Lohse und Sieling so. Der Bausenator sprach von einem "historischen Tag für Bremen". Und für den Bürgermeister ist dieser Bauabschnitt "das zentrale Verkehrsprojekt Bremens für die nächsten Jahre". Sieling bezeichnete die vierte Weserquerung Bremens außerdem als "neue Lebensader", die künftige Verkehrsführung werde die Stadt auf Grund ihrer Entlastungseffekte geradezu umkrempeln.

Den Lobeshymnen schloss sich auch Handelskammer-Präses Harald Emigholz an. "Heute ist ein guter Tag für das Land Bremen. Erstmals seit langer Zeit wird wieder eine wirklich neue Verkehrsverbindung und insbesondere eine dringend notwendige zusätzliche und leistungsfähige Weserquerung geschaffen", erklärte Emigholz in einer Pressemitteilung. Allerdings müsse nun auch der verbleibende Bauabschnitt 2/2 in Huckelriede schnellstmöglich umgesetzt werden. "Ziel muss es sein, dass beide Vorhaben annähernd zeitgleich abgeschlossen werden."

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Emigholz sprach damit die letzte verbliebene Lücke in der insgesamt 17 Kilometer langen Autobahn 281 an – das Teilstück zwischen Neuenlander Ring und Autobahnzubringer Arsten, gegen das seit Jahren mehrere Bürgerinitiativen mobil machen. Bürgermeister Sieling geht davon aus, dass auch dieser Bauabschnitt in den kommenden Jahren realisiert wird, "sodass die Autobahn-Eckverbindung A 281 voraussichtlich im Jahr 2024 vollendet ist". Der notwendige Planfeststellungsbeschluss soll "in den nächsten Monaten" vorliegen.

Ob es anschließend erneut Verzögerungen durch Klagen geben wird, bleibt abzuwarten. Gemessen an der Geschichte des Bauabschnitts 4 müsste der Neustädter Shanty-Chor allerdings erst wieder für ungefähr 2028 gebucht werden.

+++Dieser Artikel wurde um 18.26 Uhr aktualisiert+++

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