Irene Süß wollte mit 30 einen eigenen Laden haben – nun hat es noch ein Jahr früher geklappt Erstes Ziel erreicht

Blockdiek. „Ich habe immer Ziele vor Augen gehabt“, sagt Irene Süß. „Und die wollte ich so schnell wie möglich erreichen.
16.04.2015, 00:00
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Erstes Ziel erreicht
Von Nikolai Fritzsche

„Ich habe immer Ziele vor Augen gehabt“, sagt Irene Süß. „Und die wollte ich so schnell wie möglich erreichen.“ Eines dieser Ziele: Mit 30 wollte sie ein eigenes Geschäft haben. Dank eines glücklichen Zufalls ging es sogar noch schneller: Anfang März eröffnete die 29-jährige Einzelhandelskauffrau einen Kosmetiksalon im Einkaufszentrum Blockdiek.

Einige Wochen zuvor war noch nicht abzusehen gewesen, dass ihr Traum so schnell Wirklichkeit werden könnte. Süß arbeitete damals freiberuflich als mobile Schönheitsberaterin. Sie modellierte Fingernägel, unter anderem in einem Salon im Einkaufszentrum Blockdiek. Dessen Besitzerin bot ihr im Februar an, den Laden zu übernehmen. „Ich habe nicht lange überlegt“, erzählt Süß.

Vierzehn Tage später war der Salon bereits nach Süß’ Vorstellungen umgestaltet. „La Mary Beauty and more“ heißt er jetzt. Es gibt schwarze und weiße Flächen, und jede Menge Pink. „Der Laden fällt auf. Viele bleiben stehen und viele kommen auch rein. Ich habe extra das knallige Pink ausgewählt, damit der Laden nicht zu übersehen ist.“

Eine junge Frau betritt das Geschäft mit ihrer kleinen Tochter. Ganz in Schwarz ist die Frau gekleidet, ganz in Pink das Mädchen. Damit passen sie perfekt zur Einrichtung. Die Frau vereinbart mit Süß einen Termin für eine Wimpernverlängerung. „Make-up und Wimpern mache ich am liebsten“, erzählt Süß, als die Tür hinter den beiden zugefallen ist. „Weil man da diesen extremen Vorher-Nachher-Unterschied hat.“

Es kommen auch viele Herren

Dreizehn Jahre alt sei ihre jüngste Kundin, über 85 die älteste, sagt Süß. Und wie ist es mit Männern? „Es kommen auch viele Herren. Obwohl die Farben hier ja eher für Frauen sind.“ Die meisten von ihnen nutzten das Solarium oder ließen sich die Augenbrauen zupfen.

Es macht Süß Spaß, Menschen dabei zu helfen, „sich hübsch zu machen“, wie sie es sagt. „Manchen fehlt die Zeit, sich selbst das Schminken beizubringen, andere trauen sich einfach nicht.“ Sie kennt das aus eigener Erfahrung. „In meiner Familie ging es sehr religiös zu. Da musste ich wie ein Mauerblümchen rumlaufen, durfte mich kaum schminken. Deshalb konnte ich es auch nicht. Wenn wir mal feiern gehen wollten, musste das immer meine Cousine machen.“

Beruflich übernahm Irene Süß hingegen früh Verantwortung. Mit Anfang 20 leitete sie bereits eine Filiale einer Schuh-Handelskette. Es gefiel ihr, andere anzuleiten. Aber sie will auch gestalten. „Selbst als Filialleiterin ist man ziemlich eingeschränkt“, sagt Süß. „Ich hatte nie so ganz freie Hand.“

Die hat sie jetzt, und das nutzt sie aus. Die junge Frau hat außer im Einzelhandel auch schon in anderen Bereichen gearbeitet, zum Beispiel in der Gastronomie. Sie habe gelernt, dass es unabhängig von der Tätigkeit immer auf eins ankomme: „Man muss auf die Kunden hören.“

In ihrem Salon kann sie nun alle Erfahrungen einbringen, die sie gemacht hat. Und es scheint zu funktionieren: „Die Leute fühlen sich hier wohl. Wenn ich sage: ,Es dauert noch zwanzig Minuten‘, dann laufen die Leute nicht weg und erledigen noch was, sondern sie setzen sich hin und warten.“

Irene Süß winkt einer Frau, die vor dem Schaufenster vorbeiläuft. „Meine Tante“ sagt sie. Dass Verwandte oder Bekannte vorbeikommen, ist keine Seltenheit – Süß wohnt in der Nähe ihres Ladens und ist in Schevemoor aufgewachsen, seit sie mit vier Jahren aus Russland nach Deutschland kam. Süß ist in ihrem Stadtteil verwurzelt. Auch deshalb genießt sie es, jetzt einen festen Ort zum Arbeiten zu haben und nicht mehr umherzufahren.

Filialen im Blick

„Sehr gut“ sei der erste Monat gelaufen, sagt sie. Ihr nächstes Ziel: Der Laden soll so gut laufen, dass sie Filialen eröffnen kann. „Dann könnte ich anderen Arbeit geben. Das würde ich gerne machen, weil ich selbst weiß, wie es ist, wenn man Arbeit sucht.“ Sie erzählt, dass schon in den ersten Tagen nach der Eröffnung Frauen in den Laden kamen und sich nach Arbeit erkundigten. „Im Moment kann ich das finanziell aber noch nicht machen.“

Irene Süß hat also noch einiges vor. Trotzdem sagt sie schon jetzt: „Ich bin beruflich angekommen, habe meine Erfüllung gefunden.“ Dass der Schritt in die Selbstständigkeit Risiken birgt, hat Irene Süß nicht abgehalten. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt,“ sagt sie. Eines kommt auf keinen Fall in Frage: „Ich kann mir nicht vorstellen, nochmal angestellt zu sein.“

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