Blumenthaler Anlage BS 12 soll bis August abgearbeitet sein / Bund trägt Kosten

Erster Stollen wird bald verfüllt

Blumenthal. Der frühere Blumenthaler Luftschutzstollen mit der Bezeichnung BS12 soll bis zum Sommer verfüllt werden. Das hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Sieling im Bundesfinanzministerium erfahren. In einer Antwort der Behörde auf eine schriftliche Anfrage Sielings heißt es, das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung rechne "mit einem Abschluss der Sicherungsmaßnahme noch bis zum August diesen Jahres, wenn die zuständige Stelle des Bremer Senats die notwendige Ausschreibung der Baumaßnahme vorgenommen hat".
11.03.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Erster Stollen wird bald verfüllt
Von Jürgen Theiner

Blumenthal. Der frühere Blumenthaler Luftschutzstollen mit der Bezeichnung BS12 soll bis zum Sommer verfüllt werden. Das hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Sieling im Bundesfinanzministerium erfahren. In einer Antwort der Behörde auf eine schriftliche Anfrage Sielings heißt es, das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung rechne "mit einem Abschluss der Sicherungsmaßnahme noch bis zum August diesen Jahres, wenn die zuständige Stelle des Bremer Senats die notwendige Ausschreibung der Baumaßnahme vorgenommen hat".

Der Stollen BS 12 verläuft von der Fresenbergstraße in Richtung Eichsfelder Straße und soll mit seinen Verzweigungen rund 1000 Meter lang sein. Er zählt zu einem System von unterirdischen Gängen, die im Zweiten Weltkrieg in Bremen-Nord zum Schutz vor Bombenangriffen angelegt worden waren.

Vor wenigen Wochen hatte die Nachricht von der zunehmenden Instabilität der fast 70 Jahre alten Stollen die betroffenen Anwohner aufgeschreckt. Auf Anfrage der NORDDEUTSCHEN hatte das Bundesfinanzministerium gar vor "akuten Gefahren für Leben oder Gesundheit von Menschen" gewarnt. Diese Bewertung wurde einige Tage später abgeschwächt. Gleichwohl sehen das Ministerium und die nachgeordneten Fachbehörden Handlungsbedarf, und zwar vordringlich bei BS 12. Dafür spricht auch die Kurzfristigkeit der jetzt angepeilten Verfüllung.

Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack war gestern in dieser Angelegenheit auf Dienstreise in Erfurt. Dort gibt es eine Außenstelle der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die die betroffenen Liegenschaften verwaltet. "Ich habe Einblick in die letzten Begehungsprotokolle für BS 12 nehmen können", so Nowack. Sie stammen aus dem März 2009 und münden laut Nowack in die Feststellung des Sachverständigen, dass die Tragfähigkeit der Stollendecken nicht mehr zu kalkulieren sei, wenn nichts unternommen wird.

Für die Verfüllung des Stollens im Blumenthaler Ortskern stehen offenbar zwei technische Verfahren zur Auswahl. Entweder würde über sogenannte verlorene Leitungen Dämmstoff mit Wasser in die Stollen geleitet, "der dann aufquillt wie Bauschaum", so Nowack. Alternativ - und dazu neigt offenbar die Behörde - könnte das Füllmaterial über Bohrlöcher nach unten gelangen. Die Sohle der Stollen liegt in bis zu 20 Metern Tiefe. Kalkuliert wird offenbar mit Kosten von rund 600000 Euro, die der Bund übernimmt.

Das Finanzministerium ist aber bei möglichen Folgeprojekten in Bremen-Nord nicht automatisch der Zahlmeister. Darauf ist Nowack nach eigenen Worten von den BImA-Fachleuten eindringlich hingewiesen worden. Entscheidend sei, ob tickende Zeitbomben wie BS 12 spätestens ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes (AKG, 1957) an die zuständigen Bundesbehörden gemeldet wurde. Bei BS 12 war das offenbar der Fall. Wie es sich rechtlich mit anderen Teilen des Stollensystems unter Blumenthal und Vegesack verhält, ist offenbar nicht geklärt.

In Fällen, die nicht durch das AKG abgedeckt sind, müssten die betroffenen Grundstückseigentümer für die Kosten einer Sanierung geradestehen, gibt Nowack die Fachleute der Erfurter Behörde wieder. Für den Ortsamtsleiter folgt daraus: Die von Teilen der Blumenthaler Ortspolitik geforderte, flächendeckende Untersuchung des Stadtteils auf mögliche weitere unterirdische Gänge könnte ein enormes Kostenrisiko für die Bürger bergen. "Davon sollte man lieber die Finger lassen.

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